Zurich Dome — Eishockey am Uetliberg

Von Simon Graf und Benjamin Muschg . Aktualisiert am 12.12.2008 45 Kommentare

Der Zürcher Architekt Remo Schällibaum träumt von einem Eishockeystadion anstelle der Saalsporthalle. Der Standort wäre ideal erschlossen, doch es gibt noch viele Hürden.

Umfrage

Welches ist die beste Stadion-Lösung für die ZSC Lions?

Das Projekt «Zurich Dome» sollte umgesetzt werden

 
62.8%

Nur das Hallenstadion kann die Heimat des ZSC sein

 
7.9%

Die ZSC Lions und die Kloten Flyers sollten ein gemeinsames Stadion-Projekt verfolgen

 
20.3%

Mich überzeugt die Idee «Zurich Dome» nicht. Es braucht ein anderes Projekt

 
8.9%

934 Stimmen


Der Auftritt der ZSC Lions im Rapperswiler Exil im Halbfinal der Champions League gegen Espoo war am Mittwoch ein weiteres Beispiel für die terminlich und finanziell prekäre Stadionsituation des Stadtklubs. Den Zürchern entgingen damit Einnahmen von über 350'000 Franken, im Falle einer Finalteilnahme wäre es rund das Doppelte. CEO Peter Zahner sagt: «Ganz Europa lacht über uns. Deshalb müssen wir jede Option seriös prüfen, die unsere Lage verbessern könnte.»

In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich nun eine solche neue Option aufgetan, die eigentlich naheliegend scheint und trotzdem noch nie weiterverfolgt wurde: ein Eishockeystadion plus Mehrzweckhalle(n) auf dem Grund der Saalsporthalle bei der Allmend Brunau am Fusse des Uetlibergs.

Alterswohnen und Sihlcity als Mantel

Der Zürcher Architekt Remo Schällibaum, den ZSC- und FCZ-Fans von dessen markanter Werbung («Jetzt häts gschället») für sein Büro mit 17 Mitarbeitern bekannt, verfolgt diese Idee seit Jahresbeginn und ist überzeugt, dass der Standort wegen seiner Anbindung an den Verkehr (Tram, Bus, S-Bahn, baldige Eröffnung des Uetlibergtunnels) ideal wäre. Schällibaum schwebt unter dem Arbeitstitel Zurich Dome eine Eishalle für 10'000 bis 12'000 Zuschauer im Parterre vor, darüber eine Halle für Handball (3000 bis 5000 Zuschauer) und eine gleich grosse polysportive Halle, die allenfalls als Trainingseisfeld genutzt werden könnte. Integriert in den Stadionkomplex, der an die Form eines Kristalls erinnern soll, würden rund 35 Wohnungen für begleitetes Wohnen im Alter. Unterirdisch wäre eine Parkgarage für 500 Plätze. Das Ganze soll rund 120 Millionen Franken kosten.

Für die Sportevents sollen zweckmässige Verpflegungsmöglichkeiten bestehen, eine weitere Mantelnutzung wäre nicht vorgesehen. «Unser Mantel ist Sihlcity», sagt Schällibaum. «Dort gibt es ja schon ein Einkaufszentrum und zahlreiche Restaurants.» Das Projekt tönt reizvoll, aber ist es auch realistisch? Für die rund 22 Meter hohe Halle wäre jedenfalls eine Änderung im Zonenplan notwendig, der auf dem Grundstück nur Bauten mit bis zu zwei Vollgeschossen und einer maximalen Höhe von 8,5 Metern zulässt. Im Wissen um diese Problematik arbeitet Initiator Schällibaum an einer alternativen Variante mit neben- statt übereinanderliegenden Hallen.

Stadt will sich nicht äussern

Klar ist, dass Schällibaum neben den Sportklubs als Mietern vor allem zwei Partner für seine Idee gewinnen muss, wenn es Chance haben soll: die Stadt Zürich und die Credit Suisse. Der Stadt gehört die Parzelle, auf der die Saalsporthalle steht, sie müsste der Ersetzung der 1972 erbauten Halle durch eine polysportive Arena zustimmen, das Grundstück wohl im Rahmen eines Baurechtsvertrags für das Projekt zur Verfügung stellen. Und die Credit Suisse ist nicht nur bei Sihlcity involviert, sie besitzt auch zahlreiche Immobilien im näheren Umfeld der Saalsporthalle.

