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Hexer, Spinner, Helden – aber vor allem Goalies

Die Schweiz hat immer wieder exzellente Eishockey-Torhüter hervorgebracht. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat ein Ranking der zehn besten Goalies erstellt.

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Nummer 10, ex-Aequo im Ranking: Pauli Jaks Der gebürtige Schaffhauser schrieb am 29. Januar 1995 Schweizer Sportgeschichte, als der jüngere Bruder von Goalgetter Peter Jaks als erster in der Schweiz ausgebildeter Eishockeyaner zu einem Einsatz in der NHL kam. 40 Minuten lang durfte er gegen die Chicago Black Hawks das Tor der Los Angeles Kings hüten. Es blieb bei diesem Einsatz, Jaks kehrte im Sommer zum HC Ambri-Piotta zurück. In der Saison 2004/05 gab er noch ein Gastspiel beim russischen Klub Avangard Omsk.
Bild: Keystone

   

Am 13. März 1971 kämpft im Berner Allmend-Stadion die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft um den Aufstieg in die WM-A-Gruppe. Gegner sind die Dynamo-Genossen aus Ostberlin und Weisswasser, einfacher gesagt, die Staatsamateure aus der DDR. Die Schweiz liegt sensationell 3:1 in Führung, nicht zuletzt dank einem gewissen Gérald Rigolet im Tor, der am Ende 68 – in Worten: achtundsechzig – Schüsse pariert. Ganz am Schluss der umstrittenen Partie verliert er nach einem Rencontre mit einem gegnerischen Spieler den Helm. Der Goalie des HC La Chaux-de-Fonds ist barhäuptig und blutüberströmt, aber er verlässt das Eis nicht.

Die Schweiz rettet den Vorsprung über die Zeit und gewinnt 3:1, das Publikum, über 11'000 an der Zahl, tobt vor Begeisterung. Rigolet geht als «Held von Bern» in die Geschichte des Schweizer Eishockeys ein und wird ins All-Star-Team des Turniers gewählt. Im ganzen Land wird die Equipe, die tags darauf nach einem 5:0-Erfolg gegen Italien in die WM-A-Gruppe aufsteigt, gefeiert. Es breitet sich eine Euphorie im Land aus, wie sie diese Sportart seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat.

Die Helden von Bern und Turin...

Die dramatischen Schlussminuten von Bern wird der Autor, damals noch nicht einmal ein Teenager, nie mehr vergessen. Schon wegen seines Mutes und Durchhaltewillens ist Rigolet in diesem Ranking, das natürlich subjektiv ist, ganz weit oben.

Rigolet gehört zu einer langen Liste von aussergewöhnlichen Goalies, welche die Schweiz hervorgebracht hat. 35 Jahre später nach dem helvetischen Eis-Wunder rund um den Bärengraben, schlägt die Schweiz an Olympia in Turin nach Tschechien (3:2) auch Kanada (2:0). Der Emmentaler Martin Gerber bringt seine Berufskollegen aus der NHL zur Verzweiflung. 48 Paraden notieren die verdutzten Berichterstatter aus dem Mutterland des Eishockeys, um den Shutout von Gerber statistisch zu belegen.

Der überraschende Coup der Schweizer Eishockeyaner im Piemont zwingt die Bevölkerung daheim zu einem langen 4. Drittel, es wird auf die Eisgenossen von Turin munter angestossen. Gerbers unglaubliche Interventionen werden am selben Abend des 18. Februars 2006 mehrmals auf den nationalen TV-Kanälen gezeigt, natürlich auch die Tor-Doublette von Doppelbürger Paul DiPietro (Ka/Sz), der ab sofort den liebevollen Übernamen «Kanada-Paul» trägt.

...und die Paraden in Moskau

In Erinnerung bleibt langjährigen Beobachtern der Schweizer Nationalmannschaft unter anderem die Vorstellungen von Jonas Hiller an der A-WM 2007 in Moskau. Zwar sind die Leistungen des Teams von Chef Ralph Krueger zumeist dürftig, was im darauffolgenden Sommer zu grossen Polemiken um den langjährigen Nationaltrainer führen sollte. Aber der Schlussmann aus dem Appenzell bringt mit seinen Reflexen gegen Russland das Publikum, aber auch Slawa Bykows «Sbornaja» zum Staunen.

Mehrmals applaudieren die lauten und fanatischen russischen Zuschauer, nicht gerade als Erfinder des Fairplays bekannt, bei Hillers tapferem Widerstand gegen die pausenlosen und blitzschnellen Attacken der Gastgeber. Selbst die spielerisch brillanten Untertanen von Eiszar Bykow schütteln bei manchen Paraden des Schweizers anerkennend und ungläubig den Kopf. Die starke Vorstellung Hillers verhindert ein Stängeli, am Ende zieht sich Kruegers Auswahl mit 3:6 wenigstens resultatmässig anständig aus der Affäre.

