Niederreiter und die Zukunftsängste der Islanders

Der Churer fiel beim 6:4 im New Yorker Derby gegen die Rangers mit Zweikampfstärke auf – solche Typen brauchen die Islanders, um mehr Fans anzulocken.

Derbytore sind schöner: Die Islanders Martinek (Mitte) und Hunter (rechts) bejubeln Moulsons 3:3 gegen die «Blueshirts».

Derbytore sind schöner: Die Islanders Martinek (Mitte) und Hunter (rechts) bejubeln Moulsons 3:3 gegen die «Blueshirts». Bild: Keystone

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Jeweils am zweiten Montag im Oktober erinnern sich die New Yorker am Columbus Day an die erste Landung des italienischen Seefahrers Christoph Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent. Am liebsten begehen sie die Feierlichkeiten mit Sport, dem Anlass für Familientreffs schlechthin: Das Derby Islanders – Rangers war nicht von ungefähr auf gestern Mittag eingeplant.

Kolumbus’ «neue Welt» ist mittlerweile nicht mehr ganz so modern – aus New Yorker NHL-Sicht zumindest. Die beiden Klubs verfügen über die ältesten Arenen der Liga. Doch während die Rangers zumindest im altehrwürdigen Madison Square Garden auflaufen, strahlt das Nassau Coliseum der Islanders wenig Charme aus. Rundherum erstrecken sich Parkplätze und vierspurige Autostrassen. Wer als Schweizer ein öffentliches Verkehrsnetz bis vor die Haustüre gewohnt ist, wird hier enttäuscht. Ohne Auto muss man hier auf eine Taxifahrgemeinschaft zurückgreifen, um zum 38 Jahre alten Coliseum zu gelangen.

Die unneinnehmbare Festung

In den glorreichen 80ern nannten es die Fans «Fort Neverlose», die uneinnehmbare Festung. Diese Zeiten sind vorbei: Seit 2007 standen die Islanders nicht mehr im Playoff, mit 12 700 Zuschauern pro Spiel weisen sie den zweittiefsten Wert der NHL aus. Im Derby gestern kamen gar mehr Rangers-Fans als Lokale. Islanders-Besitzer Charles Wang, der mit Computer-Software und -Servern steinreich geworden ist, versucht schon lange, seinem Klub ein attraktiveres Zuhause zu bieten.

Für 3,7 Milliarden Dollar plant er einen Stadionumbau, umgeben von Parkanlagen, Wohnungen und Hotels. Doch die Behörden sträuben sich; sie befürchten mehr Verkehr – und dass Wang bei einem Misserfolg abspringt und die Region verkommt. Bis 2015 läuft der aktuelle Stadionvertrag, Wang drohte schon mit einem Umzug. Auf Long Island sind die Leute pessimistisch, dass das Projekt vorankommt. «Die neue Arena steht vielleicht, wenn Nino Niederreiter 38 ist», sagt etwa Mark Streit zynisch.

Mehr Checks als jeder Islander

Noch ist der Churer aber ein Rookie, und das bekam dieser im Derby gegen die Rangers, seinem zweiten NHL-Match, zu spüren. Er musste jeweils auf die Strafbank, wenn die Islanders wieder einen Wechselfehler produziert hatten. Und als sein Team in der Schlussphase einem Rückstand hinterherrannte, bekam er keine Eiszeit mehr. Immerhin wendeten seine Kollegen dank beeindruckender Leidenschaft ein 3:4 noch in ein 6:4.

Niederreiter überzeugte offensiv weniger als beim Debüt. «Ich muss mir noch mehr zutrauen mit der Scheibe», rügte er sich. Dafür konnte er ohne Puck Akzente setzen. Am Ende hatte er in fast 15 Minuten 5 Checks ausgeteilt, mehr als jeder andere. «Man hat gemerkt, dass hier zwei Rivalen spielen – das Tempo war höher, die Aggressivität grösser», sagte Niederreiter, «ich versuchte einfach, meine Checks fertigzumachen.» Die Fans zeigten sich begeistert von der Intensität des Schweizers. Und der Verkäufer des Stadionshops kann es kaum erwarten, bis das Trikot des 18-Jährigen in die Regale kommt: «Ich glaube, mit dem Jungen können wir Kasse machen.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.10.2010, 08:47 Uhr)

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