«Daran werde ich den ganzen Sommer denken»

Wie im Vorjahr verabschiedet sich der ZSC schon nach dem Viertelfinal in die Ferien. Dementsprechend gross ist der Frust.

Wenig Tore, wenig Siege, nichts zu lachen: Die ZSC Lions nach Spiel 6 in Lugano.

Wenig Tore, wenig Siege, nichts zu lachen: Die ZSC Lions nach Spiel 6 in Lugano. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Riesig war die Enttäuschung nach Spielschluss. Die ZSC Lions verabschiedeten sich kurz von ihren mitgereisten Fans und marschierten dann schnurstracks in die Kabine. Pius Suter war dann der erste, der sich nach der siebten Playoff-Auswärtsniederlage in Serie gesammelt hatte. «Letztlich hat Lugano verdient gewonnen», sagte einer der auffälligsten Zürcher, «wir haben ganz einfach zu wenig Tore geschossen. Dreimal ist uns nur ein Tor gelungen, das reicht halt nicht.»

Ein Zweites war den Zürchern im Schlussdrittel aberkannt worden, da die Partie bei der Schussabgabe Suters schon unterbrochen war, weil sich gleichzeitig in der Nähe der Spielerbänke Chris Baltisberger und Zackrisson rauften. Der Schütze Suter hatte vom Pfiff der Schiedsrichter nichts mitbekommen: «Ich hatte mit Seger ein Zwei gegen Eins und habe erst nach dem Tor gesehen, dass schon unterbrochen war. Es war halt sehr laut im Stadion. Schade, das Tor wäre wichtig gewesen.»
Brotlose Kunst

Auch im Spiel der letzten Chance war die mangelnde Effizienz ein Faktor und dies trotz einer Vielzahl von Möglichkeiten, speziell in der Anfangsphase, als sie die Südtessiner vehement in deren eigene Zone gedrückt hatten. «Wir hatten einen fantastischen Start», sagte ZSC-Trainer Hans Wallson, «Lugano hat in den ersten sechs, sieben Minuten keinen Puck berührt. Wir hätten in dieser Zeit drei, vier Tore erzielen können, aber dann kamen sie zu ihrem Powerplay und das brachte ihnen Energie.» Einen Vorwurf mochte der Schwede seinen Schützlingen nicht machen: «Wir haben die ganzen 60 Minuten hart gearbeitet, es gelang uns aber einfach kein Tor mehr. Gespielt haben wir aber sehr gut.» Für ihn war aber auch der Matchwinner der Serie klar: «Elvis Merzlikins war der Held.»

Wie im Vorjahr gegen den späteren Champion Bern waren die in der Qualifikation so überragenden Zürcher nicht in der Lage, in der entscheidenden Phase noch einmal zuzulegen. Wallson verneinte dezidiert, dass seine Spieler zu leicht durch die 50 ersten Spiele gekommen waren: «Es war nicht einfach, jedes Spiel war schwierig. Aber im Gegensatz zur Qualifikation fehlte uns in dieser Serie die Effizienz beim Skoren, speziell auch im Powerplay.» Die Niederlage wird ihre Spuren hinterlassen, auch beim neuen Trainergespann Wallson/Johansson. «Daran werde ich über den ganzen Sommer denken», gab Wallson zu.

Ganz anders natürlich die Gemütslage bei den Gewinnern. Stefan Ulmer, der österreichische Verteidiger strcich herus, dass «jeder bei uns seinen Job kannte. Wir haben viele Schüsse blockiert, haben hart vor unserem Tor gearbeitet und Elvis Merzlikins spielte eine grosse Serie.» Punkto Spielanteile waren die Zürcher klar überlegen gewesen, aber das entsprach auch den Erwartungen. «Wir wussten, dass sie mehr Scheibenbesitz haben würden, aber wir standen kompakt», befand Ulmer.

Damit hat sich der Aufwärtstrend bei den Südtessinern fortgesetzt, der sich seit dem Trainerwechsel von Doug Shedden zu Greg Ireland abgezeichnet hatte. Für Ulmer war aber nicht diese Rochade der Hauptgrund für die Steigerung: «Es war der Moment, an dem jeder in den Spiegel schauen und sich zusammenreissen musste. Wir wussten: Wenn alles zusammenpasst, sind wir ein starkes Team.» Das soll ab Dienstag auch der letztjährige Finalgegner Bern zu spüren bekommen. Ulmer will dem Qualifikationssieger jedenfalls nicht freies Geleit zusichern. «Im Gegenteil, wir wollen Revanche.»

Polemiken hatte es enorm viele geben in den letzten zwei Wochen. Eine letzte umschiffte Alessandro Chiesa eleganter, als es die meisten Protagonisten vorher getan hatten. Auf die Frage eines Tessiner Fernsehmannes, ob Lugano mit dem im Januar entlassenen Shedden auch so weit gekommen wäre, entgegnete der Captain vor laufender Kamera: «Ich verstehe nicht, wieso Sie mir jetzt eine solche Frage stellen. Jetzt ist die Stunde unseres Erfolges, da braucht es keine Polemik.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2017, 07:41 Uhr

Artikel zum Thema

Zeit, die Handbremse zu lösen

Analyse Die ZSC Lions spielen nicht Playoff-, sondern Alibihockey. Heute ist ihre letzte Chance. Mehr...

ZSC-Wende oder Ende Feuer

Die ZSC Lions können sich keine weitere Niederlage gegen Lugano leisten. Spieler und Trainer suchen das Erfolgsrezept für Spiel 6 am Donnerstag. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Blogs

Politblog Gymnasium UND Lehre

Blog Mag Regeln für den Heiratsmarkt

Abo

Weekend-Abo für 1.- testen

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Vom Statussymbol zum Ersatzteillager: Ein Arbeiter bedient sich an einem Hindustan Ambassador auf einem Markt in Kalkutta, Indien (23. März 2017).
(Bild: Rupak De Chowdhuri ) Mehr...