Startrainer kassierte bei «Messi and Friends» gross ab

Wie Football Leaks enthüllt, geht es bei den von Messi organisierten Benefizspielen bei weitem nicht nur um eine gute Sache.

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Spektakel. Gemeinnützige Projekte, ausgesucht von der Messi-Stiftung. Geldwäsche. Die «Messi and Friends»-Tour durch Nord- und Südamerika im Jahr 2013 hat spätestens seit letztem Jahr mehrere Überbegriffe. Was zunächst eine gute Sache schien, geriet in Verdacht, in Wahrheit eine Plattform für Geldwäschegeschäfte zu sein. Sogar von Drogengeldern war die Rede, die dank den Partien mit Fussballstars wie Messi, Neymar, Luis Suarez oder Thierry Henry reingewaschen werden sollen. Beweise gab es nie, weshalb die Veranstalter diese Vorwürfe freilich vehement zurückwiesen.

Dank der Enthüllungsplattform Football Leaks geraten die angeblichen Benefizspiele aber erneut in ein schlechtes Licht. Wie der «Spiegel» schreibt, hat beispielsweise die italienische Trainer-Ikone Fabio Capello gross abkassiert. 75’000 US-Dollar hatte der ehemalige Rom- und Juve-Trainer als Gage für die Teilnahme an den Spielen in Los Angeles, Chicago und Lima erhalten, dazu residierte er in Fünfsternhotels und reiste in der Business Class. Die Geldflüsse führten über Uruguay und die Schweiz, wie der «Spiegel» und seine Partner der European Investigative Collaborations (EIC) recherchiert haben.

Um erhebliche Steuervorteile geniessen zu können, überwies die Firma Players Image aus Uruguay, die offenbar für die Akquise der Profis zuständig war, das Geld zuletzt an ein Unternehmen namens Doyen Marketing mit Sitz in Malta. Doyen vermarktet im Sportbusiness Bildrechte diverser Stars wie Trainer Diego Simeone, Real-Stürmer Alvaro Morata oder Torjäger Radamel Falcao. Dank dem Domizil Malta geniesst die Firma erhebliche Steuervorteile.

Zwar streitet Capello ab, «irgendeine Vermittlungsgebühr an Doyen oder andere Organisationen oder Firmen gezahlt» zu haben, schreibt Sohn und Anwalt Pierfilippo, die Dokumente von Football Leaks beweisen aber das Gegenteil. Demnach schickte Doyen Anfang September eine Rechnung von 10’000 Dollar an Capello mit dem Zahlungszweck: «Kommission für die Lionel-Messi-Spiele.» Ein Teil der Vermögenswerte bezahlte Doyen an die JAJ Communications, eine in London ansässige PR-Firma. Auch hier ist die Ursache klar: «Kommission für die Teilnahme von Fabio Capello an den Leo Messi and Friends Spielen 2013.» Welche Dienstleistung JAJ erbrachte, wird nicht näher ausgeführt.

Nach einer finanziell bedingten Pause kündigte Football Leaks an, in den kommenden Wochen dank der Unterstützung des EIC wieder gross anzugreifen – auch wenn die (finanziell) mächtigen Fussballstars das zu verhindern versuchen. Nach Angabe von EIC-Mitglied «El Mundo» hatte sogar ein Richter in Madrid der Zeitung und ihrem Chef Pedro G. Cuartango mit bis zu fünf Jahren Gefängnis gedroht, sollte sie die Dokumente zu Cristiano Ronaldos Steuertricks veröffentlichen. In ihrer Meldung klagte «El Mundo», dass eine solche Drohung nur in Spanien ausgesprochen wurde, obwohl das EIC ein Zusammenschluss mehrerer Zeitungen in Europa ist: «Der Richter versucht zu verhindern, dass ‹El Mundo› das Recht zu wahrheitsgetreuer Information wahrnimmt.» (fas)

Erstellt: 05.12.2016, 11:23 Uhr

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