Die Stadt gibt sich derzeit noch zurückhaltend bis ablehnend. Stadträtin Kathrin Martelli, die Vorsteherin des Hochbaudepartements, die über das Projekt informiert ist, mochte sich nicht konkret dazu äussern. «Wir können nicht Stellung nehmen zu einem Projekt, das noch keines ist», liess Martelli durch ihre Medienverantwortliche Andrea Hollenstein verlauten. Alternativen kann die Stadt allerdings keine anbieten. Marc Caprez, Kommunikationschef des Schul- und Sportdepartements, sagt: «Wir planen zurzeit keine grösseren Eishallen. Die Stadt geht davon aus, dass das Hallenstadion für den Spitzensport da ist und bleibt.»

Offene Ohren bei der CS

Mitte Juni hatte die Stadt Pläne für ein Hockeystadion auf der offenen Rennbahn in Oerlikon vorgestellt, das aber mit 7000 Plätzen für die ZSC Lions keinen Sinn machte. Ende Oktober wurde die Idee aufgegeben, bald darauf liess die Stadt auch ihr Nachfolgeprojekt einer polysportiven Halle am gleichen Standort wieder fallen.

Auf offene Ohren stiess Schällibaum bei der Credit Suisse, die sein Projekt als interessant bezeichnet und sich ein Investment grundsätzlich vorstellen könnte, falls die wirtschaftlichen Anforderungen ihrer Immobilien-Anlagegefässe erfüllt wären. Claudio Rudolf, Direktor bei der Grossbank und Head Acquisition & Sales im Real Estate Asset Management, sagt zum Zurich Dome: «Es ist ein attraktives Konzept in einer frühen Phase. Der Standort bietet von der Verkehrserschliessung her gute Voraussetzungen für die vorgesehene Nutzung.»

Gespräche mit den Klubs

Wesentliche Entscheidungsgrundlagen für eine Weiterverfolgung des Projekts sind für die CS das Zustandekommen einer Betriebsgesellschaft als Mieter sowie eine marktkonforme, nachhaltig gesicherte Rendite. Rudolf bezeichnet es als plausibel, dass das Sportstadion eine befruchtende Wirkung auf Sihlcity haben könnte. Mit dessen Entwicklung man, wie er betont, zufrieden sei. Bis die Bank investiert, muss Schällibaum aber noch viel Planungs- und Überzeugungsarbeit leisten.

Die ZSC Lions stehen dem Projekt positiv gegenüber, haben aber noch keine definitive Zusage gemacht. Mit den Handballklubs Amicitia und GC stehen die Gespräche an. In Richtung der Stadt Zürich, ohne deren Goodwill es nicht geht, sagt Schällibaum: «Ich wünsche mir einfach eine unbefangene Offenheit für neue Ideen.»

Der Architekt, als Mitglied der Gönnerorganisation Club 21 Sponsor bei den ZSC Lions, will in den kommenden Monaten rund 350 000 Franken investieren, um das Projekt weiterzutreiben und offene Fragen bezüglich Kosten, Nutzung und Rendite zu beantworten. Im Rücken hat er einen Generalunternehmer, der ihn dabei unterstützt. Schällibaum wurde durch positives Echo von verschiedener Seite ermutigt. Wenn sein Traum Wirklichkeit wird, soll ab 2013 oder 2014 am Fusse des Uetlibergs Eishockey gespielt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.12.2008, 08:53 Uhr

45

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

45 Kommentare

Benno Fischer

12.12.2008, 13:45 Uhr
Melden

Bei dieser Investition scheint es mir doch zweifelhaft, eine interessante Rendite zu erwirtschaften. Der ZSC würde wohl als einziger Nutzer eine vernünftige Miete bezahlen können. Die beiden Handballclubs kann man vergessen. Und bei den Alterswohnungen wäre es unanständig, die Mieten hoch anzusetzen. Aber vielleicht hat die CS immer noch genügend Kleingeld. Antworten


Manuel Müller

12.12.2008, 09:12 Uhr
Melden

Es ist jetzt einfach an der Zeit, dass der ZSC ein eigenes Eishockeystadion erhält. Das umgebaute Hallenstadion mag als Konzert-Location dienen, jedoch nicht als Eishockeyhalle. Die Stimmung ist meist geisterlich, die Termin-Umstände für den ZSC fürchterlich. Es ist absolut inakzeptabel, dass in der Stadt Zürich keine neuen Stadionprojekte realisiert werden können. Politiker: Eingreifen bitte! Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 14:04
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6
Stand: 27.05.2012 14:03
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Bolelli - Nadal
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

Sport

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Sport