Kossmann – mehr als nur ein Ersatzmann
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 17.10.2011 2 Kommentare
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- Fribourg erstmals seit 1998 wieder Leader
- Russischer Ersatz für «Bösewicht» Heins
- Gottéron dank starkem Schlussdrittel
NLA
50. Runde
| 25.02. | Bern - Ambri | 1 : 4 |
| 25.02. | Biel - Davos | 1 : 4 |
| 25.02. | Kloten Flyers - Fr. Gotteron | 3 : 2 |
| 25.02. | SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers | 1 : 3 |
| 25.02. | ZSC Lions - Servette | 3 : 0 |
| 25.02. | Zug - Lugano | 0 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 50 | 24 | 8 | 10 | 8 | 173:131 | 98 |
| 2. | Davos | 50 | 27 | 7 | 3 | 13 | 155:117 | 98 |
| 3. | Fr. Gotteron | 50 | 26 | 6 | 4 | 14 | 156:120 | 94 |
| 4. | Kloten Flyers | 50 | 27 | 2 | 6 | 15 | 158:117 | 91 |
| 5. | Bern | 50 | 23 | 6 | 6 | 15 | 153:130 | 87 |
| 6. | Lugano | 50 | 21 | 5 | 6 | 18 | 152:150 | 79 |
| 7. | ZSC Lions | 50 | 19 | 8 | 4 | 19 | 136:129 | 77 |
| 8. | Biel | 50 | 19 | 4 | 3 | 24 | 114:128 | 68 |
| 9. | Servette | 50 | 16 | 5 | 9 | 20 | 117:126 | 67 |
| 10. | SCL Tigers | 50 | 13 | 5 | 3 | 29 | 124:166 | 52 |
| 11. | Ambri | 50 | 10 | 6 | 7 | 27 | 102:153 | 49 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 50 | 12 | 1 | 2 | 35 | 99:172 | 40 |
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Gewiss, die Liga ist ausgeglichen, wie man das in Fachkreisen auch vor dem ersten Bully prognostiziert hat. Aber dass die Freiburger Eisdrachen Mitte Oktober Leader der NLA sein würden, hatte niemand erwartet. Der 4:2-Erfolg am Samstag in Lugano nach einem 0:2-Rückstand war bereits der siebte Sieg de Suite im Meisterschafts-Marathon. Das nennt man eine Serie. Diese erstaunt umso mehr, als dass Gottéron nicht nur von freundlichen Umständen begleitet worden ist. Rauhbein Shawn Heins fehlt wegen einer happigen Sperre, die noch vier Partien umfasst. Ersatzmann Dimitri Afanasenkow hat sich beim vielversprechenden Debüt am letzten Freitag gegen den EV Zug gleich wieder verletzt, das Fussgelenk gebrochen und ist operiert worden. Der Russe fällt zwei Monate aus – der Klub muss sich wieder nach einem valablen Ausländer umschauen. Auch ist Playmaker Christian Dubé nicht immer zur Verfügung gestanden und erst jetzt wieder aufs Eis zurückgekehrt. Und zu Saisonbeginn hat Torhüter Cristobal Huet wieder auf das OK der Chicago Blackhawks warten müssen. Seit Ende September hütet er das Tor von Fribourg.
Dennoch stehen die Üechtländer an der Tabellenspitze. Dieser Fakt erstaunt umso mehr, als dass mit Hans Kossmann ein Greenhorn der NLA-Trainergilde das nicht so einfache Ensemble führt. Der Kanada-Schweizer machte sich einen Namen als Assistent für prominente Cheftrainer wie Servettes Chris McSorley oder Berns Larry Huras. «Ich habe natürlich von diesen Coaches profitieren können», erklärt Kossmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Aber ich will jetzt auch meine eigenen Ideen umsetzen können.»
Keineswegs der Wunschkandidat
Dass sich Gottérons Führungsetage im letzten April für den ewigen Assistenten entschieden hatte, war gleichwohl eine Überraschung. Andere Lehrmeister mit berühmteren Namen – wie etwa der heutige ZSC-Coach Bob Hartley – standen auf der Kandidatenliste. In der Branche sagt man, dass Fribourg eher aus Not denn aus Überzeugung Kossmann den Vorzug gab. Nun, nach 16 Meisterschaftspartien, bereut die Direktion um Obmann Laurent Haymoz diesen Entscheid wohl kaum.
Der neue Personalchef hat einer Mannschaft, die aus starken, aber nicht immer pflegeleichten Individualisten besteht, ein taktisches System beigebracht. «Ich habe im Sommer mit allen Spielern gesprochen und ihnen erklärt, was ich von ihnen erwarte», sagt Kossmann. Die Worte scheinen genützt zu haben. Vor allem die Defensivarbeit der Freiburger hat sich enorm verbessert. Die neuen «Copains» von der Saane kassierten bisher nicht einmal 2,2 Tore im Durchschnitt – was sicher auch auf die Leistungssteigerung von Ex-NHL-Goalie Huet zurückzuführen ist.
Auf die richtige Mischung kommt es an
Kossmann ist clever. Er kennt dank seiner langjährigen Erfahrung als Aktiver und Coach die Mechanismen und die diversen Mentalitäten zwischen St-Julien GE und Buchs SG. Er weiss, dass er bei dieser offensiven Equipe mit frankophonem Touch und Talent den Stürmern auch deren Freiheiten lassen muss. Das wiederum macht sich Publikumsliebling und Integrationsfigur Sprunger zunutze, der mit 19 Skorerpunkten (12 Goals/7 Assists) an zweiter Stelle der Skorerliste plaziert ist und zu alter Stärke zurückgefunden hat. «Mir stehen läuferisch und technisch gute Spieler zur Verfügung, das muss ich doch ausnutzen. Gewisse Freiheiten muss ich ihnen einfach zugestehen. Letztlich kommt es auf eine gute Mischung zwischen Defensive und Offensive an. Und die haben wir doch gefunden», erklärt der Trainerneuling den Grund für die sportliche Hausse.
Kossmann fühlt sich nach einer Anfangsphase der Umstellung in seiner Rolle als Chef inzwischen wohl. Er sei nicht hart, aber doch konsequent mit den Spielern. «Ich spüre, dass diese Gruppe nun bereit ist, hart für den Erfolg zu arbeiten. Und sie ist auch bereit, ihr spielerisches Potenzial abzurufen.» Das ist bei den Eishockeyanern aus Freiburg nicht immer so gewesen. Die Fans und Supporter jedenfalls haben ihr Gottéron wiederentdeckt und hoffen, dass eine neue Generation von «Copains» für ein starkes Kollektiv und für lang anhaltende Euphorie auf und neben dem Eisrink sorgen wird.
Kossmann, der seine Arbeit mit viel Ruhe und Konzentration erledigt, gibt sich realistisch. Das gefühlsmässige Abheben ist nicht seine Art, auch in Zeiten des Erfolgs nicht. Er sagt lediglich: «Man kann das Eishockey nicht neu erfinden. Und die Saison ist noch lange.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.10.2011, 12:14 Uhr
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