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Jetzt spricht René Fasel: «Der Artikel ist geschickt formuliert»

René Fasel, Präsident des internationalen Eishockeyverbandes IIHF, wehrt sich gegen die Vorwürfe, über einen Strohmann an Marketingverträgen mitverdient zu haben. Er rechtfertigt auch seinen Auftritt vom Sonntag.

Die «SonntagsZeitung» wirft Ihnen vor, im Zusammenhang mit Vermarktungsverträgen von der Infront über einen Strohmann Kommissionen kassiert zu haben. Sie reagierten darauf am Sonntag mit einem kurzen, abgelesenen Statement und liessen keine Fragen zu. Das war keine überzeugende Reaktion.
Ich spreche gut englisch. Aber Englisch ist nicht meine Muttersprache. Sie wissen, wie schnell man sich eines falschen Worts oder einer falschen Ausdrucksweise bedient. Die Angelegenheit ist mir zu diffizil. Ich wollte nichts Falsches sagen und habe mich deshalb auf jenen Text beschränkt, den ich zuvor mit unseren Juristen abgesprochen habe.

Also deshalb hier noch einmal die Frage: Ist an den Bestechungsvorwürfen gegen Sie etwas dran?
Ich wiederhole noch einmal: Ich habe in meiner Funktion als IIHF-Präsident nie irgendwelche Provisionen kassiert. Der Vertrag, auf den sich der Artikel bezieht, stammt aus dem Jahr 2003. Ich finde es perfid, ausgerechnet am Tag des WM-Finals in der Schweiz mit einer solchen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sie haben die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten. Erwägen Sie das?
Unsere Juristen prüfen das. Der Artikel ist geschickt formuliert. Er stellt Fragen und unterstellt nur indirekt. Wir warten nun einmal ab, was noch folgt. Im Moment ist es aber besser, zu schweigen.

Die Eishockey-Familie, wie Sie den internationalen Verband zu nennen pflegen, macht momentan einen zerstrittenen Eindruck. Es brennt an allen Ecken und Enden.
Ich kann nicht leugnen, dass wir verschiedene Baustellen haben. Das Verhältnis zur NHL ist seit dem Fall Radulow (der Russe Alexander Radulow wechselte trotz gültigem Vertrag von Nashville nach Ufa, die Red.) angespannt. Uns fehlt ein Transferabkommen, an dem wir arbeiten. In Schweden haben sich fünf Klubs von der Liga losgesagt und versuchen sich der russischen Kontinental Hockey League (KHL) anzuschliessen. Die Finanzierung der nächsten Champions-Hockey-League-Saison ist noch nicht gesichert. Ich will nichts beschönigen.

Dem internationalen Verband entgleitet die Kontrolle.
Ich finde es gut für das Eishockey, dass sich lettische oder weissrussische Klubs der KHL anschliessen. Das stärkt das Eishockey in diesen Ländern, die keine starken Ligen haben. Ich werde aber nie zulassen, dass schwedische Klubs in der russischen Liga spielen. Das habe ich auch Alexander Medwedew (dem russischen Ligapräsidenten) klar gemacht.

Die europäischen Ligen haben sich organisiert und begehren auf. Sie wollen mehr Einfluss.
Ich habe Verständnis für ihre Wünsche. Sie machen die Musik. Gleichzeitig funktioniert das Eishockey nur als Pyramide. Die Verbände kümmern sich um die Nachwuchsförderung, die Verbände stellen Dienstleistungen zur Verfügung. Viele diese Arbeiten basieren auf der Ehrenamtlichkeit. In Schweden läuft momentan ein ähnlicher Prozess, wie wir ihn zuletzt in der Schweiz gesehen haben. Das Beispiel von Deutschland aber zeigt auch die Gefahren. Das deutsche Eishockey ist auch deshalb nicht mehr gleich konkurrenzfähig wie früher, weil die DEL vor zehn Jahren keine Rücksicht auf die Bedürfnisse des Verbandes mehr genommen hat.

Ihr Prestigeobjekt, die Champions Hockey League, droht schon nach einer Saison zu scheitern. Der einzige Investor Gasprom hat sich abgewendet und will nicht mehr zahlen.
Wir haben verschiedene Investoren, die interessiert sind, sich an der Champions Hockey League zu beteiligen.

Nennen Sie uns Namen?
Dazu ist es zu früh. Wir haben eine Frist bis zum 10. Juni vereinbart. Bis dann sollen Offerten vorliegen. Dann sehen wir weiter.

War es nicht naiv, sich mit Gasprom auf einen Dreijahres-Deal einzulassen, ohne eine Bankgarantie zu verlangen?
Bankgarantien sind relativ teuer. Wir handhaben es wie in der letzten Saison: Wir wollen zehn Millionen Euro bis Anfang September auf unserem Konto haben. Sonst starten wir nicht zur Champions-Hockey-League-Saison. Die IIHF kann das Risiko nicht übernehmen.

Neben Ihnen kommt auch Ihr Generalsekretär Horst Lichtner immer stärker unter Druck. Er soll seine Hausaufgaben im Zusammenhang mit der Champions Hockey League nicht gemacht haben.
Horst mag zuweilen etwas undiplomatisch sein. Ich stehe aber zu 100 Prozent hinter ihm. Er macht einen hervorragenden Job und hat bereits mitgeholfen, die Fussball-Champions-League aufzubauen. Wir müssen uns an den Fussballern orientieren: Hinter der Champions League stehen starke nationale Ligen. Anders funktioniert es nicht.

Der Fribourger René Fasel ist seit 1994 Präsident der International Ice Hockey Federation, des internationalen Eishockeyverbandes, der auch die soeben zu Ende gegangene WM in Bern und Kloten organisiert hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2009, 09:13 Uhr

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1 Kommentar

Kurt Zumbrunn

12.05.2009, 08:51 Uhr
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Where there's smoke, there's fire. Das wird auch im Fall Fasel nicht anders sein. Aber ich glaube, das gehört einfach zu dieser selbstgefälligen Funktionärsriege. UNd Geld genug ist ja vorhanden, dass man diese Feuer immer im Keim erstickt mit einer Armada von Anwälten. Antworten



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