Härte, Teamspirit und Videotapes
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 30.09.2009 16 Kommentare
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3:17 – so lautete das Verhältnis zwischen der National League und der National Hockey League nach der 1:8-Abfuhr des SC Bern gegen die New York Rangers 2008 sowie nach dem 2:9-Debakel des HC Davos gegen Chicago vom letzten Montag. Und nun, selbst für hartgesottene ZSC-Fans eine Überraschung, sorgen die Lions mit dem 2:1-Erfolg gegen den letztjährigen Stanley-Cup-Halbfinalisten für einen der schönsten Momente in der Geschichte des Schweizer Eishockeys – vergleichbar mit dem 2:0-Sieg der Nationalmannschaft an Olympia 2006 in Turin gegen die Kanadier.
Selbst wenn es an diesem 29. September 2009 im Hallenstadion um kein Preisgeld, sondern nur um die sportliche Ehre ging, ist dieses 2:1 für die Zürcher als Meilenstein zu werten. Denn die Blackhawks, die mit einer stärkeren Garnitur als am Vorabend gegen den HCD antraten, wollten keinesfalls diese Partie verlieren, um sich so der Schmach auszusetzen, gegen einen Vertreter aus der Schweiz zu verlieren.
«Gewusst, dass wir etwas ausrichten können»
Aber was hat der ZSC anders gemacht als der SCB oder der HCD? Vieles anders, vieles besser. Die Löwen haben – analog zu ihren Auftritten in der Champions League – die Herausforderung angenommen, gegen eines der besten und talentiertesten NHL-Teams antreten zu dürfen. Geschickt von ihrem Trainer Sean Simpson und dessen Assistenten Colin Muller eingestellt, haben die Spieler inklusive Torhüter von Beginn weg gewusst, dass sie ihre beste Leistung abrufen müssen, um dem grossen Favoriten Paroli zu bieten.
Mit einem starken und beeindruckenden Kollektiv sowie der nötigen Zweikampfhärte haben die Löwen den Respekt der NHL-Profis gewonnen. «Wir haben gewusst, dass wir etwas ausrichten können, wenn wir mit Überzeugung auftreten», umschrieb Torschütze Patrik Bärtschi die mentale Einstellung vor diesem Duell. Nicht nur Bärtschi, alle seine Teamkollegen setzten dieses Vorhaben in die Tat um.
Simpsons eindrücklicher Leistungsausweis
Und im Gegensatz etwa zum HC Davos, der sich so vorbereitet hatte, wie wenn der Gegner aus Freiburg, Langnau oder Kloten stammen würde, haben Simpson und sein Personal sich ganz bewusst auf diesen grossen Vergleich eingestellt. Das fing bei den Trainingsdresses an und ging weiter bis zum intensiven Videostudium.
Die Unterschiede in den Resultaten und Leistungen zwischen dem ZSC auf der einen, dem SCB und dem HCD auf der anderen Seite, spricht Bände. Und Simpson hat einmal mehr innert einem Jahr bewiesen, dass er Mannschaften auf spezielle Matches vorbereiten kann. Der Headcoach der Lions, dessen Vertrag am Ende dieser Saison auslaufen wird, hat sich nach dem Gewinn der Hockey Champions League und dem Triumph im Victoria Cup in eine ausgezeichnete Position für seine berufliche Zukunft gebracht. Der Schweizer Verband sucht immer noch einen Nachfolger für Ralph Krueger. Spätestens seit gestern Abend hat der Löwentrainer eine eindrückliche Visitenkarte abgegeben, dass er nach den gescheiterten Verhandlungen mit Arno Del Curto keineswegs nur zweite Wahl für diesen Job bei Swiss Ice Hockey wäre.
Auch ein Mahnfinger an die Verbände
Aber nicht nur für das Schweizer Eishockey hat der Auftritt der Lions gegen Chicago Signalwirkung. Die Zukunft von Champions Hockey League und Victoria Cup sind ungewiss. Der Internationale Eishockey-Verband (IIHF), aber auch die NHL-Vertretung aus Chicago hat beobachtet, wie faszinierend dieser sportliche Vergleich zwischen dem Europacupsieger und einem klingenden Vertreter aus der besten Liga der Welt sein kann. Ausgetragen in einer faszinierenden Atmosphäre im fast ausverkauftem Hallenstadion boten beide Mannschaften in diesem Victoria Cup spannendes, packendes Eishockey von grosser Intensität, Spiele eben, die diesen Sport so attraktiv machen.
Es bleibt zu hoffen, dass IIHF und NHL diesen Vergleich weiter führen können. Und zwar nach sportlichen Kriterien: Der Sieger des europäischen Wettbewerbs, und nur dieser, soll weiterhin das Privileg haben, gegen ein Team aus der NHL anzutreten zu dürfen.
Der ZSC hat sich die Belohnung Victoria Cup verdient und etwas Gescheites daraus gemacht. Es war ein Coup, der viele Signale ausstrahlt, auch auf sportpolitischer Ebene. Ganz abgesehen davon, dass die Lions den angeschlagenen Ruf des Schweizer Eishockeys nach der missglückten Heim-WM wieder aufpoliert haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2009, 11:27 Uhr
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16 Kommentare
Chapeau, ZSC! Die Siege in der Champions-League und der Erfolg gestern sind für das Schweizer Eishockey sehr wichtig. Das 2:1 beweist, wie man mit Einsatz, Team- und Kampfgeist sowie einer taktischen Meisterleistung Berge versetzen kann. Ein solcher Exploit sollte nun doch auch für die Nati wieder einmal möglich sein. Auch als eingefleischter SCB-Fan gratuliere ich dem ZSC. Antworten
Vergessen wir nach dieser tollen Leistung das Dankeschön an den HCD nicht. Mit iIhrer Leistung, die sicher nicht so schlecht war wie es den Anschein machte, haben sie den ZSC Gegner zu sicher gemacht und ihnen einen leichten Match gegen den ZSC vorgekauelt. Antworten
