Hockey-Präsident auf Schleuderkurs
Von Daniel Germann. Aktualisiert am 11.05.2009
Unter Druck: IIHF-Präsident Fasel (Bild: Keystone)
Die «SonntagsZeitung» mutmasste gestern, dass Weltverbandspräsident René Fasel in Provisionsgeschäfte verstrickt ist. Die Beweise blieb sie schuldig. Doch der Freiburger kämpft aktuell an allen Fronten mit Problemen.
IIHF-Präsident René Fasel hatte sich den letzten Tag der Weltmeisterschaft in Bern anders vorgestellt. Statt dass er am Abend ungetrübt die neuen Weltmeister aus Russland feiern durfte, musste er sich mit Verdächtigungen beschäftigen, die seine Funktionärskarriere gefährden könnten.
Die «SonntagsZeitung» berichtete von Provisionsgeschäften, in die der 59-jährige Freiburger involviert gewesen sein soll. Infront, der Vermarktungspartner des internationalen Verbandes, soll der Firma Proc AG für die Vermittlung des aktuellen Vermarktungsvertrages jährlich 400000 Franken Vermittlungsgebühr bezahlt haben. Hinter der Proc AG steht ein Jugendfreund von René Fasel, der gemäss dem Artikel als Strohmann für den Präsidenten aufgetreten sein soll.
Fasel verlas gestern eine Stellungnahme, in der er zugab, den Eigentümer der Proc AG zu kennen und ihm auch Ratschläge gegeben zu haben. Gleichzeitig dementierte er, jemals Kommissionszahlungen erhalten zu haben. Fragen beantwortete er keine.
Zurückhaltend informierte auch die IIHF. Einzig der Brite Frederick Meredith nahm als Chef der Rechtskommission Stellung: «Die Vorwürfe haben uns überrascht. Wir werden sie genau untersuchen», sagte er.
Ein Rückschlag für Fasel
Dass diese Untersuchungen zu einem Ergebnis führen werden, ist eher unwahrscheinlich. Nachdem der Beratungsvertrag mit der Infront ausgelaufen ist, befindet sich die Proc AG in Liquidation. Geschädigte gibt es nicht. Trotzdem ist die Geschichte ein herber Rückschlag für René Fasel, der gleichzeitig auch in der Exekutive des IOK sitzt. Gegner hat der Freiburger schon lange. Vor einem Jahr sicherte er sich die Wiederwahl dank der Allianz mit Alexander Medwedew, dem neuen starken Mann im russischen Eishockey, den er gleichzeitig zu seinem Vize machte.
Selten zuvor aber waren die Allianzen Fasels rissiger als im Moment. Die NHL ist verärgert, weil er im Transferstreit mit dem russischen Verband nicht klar Stellung bezogen hat. Die Russen kämpfen mit der Finanzierung ihrer aufgeblähten Kontinental Hockey League. Die Gasprom leidet unter der Wirtschaftskrise und hat deshalb den noch zwei Jahre laufenden Vertrag für die Champions Hockey League gekündigt. Wenn sie weitermacht, dann nur mit massiv reduziertem finanziellem Einsatz. Bankgarantien, um die Einnahmeausfälle zu kompensieren, fehlen.
Steigt die NHL ein?
Am Rande der WM suchte die IIHF deshalb verzweifelt nach Investoren. Generalsekretär Horst Lichtner schlug in seiner Not vor, die Liga nach nur einer Saison für ein Jahr auszusetzen. Das wäre mit Garantie ihr Ende.
Hockey Europe, in der sich die führenden Ligen Europas organisiert haben, läuft Sturm. Die Ligen haben einen Vertrag mit der IIHF, in dem unter anderem je 300000 Euro für jedes teilnehmende Team und für jede involvierte Liga garantiert sind. Sie denken nicht daran, auf dieses Geld zu verzichten. Nötigenfalls wollen sie ihr Recht auf juristischem Weg einklagen.
Die Zukunft der Champions Hockey League soll nun bis zum 10.Juni geklärt werden. Und Hilfe sucht die IIHF ausgerechnet bei der NHL, gegen die sie sich mit der Liga hatte positionieren wollen. René Fasel sagte gestern an der WM-Abschlusspressekonferenz, vielleicht werde die NHL als Investor einsteigen. Er überrumpelte damit Ken Yaffe, den NHL-Delegierten, der für die Verhandlungen nach Bern gereist war. Yaffe rettete sich in die Aussage, die NHL betrachte ihre Teilnahme am Victoria Cup als Investition in das europäische Eishockey. Die Chicago Blackhawks werden am 29.September im Zürcher Hallenstadion gegen die ZSCLions antreten.
Eigentlich hatten die beiden Parteien bis auf weiteres Stillschweigen über die laufenden Verhandlungen vereinbart. Da wusste aber erst ein kleiner Kreis vom Artikel in der «SonntagsZeitung». René Fasel brauchte gestern eine positive Meldung. Denn selbst wenn sich die massiven Vorwürfe nicht erhärten lassen, sein Image hat Schaden genommen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.05.2009, 09:15 Uhr
