«Wir müssen hungriger werden, böser, ekliger, kampfstärker»
Von Simon Graf, Benjamin Muschg. Aktualisiert am 25.03.2010 2 Kommentare
Edgar Salis: Der Sportchef des ZSC will herausfinden, wo genau die Fehler passiert sind.
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NLA
50. Runde
| 25.02. | Bern - Ambri | 1 : 4 |
| 25.02. | Biel - Davos | 1 : 4 |
| 25.02. | Kloten Flyers - Fr. Gotteron | 3 : 2 |
| 25.02. | SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers | 1 : 3 |
| 25.02. | ZSC Lions - Servette | 3 : 0 |
| 25.02. | Zug - Lugano | 0 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 50 | 24 | 8 | 10 | 8 | 173:131 | 98 |
| 2. | Davos | 50 | 27 | 7 | 3 | 13 | 155:117 | 98 |
| 3. | Fr. Gotteron | 50 | 26 | 6 | 4 | 14 | 156:120 | 94 |
| 4. | Kloten Flyers | 50 | 27 | 2 | 6 | 15 | 158:117 | 91 |
| 5. | Bern | 50 | 23 | 6 | 6 | 15 | 153:130 | 87 |
| 6. | Lugano | 50 | 21 | 5 | 6 | 18 | 152:150 | 79 |
| 7. | ZSC Lions | 50 | 19 | 8 | 4 | 19 | 136:129 | 77 |
| 8. | Biel | 50 | 19 | 4 | 3 | 24 | 114:128 | 68 |
| 9. | Servette | 50 | 16 | 5 | 9 | 20 | 117:126 | 67 |
| 10. | SCL Tigers | 50 | 13 | 5 | 3 | 29 | 124:166 | 52 |
| 11. | Ambri | 50 | 10 | 6 | 7 | 27 | 102:153 | 49 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 50 | 12 | 1 | 2 | 35 | 99:172 | 40 |
Edgar Salis, wie erklären Sie sich, dass ein Team im entscheidenden Moment so wenig bereit ist wie der ZSC in Spiel 7 in Zug?
Salis: Ich glaube nicht, dass wir nicht bereit waren. Sonst hätten wir nicht im letzten Drittel zurückkommen können. Wir waren gehemmt. Woran es genau gelegen hat, müssen wir mit den Spielern besprechen. Ich fragte mich im Stadion auch: Was ist los da unten? Ist die Handbremse angezogen oder was?
Zahner: Man muss auch sagen: Zug war Dritter und hat das in Spiel 7 bestätigt. Die Zuger taten viel dafür, dass wir so schlecht aussahen.
Salis: Wir haben uns ihr Spiel auch aufzwingen lassen.
Hat der Trainer das Team zu wenig heiss gemacht?
Salis: Ich glaube nicht daran, dass man einen Spieler vor einem siebten Spiel heiss machen muss. Wenn Sie die Story des Jahres haben, dann muss auch keiner zu Ihnen kommen und sagen: Komm, schreib doch diese Story. Wenn Sie dann nicht motiviert sind, haben Sie den Beruf verfehlt.
Peter Zahner, Sie sagten, das Playoff sei ein Spiegelbild der zweiten Saisonhälfte gewesen. Warum haben Sie nicht etwas unternommen?
Zahner: Aus den ersten 25 Partien holten wir 57 Punkte. Hochgerechnet hätten wir 114 Punkte gehabt, das wäre Ligarekord gewesen. In der zweiten Hälfte holten wir 27 Punkte. Mit diesem Schnitt wären wir auf Rang 10 gelandet.
Und wieso konnte diese Entwicklung nicht korrigiert werden?
Salis: Der Trainer hat es nicht geschafft. Ich habe es nicht geschafft. Die hochtalentierte Mannschaft auch nicht. Jetzt müssen wir herausfinden, wo Fehler passiert sind. Warum habe ich nichts unternommen? Was hat der Trainer falsch gemacht? Die Spieler?
Aber personelle Konsequenzen haben Sie keine gezogen.
Zahner: Wie meinen Sie das?
Sie hätten den Trainer wechseln oder einen Ausländer holen können.
Zahner: Bei den Ausländern sind wir gut besetzt. Seit dem Abgang von MacLean hatten wir immer fünf gute. Und wenn du sieben Ausländer hast, musst du nicht noch einen achten holen.
Wenn man den Saisonverlauf anschaut, fragt man sich: Haben die ZSC Lions ein Fitnessproblem?
Salis: In den letzten 20 Minuten marschierten die Spieler ja nochmals wie verrückt. Das beantwortet die Frage.
Zahner: Wir sind fit. Das haben alle Tests und Leistungsdiagnosen von unserem Teamarzt Gery Büsser ergeben.
Sean Simpson sagte, er habe versucht, die Mannschaft zu Konstanz zu führen. Aber aufgrund ihrer Zusammensetzung sei das nicht möglich. Teilen Sie diese Ansicht?
