Der Triumph der Blackhawks freut auch den ZSC
Von Simon Graf. Aktualisiert am 11.06.2010
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- Flyers mit erstem Sieg im Stanleycup-Final
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Den Victoria-Cup, den inoffiziellen Weltmeistertitel, verpassten die Chicago Blackhawks im vergangenen September im Hallenstadion beim 1:2 gegen die ZSC Lions. Nun können sie sich damit trösten, den Stanley-Cup errungen zu haben. 49 Jahre musste sich die «Windy City» gedulden, um wieder einmal den Gewinn der prestigeträchtigsten Trophäe im Eishockey feiern zu dürfen. Seit dem 16. April 1961 waren 7951 Tage vergangen. Damals war John F. Kennedy erst ein paar Monate im Amt als US-Präsident gewesen, Juri Gagarin war eine Woche zuvor als erster Mensch in den Weltraum geflogen und die Berliner Mauer erst in Planung.
Erinnerungen an den Olympiafinal
Wer so lange warten muss, weiss den Erfolgsmoment umso mehr zu schätzen. In der Innenstadt Chicagos verfolgten Zehntausende das sechste Finalspiel in Philadelphia vor Grossleinwänden, ein Wolkenkratzer wurde so beleuchtet, dass man die Form des Stanley-Cups in ihm erkennen konnte. Und schliesslich bescherte Patrick Kane den Anhängern das schönste aller Happy-Ends: ein Overtime-Tor. Der flinke Flügel überraschte Goalie Michael Leighton aus spitzem Winkel zum 4:3 zwischen den Beinen. Weil alles so schnell ging und der Puck im Tornetz verschwand, war Kane der Einzige, der sofort realisierte, dass es vorbei war. Als er wilde Jubelposen aufführte, schlossen sich ihm seine verdutzten Kollegen an.
Die Szenerie erinnerte an den Olympiafinal in Vancouver, als Sidney Crosby gegen die USA ebenfalls in der Verlängerung aus spitzem Winkel getroffen hatte. Damals war Kane noch auf der Seite der Verlierer gewesen. Jonathan Toews hingegen erlebte beide Spiele aus der richtigen Perspektive. Der Captain der Blackhawks, der mit der Conny-Smythe-Trophäe als wertvollster Playoff-Spieler ausgezeichnet wurde, ist mit 22 Jahren und 41 Tagen das jüngste Mitglied des «Triple Gold Clubs» geworden – also einer jener Spieler, die WM- und Olympiagold sowie den Stanley-Cup errungen haben. Und der 23-Jährige ist nun nach Sidney Crosby der zweitjüngste Captain eines Cupsiegers.
Das Fräulein Pronger
Kane und Toews stehen für die Renaissance der Blackhawks, die von 2003 bis 2008 das Playoff verpasst hatten, meist sogar jenseits von Rang 25 (von 30 Teams) gelandet waren. Die schlechten Platzierungen verschafften der Franchise hohe Draftrechte, die sie gewinnbringend einsetzte: 2006 wurde Toews als Nummer 3 gezogen, im Jahr darauf Kane als Nummer 1. Und um die beiden Jungstars wurde ein künftiges Meisterteam aufgebaut. Interessant sind die Parallelen zu 1961, als Bobby Hull und Stan Mikita auch erst 20 und 21 waren. Chicago ist in den letzten zwei, drei Jahren wieder zu einer Hockeystadt geworden. Inzwischen, so glaubt der Kolumnist der «Chicago Tribune», könnten sogar die meisten den Namen des wuchtigen Flügels Dustin Byfuglien (man sagt: Bafflin) korrekt aussprechen.
Auch die «Tribune» liess sich von der Euphorie anstecken. So druckte die renommierte Zeitung am Tag vor Spiel 6 eine Fotomontage von Flyers-Abwehrchef Chris Pronger im Dress einer Eiskunstläuferin und schrieb: «Chrissy Pronger. Schaut aus wie Tarzan, läuft wie Jane.» Dass Eishockey in der drittgrössten US-Stadt die Massen begeistern könnte, war vor kurzem noch nicht abzusehen gewesen. In den Neunzigerjahren verärgerte Besitzer «Dollar» Bill Wirtz eine ganze Generation von HawksFans, als er veranlasste, dass die Spiele nicht mehr im lokalen Fernsehen gezeigt werden dürften – um Zuschauer ins Stadion zu zwingen. Die Strategie verfehlte ihre Wirkung, 2004 wurden die Blackhawks von ESPN zum schlechtesten Profiklub Nordamerikas gewählt. Und Wirtz zum geldgierigsten Eigentümer.
Der ZSC plant ein T-Shirt
Dessen Sohn Rocky übernahm 2007 am Tiefpunkt. Nur 3400 Saisonkarten setzte der Verein damals noch ab. Inzwischen ist das United-Center seit 102 Spielen mit jeweils über 22 000 Sitzen ausverkauft. Und auch die NHL profitiert vom Aufschwung Chicagos. Die TV-Ratings schnellten während des Finals auf ein Rekordniveau, die NHL-Zuschauerzahlen in den USA waren so hoch wie zuletzt 2002. Ein bisschen mitjubeln dürfen auch die ZSC Lions, deren Triumph über die Blackhawks während der Fernsehübertragung von Spiel 6 erwähnt wurde. Sogar die ZSC-Tore wurden gezeigt. Dass Don Cherry die Zürcher im «Coach’s Corner» als «Grümpelturniermannschaft» bezeichnete, kann verschmerzt werden.
Bei den ZSC Lions will man nun den Victoria-Cup nochmals gebührend in Erinnerung rufen. Analog zum T-Shirt, das der Fussballklub St. Pauli 2002 nach einem Erfolg über Bayern München (Aufschrift: «Weltpolkasiegerbesieger») drucken liess, ist nun auch ein T-Shirt in limitierter Auflage geplant. Schliesslich wird man nicht alle Jahre Stanleycupsiegerbesieger. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.06.2010, 13:35 Uhr

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