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«Wir haben ein verdammtes Gärtchendenken»

Von Simon Graf. Aktualisiert am 27.12.2009

Arno Del Curto, der Coach des HC Davos, kritisiert die fehlende Zusammenarbeit im Schweizer Eishockey.

Klartext: Arno Del Curto (53) sagt kritische Worte über die Denkweise im hiesigen Eishockey.

Klartext: Arno Del Curto (53) sagt kritische Worte über die Denkweise im hiesigen Eishockey.
Bild: Keystone

Arno Del Curto, wie erleben Sie den Spengler-Cup? Ist das für Sie die intensivste Woche der Saison?
Nein, nein, im Playoff ist es schon intensiver. Am Spengler Cup habe ich einfach extrem viele Termine, die nichts mit Eishockey zu tun haben. Sponsoren, Medien, Freunde, Kollegen, ehemalige Spieler. Alle wollen etwas von mir. Und sie merken nicht, dass, wenn ich 5 Minuten mit einem plaudere und das 30 wollen, dies 150 Minuten ergibt. Zudem will ich ja trotzdem vor dem Match noch bei der Mannschaft sein. Ich habe viele junge Spieler, die wollen betreut werden. Aber das ist alles okay, man muss einfach den richtigen Mix finden. Etwas anderes stört mich viel mehr.

Was?
Dass es uns trotz unseres Mammutprogramms von der Liga nicht erlaubt wird, zwei, drei Spiele zu verschieben. Wir haben in 18 Tagen 12 Spiele. Da können schlimme Verletzungen passieren. Was soll ich meinen Spielern sagen? Gebt Vollgas in jedem Match, bis der Letzte eine Rippe gebrochen hat? Ich mache jene, die uns nicht die Chance geben, ein paar Spiele zu verschieben, dafür verantwortlich, wenn etwas passiert. Wahrscheinlich ist das die Retourkutsche gegen den Spengler Cup. Und Willy Vögtlin (der Spielplan-Koordinator) hat nicht einmal die Klasse und sagt offen: Ich bin gegen den Spengler Cup, ihr spielt nochmals einen Match mehr, euch zeigen wir schon, wer das Sagen hat. Nicht einmal das. Und bei uns im VIP-Zelt Cüpli trinken will er dann trotzdem. Man muss doch das Schweizer Eishockey als Gesamtprodukt betrachten. Versteht denn das keiner?

Wie verstehen Sie es?
Wir haben ein verdammtes Gärtchendenken. Schreiben Sie das genau so. Ein verdammtes Gärtchendenken. Wir haben Leute, die bestimmen, die keine Leidenschaft fürs Eishockey haben. Die einfach zeigen wollen, wer sie sind. Dabei sind sie gar niemand. Sie haben einfach ein Ämtlein, das ihnen Macht gibt. Wir müssten doch zusammenarbeiten. Dann hat halt der HC Davos seinen Spengler Cup als Geldquelle. Wir brauchen ihn auch. Wir sind in einer Randregion für die Wirtschaft. Man muss doch schauen, dass dieser Traditionsverein nicht verreckt. Mit allen Mitteln. Ohne den HCD geht es nicht.

Zudem ist der Spengler Cup ein hoch angesehenes Turnier auf der ganzen Welt. Selbst in Kanada wird er übertragen. Wieso sind wir Schweizer nicht stolz darauf, ein solches Turnier zu haben? Ein anderes Beispiel sind die Schiedsrichter. Wenn wir flüssige Spiele haben ohne viele Strafen und Unterbrechungen, sind die Zuschauer begeistert. Das höre ich immer wieder. Doch die Spiele werden immer wieder verpfiffen.

Was sollte passieren?
Ganz einfach, wir müssten uns zusammensetzen und Entscheide treffen, die das Schweizer Eishockey stärken. Wir sollten zusammen mit den Schiedsrichtern eine Philosophie entwickeln, die gute, attraktive Spiele ermöglicht. Damit die Fans Spass haben, ein Bier mehr trinken, eine Wurst mehr essen, das nächste Mal die Freunde mitnehmen. Nicht 5 gegen 3 oder 5 gegen 4 die ganze Zeit, die ewige Wegschickerei an den Bullys. Das will doch niemand sehen. Wir sollten das Produkt besser machen, nicht gegeneinander arbeiten. Aber überall dieser Neid. Ich verstehe das nicht. Wenn Bern klug und innovativ wirtschaftet, hat es doch verdient, viel Geld zu generieren.

Dieses Geld kommt dann wieder dem Nachwuchs zugute. Und alle Klubs sollten moderne Stadien bekommen, profitabler werden, damit wir noch mehr in die Juniorenausbildung stecken können. Dann steigt das Niveau. Dann haben wir das Potenzial für 14 NLA-Klubs. Es bräuchte doch auch Lausanne und einen HC Wallis in unserer Liga. Wir müssen unseren Sport auf eine breitere Basis stellen. Aber das wollen wir offenbar gar nicht. Wir torpedieren uns nur die ganze Zeit. Der Sport hat in der Schweiz ohnehin schon keinen Stellenwert, und dann bekämpfen wir uns auch noch innerhalb unseres Sports. Ich habe doch kein Problem damit, wenn ein anderer Erfolg hat. Im Gegenteil. Wenn ein anderer um Klassen besser ist, dann weiss ich, was ich tun muss: ihm nacheifern.

