Die ZSC Lions müssen raus aus der Komfortzone

Die Zürcher sind so gut wie noch nie – aber das ist auch ihr Problem.

Keinem Fight aus dem Weg gehen: Morris Trachsler (ZSC, links) in der Champions League gegen Ingolstadts Thomas Greilinger. Foto: Keystone

Keinem Fight aus dem Weg gehen: Morris Trachsler (ZSC, links) in der Champions League gegen Ingolstadts Thomas Greilinger. Foto: Keystone

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Mit Prognosen ist es so eine Sache: Man studiert die Kader und schätzt dann ab, wer am stärksten ist. Doch eine Mannschaft ist ein unberechenbares Gebilde. Meister wird meist jemand anders.

Ein Blick auf das Personal der ZSC Lions lässt nur einen Schluss zu: Sie müssen die Nummer 1 sein, obschon Auston Matthews nun in Toronto das Publikum verzücken wird. Sie verstärkten sich nochmals, sind so breit besetzt wie nie. Ihre fünfte Linie wäre bei manch anderem Team die dritte. Sportchef Edgar Salis versteht es, Talente mit Entwicklungspotenzial zu identifizieren. Und Zürich ist eine solch gute Adresse geworden, dass Spieler gern dorthin wechseln, weil sie sich versprechen, weiter aufzusteigen.

Harter Aufprall im Playoff

Das klingt alles wunderbar. Das Problem ist, dass die Lions so gut sind, dass sie selbst dann die Qualifikation gewinnen, wenn sie nicht an ihr Limit gehen. So geschehen im letzten Winter. Dazu kam, dass sich viel, ja zu viel um ­Matthews drehte. Die Folge war ein harter Aufprall im Playoff: ein 0:4 gegen den SC Bern. Und ein Stilwechsel mit einem frischen Trainerduo.

Dieser war, nachdem sich die Beziehung zwischen Coach Marc Crawford und dem Team arg abgenützt hatte, auch nötig geworden. Der Kanadier liess attraktives, spielerisch geprägtes Eishockey spielen. Die Zürcher wurden mit steigenden Zuschauerzahlen und dreimal Rang 1 in der Qualifikation belohnt. Doch ein Meistertitel (2014) in Crawfords vierjähriger Schaffenszeit war für die Klasse des Teams zu wenig.

Mit dem Trainerduo Hans Wallson/Lars Johansson haben die Zürcher nun einen neuen, spannenden Weg eingeschlagen. Die beiden führten in Skellefteå eine Trainings- und Leistungskultur ein, die europaweit als beispielhaft gilt.

Sechsmal in Serie stand die Mannschaft aus der Kleinstadt zuletzt im Playoff-­Final. Jahr für Jahr schafften die beiden es, Abgänge zu kompensieren, indem junge Spieler eingebaut wurden. In Zürich ist es nun ihre grosse Herausforderung, das Team aus der Komfortzone zu holen. Schlüssel­spieler wie Roman Wick oder Luca Cunti blieben zuletzt weit unter ihren Möglichkeiten. Bei anderen wie Mike Künzle oder Reto Schäppi wartete man vergeblich auf den nächsten Schritt.

Crawford als Bremsklotz

Es kann gut sein, dass Crawford daran mitschuldig war. Denn die meisten Spieler glaubten irgendwann nicht mehr daran, dass der Kanadier sie noch entwickeln könne. Sie empfanden ihn, seine taktischen Dispositionen und sein Coaching sogar als Bremsklotz. Doch mit Wallson/Johansson sind nun zwei Trainer da, die erwiesenermassen eine Ahnung von Trainingslehre und modernem Eishockey haben – und Spieler vorwärtsbringen können.

Die ZSC Lions sind vom Kader her immer noch eher spielerisch als kämpferisch orientiert. Der späte Zuzug von Ronalds Kenins könnte Gold wert sein, weil der Lette einer jener kantigen Spieler ist, die die Zürcher vermissten. Sie müssen ­lernen, ihre Gegner nicht nur zu schlagen, sondern ihnen auch unter die Haut zu gehen. Nur dann können sie Meister werden, wie es alle von ihnen erwarten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2016, 20:35 Uhr

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