Die Qualitäten von Jonas Hiller

Wir wollen an dieser Stelle auch nicht Reto Pavoni vergessen, der beim 3:2-Sieg der Schweiz im Jahr 2000 in St. Petersburg gegen überhebliche Russen der Retter in grosser Abwehrnot war. Oder der 2:1-Erfolg gegen Finnland an den Winterspielen von Calgary 1988, als HCD-Goalie Richard Bucher eine Sternstunde erlebte. Oder David Aebischers Mut, in Übersee Fuss zu fassen und gar als Nummer 2 von Colorado den Stanley Cup zu gewinnen. Aebischer bot überdies als Neuling eine sehr beachtliche A-WM 1998 in Zürich und in Basel, wo die Russen sensationell 4:2 geschlagen wurden.

Und natürlich schweifen die Gedanken an den langjährigen SCB-Goalie Renato Tosio, der allerdings im Nati-Dress nicht nur Höhen erlebte. 1989 in Norwegen verpasst eine enttäuschende Schweizer Nati die Promotion ins A-Turnier. Und das Forechecking einiger Spieler an den Theken sorgt für negative Schlagzeilen zu Hause. Zu den angeklagten Nachtschwärmern zählt auch der sonst auf dem Eis so einsatzvolle Tosio.

Aber Hiller nimmt in diesem Ranking die Topposition ein. Die Argumentation? Die Jury glaubt, nein, sie ist sich sicher, dass der 27-jährige NHL-Profi einen einwandfreien Stil besitzt, der es ihm erlaubt, weitere Fortschritte in der besten Liga der Welt zu erzielen. Hiller hat sich zuletzt die Position als Nummer 1 der Anaheim Ducks gesichert, nicht zuletzt wegen seiner Coolness, seiner mentalen Stärke. Der Ex-Davoser hat alle Voraussetzungen, der beste und berühmteste Goalie der Schweizer Eishockey-Geschichte zu werden. Und weitere Torverhinderer, wie etwa Leonardo Genoni, könnten durchaus in Bälde eine Karriere in Übersee starten. Ob aber Tobias Stephan, Angestellter in der Organisation der Dallas Stars, noch den Dreh in der NHL erwischt, wird von manchen Experten bezweifelt.

Eine rasante Entwicklung im Eishockey

Wie schon gesagt: Die Liste an sehr guten Schlussmännern mit rot-weissem Pass ist lang. Unser Ranking beschränkt sich aber auf zehn Positionen, wobei das «Nachkriegs-Duo» Jean Ayer und Hans Bänninger im gleichen Rang plaziert ist. Die Copains des HC Fribourg-Gottéron werden Robert Meuwly vermissen, die Supporter des SC Langnau ihren Meistergoalie von 1976, Edi Grubauer. Die Tifosi aus der Luganeser Resega fragen sich, wo Alfio Molina bleibt. Sporthistoriker sind enttäuscht, dass der Basler Paul Wyss oder der Bündner Martin Riesen nicht zu den Top Ten gehören. Das Duo hat es, wie Molina, ganz knapp nicht geschafft. Und die jüngere Generation fragt sich: Warum sind Ronnie Rüeger, Tobias Stephan oder Daniel Manzato nicht berücksichtigt? Die Jury hat ihre Gründe, aber es haben Nuancen entschieden.

Das Eishockey hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Es ist schneller, dynamischer, athletischer geworden, es wird noch schärfer und präziser geschossen. Das ist natürlich auch die Folge der moderneren Ausrüstungen und des neueren Materials. Eishockey-Torhüter müssen heutzutage noch schneller reagieren, aber sie sind auch deutlich besser geschützt als ihre mutigen Kollegen von früher. Die technischen Entwicklungen sind in diesem Ranking mitberücksichtigt worden.

Aber ob sie nun Rigolet, Hiller, Olivier Anken oder Andy Jorns heissen: Dieses Ranking ist primär eine Huldigung an die vielen starken Torhüter, die im Klub oder in der Schweizer Nationalmannschaft Aussergewöhnliches geleistet haben – egal,ob sie nun als Hexer, Spinner, Helden oder ganz einfach als superbe Goalies ihren Platz in der Chronik einnehmen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.04.2009, 11:09 Uhr

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3 Kommentare

kurt schori

02.06.2009, 13:03 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Für mich ist klar, es kann nur eine nummer eins geben. In der jetztigen zeit, gibt es einige gute Torhüter in der Schweiz. aber für mich, ist und bleibt es, Olivier Anken. Antworten


Raffael Meyer

05.05.2009, 09:40 Uhr
Melden

Sam Schnieper liegt leider total falsch. Nichts gegen Martin Gerber, aber Jonas Hiller ist momentan ganz klar die Nr. 1. Jeder Eishockey Experte wird das bestätigen. Hiller spielt im Moment die Saison seines Lebens, übrigens anstelle von J.S. Giguere, an dem Gerber nie vorbei kam. Antworten


sam schnieper

03.05.2009, 13:39 Uhr
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Die Nummer 1 ist gegenwärtig und mit den grossen Leistungen sicher immer noch Martin Gerber. Oder har Hiller die schweiz schon mal gegen NHL Cracks zum Sieg geführt! Oder Jahrelange Hächstleistunghen. Diese Prüfungen soll er erstmal belegen können!!! Vorerst ist der grösste Respekt klar bei Gerber! amateur journis, wo bleibt die differenzierte analyse Antworten



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