ZSC hat Sieger-Gen verloren

Die Lions scheitern im Playoff erneut sang- und klanglos. Woran das liegt.

Zürcher Bauchlandung (hier Pius Suter) – der ZSC ist zu einem Playoff-Verliererteam geworden.

Zürcher Bauchlandung (hier Pius Suter) – der ZSC ist zu einem Playoff-Verliererteam geworden. Bild: Keystone

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Der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist oft schmal. Und doch ist es kein Zufall, dass die einen öfter gewinnen als die anderen. Denn Siegen ist mehr als das Produkt eines Prozesses, es ist eine Einstellung. Eine Lebens­haltung. Sieger sehen nicht Probleme, sondern Lösungen. Je wichtiger die Situation, desto entschlossener und fokussierter werden sie. Nicht umsonst spricht man im Sport gern von ­Winnermentalität. Den ZSC Lions ist sie abhanden­gekommen.

In den letzten fünf Jahren das in der Qualifikation am meisten vom Erfolg verwöhnte Team, sind die Zürcher zum zweiten Mal nacheinander im Viertel­final gescheitert. Ihre jüngste Bilanz im Playoff ist vernichtend: drei Serien nacheinander verloren und dabei von 15 Playoff-Spielen gerade 3 gewonnen. Obschon sie stets als Favoriten galten, über mehr Qualität als der Gegner zu verfügen glaubten.

Wo war die Entwicklung?

Auch mit Korrekturen im Team und an der Bande konnte Sportchef Edgar Salis auf diese Saison hin keine Trendwende bewirken. Im Gegenteil. Das erste Jahr unter Hans Wallson/Lars Johansson fällt unter dem Strich ernüchternd aus. Den Schweden eilte der Ruf voraus, exzellente Ausbildner zu sein, welche die Spieler entscheidend weiterbringen. Doch davon war, trotz guter Trainingsqualität, nicht viel zu sehen. Spieler wie Guerra, Kenins, Pestoni oder Künzle – alle Mitte 20 und durchaus entwicklungsfähig – ­waren eine einzige Enttäuschung. Die jungen Karrer oder Phil Baltisberger kamen nicht oder kaum zum Zug.

Wallson und Johansson, die auf Mitspracherecht der Mannschaft setzen, gelang es nicht, den Spielern klare Rollen zuzuweisen. Ihr Coaching erschien beliebig. Erschwert wurde ihre Arbeit dadurch, dass das Kader überladen war und der interne Konkurrenzkampf eher hemmend als stimulierend wirkte. Die Zuzüge der Tessiner Guerra und Pestoni waren letztlich sogar kontraproduktiv. Und waren zwischendurch positive Ansätze im ZSC-Spiel auszumachen, so ­verflüchtigten sich diese im Playoff wieder. Der Plan der Trainer ging nicht auf. Falls sie einen hatten.

Doch es wäre falsch, den Misserfolg allein an den Schweden festzumachen. Wallson weiss aus Erfahrung, wie man gewinnt, zog mit Skellefteå immerhin viermal in Serie in den Final ein und gewann dort zweimal. Gut möglich, dass die neuen Coaches dieses erste Jahr brauchten, um sich an die Schweizer Umstände zu gewöhnen. Sie haben eine zweite Chance verdient – ihre Verträge laufen noch eine Saison. Fragt sich also, wo anzusetzen ist. Es gibt keine einfachen Antworten. Über Jahre haben sich Muster wie fehlende Grad­linigkeit und Genügsamkeit eingeschliffen. Und weil die Zürcher einfach zu gut, zu breit besetzt sind, rächt sich das in der Regular Season nicht.

Neue Leader sind gefragt

Sicher fehlt es dem Team am Temperament, am Feuer – das war in Spiel 6 nochmals offensichtlich. Daran änderten Zuzüge wie jene von Sjögren, Kenins oder Marti nichts. Zudem befinden sich die Lions in der Kabine im Umbruch. Bärtschi ist zurückgetreten, Captain Seger, der das Team lange anführte, spielt auf dem Eis keine zentrale Rolle mehr. Und andere tun sich schwer, in die Lücke zu springen. Die Lions brauchen neue Leader. Wenn man Andres Ambühl in Davos sieht, erkennt man, wie viel es auslösen kann, wenn markante Figuren voran­gehen.

Doch das Zürcher Kader für nächste Saison steht mehrheitlich. Spielraum hat Salis primär bei den Ausländern – nur Sjögrens Vertrag läuft weiter. In der Besetzung dieser Positionen darf sich der Sportchef keine weiteren Fehler mehr leisten. Ein Patentrezept, um wieder eine Siegermentalität zu entwickeln, gibt es nicht. Klar ist nur: Sie muss in der Kabine entstehen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2017, 08:03 Uhr

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