Apropos nacheifern. Der HCD ist in den letzten Jahren das Team, dem die anderen hinterherlaufen. Sie sind seit 2002 viermal Meister geworden. Wie bewahrt man sich diesen Hunger?
Den Hunger bewahrt man sich, wenn man sieht, was in der NHL läuft. Oder wenn man die KHL sieht, die nun die NHL konkurriert. Da gibt es Teams, die phantastisches Eishockey spielen. Und dann realisiert man, dass junge Spieler in Russland eben anders aufwachsen als in der Schweiz. Bei uns musst du nicht als 12-Jähriger 700000 Pucks an die Wand schiessen, damit du einen guten Schuss bekommst. Ich war einmal im tiefsten Russland und sah da auf einem Raum von 10 mal 10 Metern 50 kleine Jungs mit ihren Eislaufmüttern. Ich habe das Bild noch heute vor mir, wie ihnen zugeschrien wurde: Da vai, da vai. Schneller, schneller. Das war fast unmenschlich. Aber so kommt man in die NHL. Oder wird Weltmeister im Eiskunstlauf wie Pluschenko. Auch bei uns gibt es Ausnahmen, wir haben ja auch Lambiel. Oder Sarah Meier. Aber wenn jemand etwas Grosses leistet, hat man in der Schweiz Mühe damit.

Wie äussert sich das?
Schauen Sie sich Federer an. Wie lange brauchte es, bis seine Leistungen hier endlich respektiert wurden? Was mich bei ihm besonders beeindruckt, ist, wie er sich da oben hält. Die anderen kommen wie die Verrückten, und trotzdem gewinnt er wieder zwei Grand-Slam-Turniere. Dabei ist es das Normalste der Welt, dass man im Erfolg etwas nachlässt. Nehmen wir das Beispiel von Leonardo Genoni. Er hat diese Saison gute Leistungen gebracht, aber nicht mehr ganz so gute wie letztes Jahr. Er wurde Meister als 21-Jähriger. Da passiert viel. Da hat er jeden Tag 7000 Leute, die ihm hinterherlaufen und sagen: Bravo, bravo, bravo. Er gibt alles, er arbeitet gut, doch letztes Jahr hätte er sogar einen Puck, der neben das Tor fliegt, noch mit blosser Hand gestoppt. Er ist auf gutem Weg, wieder so zu werden. Aber das ist ein schwieriger Prozess. Das geht nicht so einfach, wie man glaubt. Um oben zu bleiben, muss man noch härter arbeiten als vorher.

Sie betonten, nachdem Sie für den Job des vollamtlichen Nationaltrainers abgesagt hatten, Sie könnten einfach nicht sein ohne die tägliche Arbeit mit der Mannschaft. Wird nicht auch die repetitiv?
Nein, eben nicht. Weil man so viele verschiedene Persönlichkeiten in einer Mannschaft hat. Die einen verstehen taktisch mehr, andere sind technisch oder mental besser. Und meine Aufgabe ist es, alle auf die gleiche Wellenlänge zu bringen. Am einfachsten wäre es, wenn ich 20 Owetschkins hätte. Aber das wird nie der Fall sein. Zudem kommen immer wieder neue Generationen. Es ist spannend, die Jungen zu erleben, die 17-, 18-Jährigen. Welche neuen Trends sie haben. Musik, Kleider, Slang. Und man muss sie immer wieder anders führen. Manchmal ist es leichter, manchmal schwieriger.

Wie ist es momentan?
Eher wieder schwieriger. Man kann die Jungen nicht von Morgen bis Abend zusammenfräsen. Man muss gute Argumente bringen, sie überzeugen. Und man muss sie begreifen. Ich spreche mit den Spielern darüber, wie sie aufgewachsen sind, und mache mir meinen Reim darauf. Je besser ich sie verstehe, desto besser weiss ich, wie ich mit ihnen umgehen soll.

Wie nahe sind Sie den Spielern?
Sehr nahe. Näher als andere. Ich proklamiere nicht, dass mein Weg der einzig richtige ist. Aber für mich ist er richtig. Ich bin kein Vorzeigemensch. Ich bin nicht über alle Zweifel erhaben. Aber eines habe ich: eine hohe soziale Kompetenz. Deshalb ist es wichtig für mich, meine Spieler zu kennen. Und diese Nähe hilft auch, wenn meine Leidenschaft mit mir durchbrennt.

Wie meinen Sie das?
Die Spieler wissen, dass es nicht persönlich ist, wenn ich ausflippe. So akzeptieren sie praktisch alles. Und es ist für mich ein Anliegen, sie dann auch wieder abzuholen. Wenn ich einen mal drei Tage mit Verachtung strafe, wenn ich ihn nicht mehr anschaue, nicht mit ihm rede, dann weiss er, wieso ich das tue. Und er hofft, dass ich wieder zu ihm komme. In dieser Zeit versucht er, sein Bestes dafür zu machen. Und ich komme bestimmt wieder. Immer. Ich kann einem Spieler nicht zu lange böse sein. Das tut mir selber weh. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 27.12.2009, 15:20 Uhr

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 14:02
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Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:5
Stand: 27.05.2012 13:59
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Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Bolelli - Nadal
Stand: 25.05.2012 15:24
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