5:1 in Prag: Sensationeller ZSC steht im Halbfinal
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 03.12.2008
Champions Hockey League
Resultate/Ranglisten. Vorrunde. 6. Runde.
Gruppe A: Eisbären Berlin- Metallurg Magnitogorsk (Russ) 2:1 (1:0, 1:1, 0:0). -Schlussrangliste (je 4 Spiele): 1. Metallurg Magnitogorsk 9 (11:5). 2. Eisbären Berlin 8 (10:10). 3. Kärpät Oulu (Fi) 1 (5:11).
Gruppe B: HV71 Jönköping (Sd) - Espoo Blues (Fi) 0:6 (0:3, 0:1, 0:2) - Schlussrangliste (je 4 Spiele): 1. Espoo Blues 12 (14:4). 2. HV71 Jönköping 3 (13:18). 3. Bern 3 (11:16).
Gruppe C: Salawat Julajew Ufa (Russ) - Slovan Bratislava (Slk) 8:2 (1:1, 4:1, 3:0). - Schlussrangliste (je 4 Spiele): 1. Salawat Julajew Ufa 12 (22:5). 2. Ceske Budejovice (Tsch) 3 (9:17). 3. Slovan Bratislava 3 (11:20).
Gruppe D: Slavia Prag - ZSC Lions 1:5 (0:1, 1:0, 0:4). - Schlussrangliste (je 4 Spiele): 1. ZSC Lions 10 (20:11). 2. Slavia Prag 8 (15:15). 3. Linköping (Sd) 0 (11:20).
Gruppensieger in den Halbfinals.
Halbfinals: ZSC Lions - Espoo Blues, Metallurg Magnitogorsk - Salawat Julajew Ufa. - Hinspiel am Mittwoch, 10. Dezember in Rapperswil, Rückspiel am Mittwoch, 7. Januar 2009. - Final: 21./28. Januar.
Telegramm
Slavia Prag - ZSC Lions 1:5 (0:1, 1:0, 0:4)
O2-Arena. - 8137 Zuschauer. - SR Schimm/Schütz (De), Kaspar/Winnekens (Ö/De). - Tore: 15. Trudel (Pittis, Alston/Ausschluss Kolarik) 0:1. 37. Jelinek (Kadlec) 1:1. 47. (46:51) Gardner (Wichser, Monnet) 1:2. 48. (47:29) Alston (Bastl, Seger) 1:3. 58. Gardner (Sejna, Suchy) 1:4. 60. Alston (Trudel) 1:5. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Slavia Prag, 5mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions.
Slavia Prag: Svoboda; Kadlec, Vasicek; Novak, Drtina; Kolarik, Zizka; Sloboda; Hruska, Beranek, Vondrka; Bednar, Cervenka, Tomica; Cermak, Jelinek, Kraft; Dolezal, Micka, Ruzicka; Sklenar.
ZSC Lions: Sulander; Blindenbacher, Suchy; Cadonau, Seger; Geering, Schelling; Gardner, Wichser, Sejna; Bühler, Pittis, Trudel; Bastl, Monnet, Alston; Aurelio Lemm, Down, Grauwiler.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Forster, Kamber, Stoffel (alle verletzt) und Krutow (krank). - 57. Pfostenschuss Hruska.
Ein Doppelschlag innert 40 Sekunden im Schlussdrittel half den Löwen bei ihrem grossen Coup. Gardner mit einem haltbaren Weitschuss und Alston nach schöner Kombination bezwangen den Prager Goalie Svoboda (47./48.). Gardners zweiter Treffer zum 4:1 wenige Minuten vor Schluss nach einem perfekten Konter bedeutete die endgültige Entscheidung. Alston machte es dem Neo-Schweizer in der Schlussminute nach und erzielte mit dem 5:1 seinen zweiten Treffer des Abends.
Dieses Resultat hätten die grössten Optimisten im Zürcher Lager nicht erwarten können. Der ZSC hatte gewiss in heiklen Phasen Glück und konnte sich jederzeit auf den fehlerlosen Torhüter Sulander verlassen. Aber die reife Leistung aller Löwen verdient grossen Respekt, zumal die Mannschaft ersatzgeschwächt in Prag antreten musste.
Halbfinal am Obersee
Dieser Erfolg hat für das Schweizer Eishockey zweifellos historischen Wert. Neben dem Flirt mit den Top-4-Teams von Europa haben es die ZSC Lions geschafft, dass ein Schweizer Klubs erstmals im Europacup ein tschechisches Team bezwungen hat.
Bedauernswert aus Sicht der Zürcher ist, dass man im Halbfinal nicht im Hallenstadion gegen den finnischen Vertreter antreten kann. Die Mehrzweckhalle von Oerlikon ist anderweitig belegt. Der Champion aus der National League muss sein Heimspiel in der kommenden Woche in Rapperswil-Jona austragen. Damit verschwindet ein grosser Teil der Prämie von 250 000 Euro wieder für die Infrastruktur.
Simpsons Komplimente
Für Löwen-Trainer Sean Simpson war der letzte Abschnitt der stärkste des ZSC in dieser Saison. «Unser Forechecking funktionierte im Schlussdrittel einwandfrei, wir hielten den Druck von unserem Tor fern und erzielten drei Kontertore», freute sich der Kanadier. Simpson wusste in der Stunde des Erfolgs, bei wem er sich primär zu bedanken hatte. «Sulander hielt uns im Mitteldrittel mit seinen Paraden im Spiel. Dank ihm stand es nur 1:1, wir hätten zurückliegen können, nicht nur mit einem Tor...» 34:14 lautete das Schussverhältnis nach 40 Minuten, nur einmal hatte sich Sulander bezwingen lassen müssen.
Der Spielverlauf in den ersten beiden Dritteln
Denn der tschechische Meister erhöhte nach der ersten Pause das Tempo drastisch. Der Druck brachte auch Erfolg für den Gastgeber: Jelinek lenkte einen Weitschuss von Kadlec zum Ausgleichstreffer ab (37.). Löwen-Goalie Sulander, der zuvor mehrere Tormöglichkeiten Slavias zunichte machte, war machtlos. Beim ZSC häuften sich die Abspielfehler, auch in Phasen numerischer Überlegenheit. Und in der defensiven Zone verlor der Leader der NLA vermehrt die Übersicht in diesem kämpferischen Duell.
Trudel brachte die Stadtzürcher im Powerplay nach einer Viertelstunde in Front (15.). Auf der kleineren Eisfläche in der O2-Arena verdienen sich die Löwen die Führung dank einer tadellosen defensiven Leistung. Die Prager, die mit ihrem angeschlagenen Star Bednar antreten, kamen kaum zu Torchancen. Und die wenigen Torschüsse, die auf das Zürcher Gehäuse flogen, wurden von Goalie Sulander souverän abgewehrt.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2008, 23:40 Uhr
