Ein Finne fürs kleine Budget

Pekka Tirkkonen ist neuer Trainer des EHC Kloten. Der 47-Jährige ist vertraut mit bescheidenen Ansprüchen.

Ein neues Gesicht im Schweizer Eishockey: Der künftige Kloten-Trainer Pekka Tirkkonen. Foto: Hannu Rissanen (Keystone)

Ein neues Gesicht im Schweizer Eishockey: Der künftige Kloten-Trainer Pekka Tirkkonen. Foto: Hannu Rissanen (Keystone)

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Ganz so wie angekündigt lief die Trainersuche dann doch nicht. «Die Mannschaft kann mitbestimmen», hatte Hans-Ulrich Lehmann erklärt, nachdem er am 2. Mai die Aktienmehrheit der EHC Kloten Sport AG übernommen hatte und damit neuer Clubbesitzer geworden war. 54  Tage später ist die Suche beendet, und aus dem Mund von Pascal Müller klingt es etwas anders, realitätsnäher auch. «Wir wollten unbedingt einen Trainer, der zu diesem Team passt», sagte Klotens Sportchef heute. Pekka Tirkkonen, 47 Jahre alt und Finne, ist dieser Trainer.

Nicht die Spieler haben also ihren Chef bestimmt, sondern wie üblich die Clubleitung. Und sie hat sich gegen vertraute Lösungen wie Lars Leuenberger oder Heinz Ehlers entschieden und für einen Mann ohne NLA-Vorgeschichte, der den Neustart darum perfekt verkörpert. Der in Finnland Trainer des Jahres war (2013/14) und mit SaiPa Lappeenranta bewiesen hat, dass er mit jungen Spielern arbeiten und auch ohne viel Geld Erfolg haben kann. «Die Voraussetzungen bei SaiPa waren ähnlich wie bei uns», sagt Müller, «auch dort bestimmte das Budget die Ambitionen.»

Damit passt der Finne zum Sparkurs, den Lehmann dem EHC verordnet hat. Und obschon Tirkkonen den Club als Ausländer grundsätzlich teurer zu stehen kommt als ein Schweizer, dürften die Mehrkosten vernachlässigbar sein. Das Lohnniveau in Finnland ist tiefer, und dass Tirkkonen gern ins Ausland wollte, war klar, seit er bei SaiPa die vom Club gewünschte Verlängerung ausschlug.

Ein Jahr Vertrag und günstig

Der Einjahresvertrag, den er nun in Kloten unterschrieb, nützt darum beiden: Tirkkonen kann sich im Schweizer Markt einen Namen machen, und der EHC erhält einen Trainer mit vielversprechendem Pal­marès zu verhältnismässig günstigen ­Konditionen. Mitte Juni nahm der Neue einen ersten Augenschein – nächste Woche will er sich die Umgebung, die er mit seiner Frau und zwei seiner drei Töchter bald bewohnt, genauer ansehen.

Tirkkonens Herkunft weckt in der Flughafenstadt schöne Erinnerungen. Mit Alpo Suhonen kam der letzte Meistercoach aus Finnland (1995 und 1996), Flügelstürmer Kimmo Rintanen war ein Jahrzehnt lang Topskorer und Publikumsliebling am Schluefweg.

Santala sowie Gerber bleiben

Wie passt Tirkkonen in diese Reihe? Sportchef Müller beschreibt ihn so: «Er ist ein atypischer Finne, sehr offen; er ist ein Familientyp, und ihn interessiert nicht nur der Spieler, sondern auch der Mensch.» Alle im Club seien «zu hundert Prozent vom Trainer und von der Person Tirkkonen überzeugt».

Dass der Finne die Schweizer Liga nicht kennt, ist in Müllers Augen kein Handicap. In seiner 23-jährigen Spielerlaufbahn war Tirkkonen schon in Tschechien, Dänemark und Deutschland tätig. «Er spricht Deutsch», sagt Müller, «er ist vielleicht etwas aus der Übung, aber das kommt schnell zurück.» Assistiert wird Tirkkonen von Niklas Gällstedt, dem Ausbildungschef im Club.

Auch im Kader gibt es Neuigkeiten. Wie erwartet, wurden die Verträge von Goalie Martin Gerber (41) und Center Tommi Santala (36) zu deutlich reduzierten Bezügen um ein Jahr verlängert. Gerbers Verlängerung ist für Müller «eine klare Entscheidung pro Luca Boltshauser» – der bisherige Ersatzmann soll an der Seite des Routiniers zur künftigen Nummer 1 aufgebaut werden.

Offen sind damit noch drei Ausländerpositionen, die vorzugsweise mit einem Verteidiger, einem Center und einem Flügel besetzt werden. Weil Ende Juni auf dem Transfermarkt in Europa «schon viel passiert ist», so Müller, schaut sich der Club vermehrt in Übersee um. «Wir sind spät dran», weiss der Sportchef, eine baldige Deadline aber sieht er nicht: «Ziel ist, dass beim Saisonstart alle Positionen besetzt sind.» Ein Thema sein könnte der bisherige ZSC-Flügel Ryan Keller. Doch wie überall gilt eben auch bei den Ausländern: «Das Wirtschaftliche spielt eine grosse Rolle.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2016, 21:31 Uhr

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50. Runde

25.02.HC Lugano - ZSC Lions3 : 2
25.02.Geneve-Servette HC - EHC Kloten2 : 4
25.02.Fribourg-Gottéron - SC Bern4 : 7
25.02.HC Davos - SCL Tigers6 : 2
25.02.HC Ambri Piotta - Lausanne HC3 : 2
25.02.EV Zug - EHC Biel-Bienne4 : 3
Stand: 25.02.2017 22:19

Rangliste

NameSpSU+U-NG:EP
1.SC Bern5031649160:114109
2.ZSC Lions5026987166:115104
3.EV Zug50283613153:12296
4.Lausanne HC50235121154:13980
5.HC Davos50224420152:13578
6.HC Lugano50196421142:15573
7.Geneve-Servette HC501841117135:14073
8.EHC Biel-Bienne50212324146:14070
9.EHC Kloten501451021142:16262
10.SCL Tigers50164327124:15459
11.Fribourg-Gottéron50125231130:17748
12.HC Ambri Piotta5098528113:16448
Stand: 25.02.2017 22:23

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