Jetzt muss der ZSC Crawford entlassen

Der Kanadier hat sein Team im Playoff demontiert. Nur ein sofortiger Trainerwechsel kann noch die Wende bringen.

Nicht mehr der richtige Mann: Marc Crawford hat das Gespür für seine Mannschaft verloren.

Nicht mehr der richtige Mann: Marc Crawford hat das Gespür für seine Mannschaft verloren. Bild: Keystone

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Wenn bei den ZSC Lions in den letzten Jahren auf etwas Verlass war, dann auf dies: Wenn sie mit dem Rücken zur Wand standen, folgten ihre grössten Auftritte. Umso erschreckender war, wie desolat sie sich in Spiel 3 gegen einen dezimierten SC Bern beim 3:4 in der Verlängerung im ausverkauften Hallenstadion präsentierten. Dieses Team hatte kein Gesicht mehr, es war nervös und ratlos, in seine Einzelteile zerlegt. 0:3 liegen die Lions nun im Viertelfinal zurück, am Donnerstag droht ihnen, als erster Qualifikationssieger überhaupt im Playoff auf direktem Weg zu scheitern.

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Die ernste Lage fordert eine drastische Massnahme: Die Verantwortlichen müssen Coach Marc Crawford entlassen. Sofort! Am Donnerstag in Bern muss ein neuer Coach an der Bande stehen. Auswahl dafür gibt es in der eigenen Organisation genug: Matti Alatalo, Henryk Gruth, Manuele Celio oder Richi Jost. Alles erfahrene Männer. Wer verfügbar ist, soll übernehmen. Hauptsache, Crawford ist weg. Denn mit ihm ist das Saisonende nicht mehr abzuwenden. Er hat mit seinen Personalentscheiden und seinem Coaching die Mannschaft demontiert.

Müder, verzweifelter Matthews

Anstatt Vertrauen in sein Team zu demonstrieren, das ja immerhin die Regular Season dominiert hatte, richtete Crawford im Playoff von Beginn weg alles aufs Topduo Matthews/Nilsson aus und zeigte so dem Rest der Mannschaft, was er ihm zutraut: nichts. Sturmreihen werden wahlweise durcheinander gemischt, zuletzt musste sogar Herzog aus dem Paradesturm weichen, obschon er die beiden Künstler gut ergänzt hatte. Crawford hat auch dem überforcierten Matthews keinen Gefallen getan. Der 18-Jährige wirkt immer verzweifelter und müder.

Das Team hat den Glauben verloren, dass Crawford ihm noch den Weg zum Erfolg weisen kann. Hatte er Eiszeit und Rollenverteilung in der Qualifikation noch passabel gemanagt, hat er nun die Übersicht verloren. Und der Kanadier, geschmückt mit einem Stanley-Cup-Ring, ist beratungsresistent. Deshalb kann nur seine sofortige Entlassung diese negative Dynamik stoppen. Crawford geht Ende Saison sowieso, das hat er in diversen Interviews mit nordamerikanischen Medien schon gesagt. Es gibt keinen Grund, ihn seinen Kampf gegen sein Team noch zu Ende führen zu lassen.

Lugano zeigte 2006, dass es wirkt!

Natürlich, auch mit einem Feuerwehrmann an der Bande haben die ZSC Lions nur noch eine minimale Chance, die Serie zu drehen. Aber ein Trainerwechsel könnte beim Team nochmals ungeahnte Energien freisetzen. Wie 2006 in Lugano, als Larry Huras nach dem 0:2 im Viertelfinal gegen Ambri gehen musste, mit Harry Kreis ein unbelasteter Interimscoach kam und das Team zum Titel führte. Auch die ZSC Lions mussten schon einmal zu einer ähnlichen Notfallmassnahme greifen, in der ominösen Playout-Saison 2005/06, als Beat Lautenschlager für Juhani Tamminen kam und der Playout-Final gegen Fribourg 4:0 gewonnen wurde.

Eine kleine Chance haben die ZSC Lions noch, ihr Playoff zu retten. Es wäre schade, wenn sie diese aus Angst vor negativen Schlagzeilen nicht wahrnehmen würden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.03.2016, 01:05 Uhr)

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