Die Schussfahrt von Larry Huras mit dem SCB
Von Simon Graf. Aktualisiert am 22.12.2009
NLA
46. Runde
| 04.02. | Bern - Biel | 4 : 0 |
| 04.02. | Zug - Davos | 3 : 2 |
| 04.02. | Kloten Flyers - Lugano | 6 : 3 |
| 04.02. | SCL Tigers - Ambri | 3 : 1 |
| 04.02. | Fr. Gotteron - Servette | 2 : 3 |
| 21.02. | ZSC Lions - Rapperswil-Jona Lakers | - : - |
Rangliste
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | Pkt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 46 | 22 | 8 | 9 | 7 | 160:125 | 91 |
| 2. | Davos | 46 | 25 | 6 | 3 | 12 | 140:108 | 90 |
| 3. | Fr. Gotteron | 46 | 24 | 6 | 3 | 13 | 146:111 | 87 |
| 4. | Bern | 46 | 23 | 4 | 6 | 13 | 145:120 | 83 |
| 5. | Kloten Flyers | 46 | 24 | 1 | 6 | 15 | 141:109 | 80 |
| 6. | Lugano | 45 | 18 | 5 | 5 | 17 | 141:142 | 69 |
| 7. | ZSC Lions | 44 | 17 | 7 | 3 | 17 | 123:117 | 68 |
| 8. | Servette | 46 | 15 | 5 | 8 | 18 | 109:113 | 63 |
| 9. | Biel | 46 | 17 | 4 | 3 | 22 | 103:115 | 62 |
| 10. | SCL Tigers | 46 | 11 | 5 | 3 | 27 | 114:158 | 46 |
| 11. | Ambri | 46 | 9 | 6 | 7 | 24 | 93:138 | 46 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 45 | 11 | 1 | 2 | 31 | 91:150 | 37 |
47. Runde
| 14.02. | Servette - Bern | - : - |
| 17.02. | Fr. Gotteron - Biel | - : - |
| 17.02. | Ambri - Lugano | - : - |
| 19.02. | ZSC Lions - Davos | - : - |
| 19.02. | Kloten Flyers - Rapperswil-Jona Lakers | - : - |
| 19.02. | SCL Tigers - Zug | - : - |
Larry Huras hat eigentlich keinen Grund zum Klagen. Er gastiert heute als stolzer Leader in Zürich und hat mit seinem SCB gute Aussichten auf den inoffiziellen Titel des «Weihnachtsmeisters». Und dies, obschon die Berner gewichtige Absenzen zu beklagen hatten, längere Zeit ohne Christian Dubé und Roman Josi auskommen mussten. Nur eines stört den Kanadier ein bisschen.
Sein anspruchsvoller Job in der Hauptstadt hat ihm bisher kaum Zeit gelassen für sein liebstes Hobby: das Skifahren. Das liegt auch daran, weil er rund eine Stunde fahren muss, bis er in den Skigebieten in Grindelwald und Adelboden ist. Anders als in Ambri, wo er in Nante wohnte, oberhalb von Airolo, und bei der Talabfahrt einfach bei seinem Haus stoppte.
Vielleicht ist es auch besser für den SCB, dass Huras dieser Tage nicht so oft zum Skifahren kommt. Denn er fährt gerne schnell. Einmal stürzte er bei Ambri den Hang hinunter und hatte Glück, dass ihn der weiche Schnee gut bettete. Nur das Knie, das er dabei verdrehte, schmerzte danach etwas. Huras mag das Skifahren, weil es für ihn die wohl einzige Aktivität ist, bei der er das Eishockey gedanklich hinter sich lassen kann. «Wenn ich mit 90 Stundenkilometern den Hang hinunter brause, denke ich nicht an Eishockey, sondern nur daran, wie ich mein Leben retten kann», sagt er schmunzelnd.
Auf der Piste Energie tanken
Am besten fühlt er sich aber nicht während des Skifahrens, sondern danach. Dann sei er wieder ruhig und zufrieden. Und wieder aufgeladen. «Als Trainer profitiert jeder von deiner Energie», hat Huras erfahren. «Und da ist es wichtig, dass man zwischendurch wieder selber Energie schöpft.»
In Bern ist sein Aufgabenbereich noch vielseitiger, weil die Marketingabteilung Spieler und Coach gerne für zusätzliche Aktivitäten aufbietet: für Events, Talks, Treffen. Die Ansprüche sind höher als anderswo. Auch sportlich. Es ist schön, dass der SCB bisher ohne grössere Probleme durch die Meisterschaft gekommen ist. Aber abgerechnet wird im Frühling. Nach zweimaligem Scheitern als Qualifikationssieger im Viertelfinal hat man gelernt, die Resultate der Regular Season mit Vorsicht zu geniessen.
Damit es nicht wieder ein böses Erwachen gibt, will Huras schon in der Regular Season Playoff-taugliches Eishockey spielen. Er fordert von seinem Team einen kämpferischen Stil, der auf einer soliden Defensive aufbaut. «Wir schiessen nicht viele Tore für die Galerie», sagt er und fragt rhetorisch: «Aber wird man dank solchen Toren Meister?» Für ihn ist es jedenfalls keine Überraschung, dass das spielerisch zuweilen überragende Lugano bisher eher enttäuscht hat. Denn mit schönen Kombinationen allein gewinne man heute kaum mehr Spiele.
Olympiapause als Risiko
Apropos Lugano. Die Tessiner, mit denen Huras 2003 Meister wurde, wecken bei ihm auch ungute Erinnerungen. Denn als die Saison im Winter 2005/06 wegen der Olympischen Spiele letztmals zweigeteilt war, wurde er bei den Bianconeri im Playoff entlassen. Die Luganesi, die neun Spieler in Turin dabei gehabt hatten, darunter die Finnen Nummelin, Peltonen und Hentunen, fanden danach den Tritt nur schwer wieder und gerieten im Viertelfinal gegen Ambri 0:2 zurück, ehe Huras durch Harold Kreis ersetzt wurde.
«Aus solchen Erfahrungen lernt man am meisten», sagt der SCB-Coach. Er bereite sich schon jetzt auf die Herausforderung vor, die Mannschaft nach Olympia wieder in Fahrt zu bringen. Denn es gibt eine Zeit, während der er auf keinen Fall die Gelegenheit haben möchte, seinem Hobby Skifahren zu frönen: während der Playoffs. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2009, 09:30 Uhr
