Die ZSC Lions — Top of Europe
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 08.01.2009 5 Kommentare
Die Homepage des Internationalen Eishockey-Verbandes (www.iihf.com) drückt es simpel aus: «Die Zürcher Saga geht weiter». Fürwahr, der europäische Höhenflug der ZSC Lions hat Dimensionen angenommen, die auf Klubebene einem Schweizer Eishockey-Klub noch nie passiert sind. Gewiss, dem HC Ambri-Piotta unter Führung von Larry Huras gelangen in den Saisons 1998/1999/2000 mit dem zweimaligen Gewinn des Continental-Cups sowie dem Titel im Supercup – dank einem 2:0-Sieg gegen Metallurg Magnitogorsk – bemerkenswerte Erfolge. Aber die Bedeutungen früherer Europacup-Wettbewerbe des IIHF waren nicht vergleichbar mit der neu ins Leben gerufenen CHL. Die Zürcher haben in diesem Winter in sechs Partien Topklubs aus Schweden, Tschechien und Finnland geschlagen, alles Nationen, die im Ranking klar vor der Schweiz (7.) klassiert sind. Und, was die Erfolge noch beeindruckender macht: Die Löwen haben alle drei Begegnugen auswärts für sich entscheiden können.
Hervorragendes Powerplay
Wie gut sich der Schweizer Champion auf diese neue Europacup-Formel vorbereitet hat, wie ernst und leidenschaftlich er in Folge seine Aufgaben angepackt hat, belegen statistische Werte. Der ZSC hat mit fünf Siegen und nur einer Penaltyniederlage den besten Wert aller Teams in der CHL. Zum Vergleich: Die Bilanz von Finalgegner Metallurg weist vier Siege und zwei Niederlagen auf. Das Team von Cheftrainer Sean Simpson hat in wichtigen Statistiken wie Effizienz im Torabschluss (18,18 Prozent) sowie im Powerplay (34,38 Prozent) deutlich die besten Zahlen. Und das Skorerklassement wird von Löwen-Center Adi Wichser, dem elf Assists, aber noch kein Goal gelungen ist, angeführt. Mit Jean-Guy Trudel, Jan Alston, Peter Sejna, Domenico Pittis und Ryan Gardner folgen fünf Teamkollegen unter den Top-7-Skorern. Einzig Jan Marek von Metallurg (3 Goals/6 Assist, Rang 3) kann mit der Lions-Fraktion mithalten. Im Boxplay liegt der ZSC auf dem zweiten Platz (96,30 Prozent).
Entschlossenheit - auch in den Finals
Und nun folgt noch das abenteuerliche Finale gegen das russische Team aus Magnitogorsk, einer Stadt hinter dem Ural. Wer in diesem Winter verfolgt hat, wie entschlossen und konsequent das Personal von Trainer Sean Simpson seine Aufgaben auf europäischem Eis angeht, gibt den Zürchern durchaus Chancen für den ganz grossen Coup gegen den (starken) Widersacher, dem letzten Gewinner des European Champions Cup. Sie hätten nun schon mehrmals gezeigt, dass sie an Herausforderungen wachsen würden, umschreibt der auch in Espoo hervorragende Captain Mathias Seger die Chancen im Hinblick auf den Schlagabtausch mit Magnitogorsk. Schliesslich würde bei einem Finalgewinn gar das Duell mit einer NHL-Organisation winken – der Traum jedes europäischen Eishockeyspielers. Trainer Sean Simpson sieht die Ausgangslager sehr realistisch. «Wir haben bewiesen, dass das Eishockey in der Schweiz besser ist als viele glauben. Aber ich habe Metallurg im Victoria Cup gegen die Rangers gesehen. Und wer die New Yorker so stark herausfordern kann, ist äusserst schwierig zu schlagen. Wir stehen im Final vor einer sehr harten Aufgabe.»
Erneut ins Asyl am Obersee
Neben den sportlichen Meriten nimmt die Führungsetage der Lions gerne zur Kenntnis, dass man schon 1,15 Millionen Euro (1,73 Millionen Franken) in der CHL verdient hat. Im Falle eines Triumphes gegen Metallurg kämem weitere 500'000 Euro dazu. Das ist Balsam auf den finanziellen Wunden der Lions, die das Finalrückspiel wegen der Eiskunstlauf-Gala «Art On Ice» erneut nicht im Hallenstadion austragen können und wie schon im Halbfinal ins Asyl nach Rapperswil-Jona ausweichen müssen. Allein diese Tatsache zeigt, wie dringend notwendig das Fanionteam der grossen Zürcher Sportorganisation in Zukunft eine neue Heimat braucht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.01.2009, 11:33 Uhr