Salis: Eine knifflige Frage. Ich bin nicht genau gleicher Meinung. Die Champions League hätten wir vor einem Jahr ohne eine gewisse Konstanz nicht gewonnen. Und diese Saison hat es Simpson ja 25 Partien lang geschafft.
Hat der ZSC nicht zu wenige Topverteidiger?
Salis: Ich kann diese Feststellung so nicht akzeptieren. Auch Stürmer müssen ja defensiv arbeiten. Und wir haben das letzte Spiel 1:2 verloren. Wo waren da unsere talentierten Stürmer? Vor einem Jahr sind wir mit Blindenbacher auch im Viertelfinal ausgeschieden.
Die Mannschaft von nächster Saison steht schon fast. Müsste man die Strategie der Kontinuität jetzt nicht hinterfragen?
Salis: Wir hinterfragen uns tagtäglich.
Mit welchen Veränderungen ist noch zu rechnen?
Salis: Im Playoff braucht man kämpferische Typen. Berns Thomas Ziegler ist so einer, darum habe ich ihn geholt.
Zahner: Wir müssen hungriger werden, böser, ekliger, kampfstärker, defensiver, jünger. Mit jünger meine ich, dass wir Spieler wie Ryser vermehrt einbauen müssen. Wir können nicht jedes Jahr einem Sulander oder Alston einen Vertrag geben. Irgendwann sind die 50.
Alston bleibt also nicht?
Zahner: Es haben Gespräche stattgefunden. Es ist noch offen. Wie bei Suchy.
Überlegen Sie sich, nächste Saison mit zwei ausländischen Verteidigern zu beginnen?
Salis: Ja. So könnten wir einen offensiven und einen defensiven haben.
Würden Sie Peter Sejna gegen einen anderen Ausländer tauschen?
Zahner: Es müsste einer sein, den wir wollen, ein anderer Klub aber nicht mehr. Das ist nicht der Fall.
Wie wärs mit Randy Robitaille?
Salis: Nein.
Zahner: Ich sage nur: Wenn der Topskorer im entscheidenden Spiel auf der Tribüne sitzt, dann stimmt etwas nicht.
Kommt Blindenbacher zurück?
Salis: Wir sind in Kontakt, doch er tendiert dazu, im Ausland zu bleiben.
Beim Trainer haben Sie sich mit Colin Muller auch für Kontinuität entschieden. Bereuen Sie dies nun?
Salis: Nein, sicher nicht. Dumme Frage.
Zahner: Es ist klar, dass Sie diese Frage stellen müssen. Dass der Assistent übernimmt, heisst nicht, dass sich nichts ändert. Muller wird nicht Simpson kopieren.
Der ZSC hat eine sehr erfolgreiche Nachwuchsabteilung. Doch einen Topspieler hat er daraus noch nicht hervorgebracht.
Zahner: Wer hat das schon?
Bern mit Josi, Fribourg mit Sprunger.
Zahner: Okay. Aber viele andere gibt es nicht. Es stimmt, wir haben noch nicht den grossen Topshot herausgebracht. Aber wir bilden sehr viele aus, die eine gute Karriere machen. Ich habe dafür eine Erklärung: Bei den Elitejunioren wird häufig Meister, wer über vier Blöcke am ausgeglichensten besetzt ist. Dann gibt es Klubs, die weniger erfolgreich sind, aber ein, zwei Topjunioren haben und hinter ihnen ein Gefälle. Diese müssen die Mannschaft in der Garderobe führen, auf dem Eis, in der Freizeit. So entstehen Charakterspieler.
Es ist also ein Handicap, dass der ZSC so viele gute Junge hat?
Zahner: Das kann sein. Es kann aber auch sein, dass einigen Jungen nicht die Chance gegeben wurde zu reifen. Wie gut war Seger, als er in Rapperswil war? Er war einer von mehreren. Vielleicht sitzen wir in sieben Jahren hier und sagen: Weisst du noch damals, als wir über Camperchioli sprachen, oder über Ryser, Schommer, Geering? Jetzt sind sie Spitzenspieler.
Was kann man vom ZSC in den nächsten Jahren erwarten?
Zahner: Der Anspruch ist Top 4 und der Halbfinal. Im Wissen darum, dass die Liga so ausgeglichen geworden ist, dass von den Top 8 jeder jeden schlagen kann. Wer ist ausgeschieden? Nicht die ZSC Lions und drei Namenlose, sondern der ZSC, Meister Davos, Lugano und Fribourg. Vier, die um den Titel spielen wollten.
2005 war der ZSC letztmals im Halbfinal und in den Top 4. Das ist lange her.
Zahner: Ich bekomme langsam das Gefühl, wir seien abgestiegen. Wir haben in den letzten drei Jahren immer einen Titel geholt. Damit will ich die verlorenen Viertelfinals nicht relativieren. Aber ich will damit sagen: Nicht alles ist schlecht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.03.2010, 10:42 Uhr
