Zurich Dome — Eishockey am Uetliberg
Von Simon Graf und Benjamin Muschg . Aktualisiert am 12.12.2008 45 Kommentare
Umfrage
Welches ist die beste Stadion-Lösung für die ZSC Lions?
Das Projekt «Zurich Dome» sollte umgesetzt werden
Nur das Hallenstadion kann die Heimat des ZSC sein
Die ZSC Lions und die Kloten Flyers sollten ein gemeinsames Stadion-Projekt verfolgen
Mich überzeugt die Idee «Zurich Dome» nicht. Es braucht ein anderes Projekt
934 Stimmen
Der Auftritt der ZSC Lions im Rapperswiler Exil im Halbfinal der Champions League gegen Espoo war am Mittwoch ein weiteres Beispiel für die terminlich und finanziell prekäre Stadionsituation des Stadtklubs. Den Zürchern entgingen damit Einnahmen von über 350'000 Franken, im Falle einer Finalteilnahme wäre es rund das Doppelte. CEO Peter Zahner sagt: «Ganz Europa lacht über uns. Deshalb müssen wir jede Option seriös prüfen, die unsere Lage verbessern könnte.»
In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich nun eine solche neue Option aufgetan, die eigentlich naheliegend scheint und trotzdem noch nie weiterverfolgt wurde: ein Eishockeystadion plus Mehrzweckhalle(n) auf dem Grund der Saalsporthalle bei der Allmend Brunau am Fusse des Uetlibergs.
Alterswohnen und Sihlcity als Mantel
Der Zürcher Architekt Remo Schällibaum, den ZSC- und FCZ-Fans von dessen markanter Werbung («Jetzt häts gschället») für sein Büro mit 17 Mitarbeitern bekannt, verfolgt diese Idee seit Jahresbeginn und ist überzeugt, dass der Standort wegen seiner Anbindung an den Verkehr (Tram, Bus, S-Bahn, baldige Eröffnung des Uetlibergtunnels) ideal wäre. Schällibaum schwebt unter dem Arbeitstitel Zurich Dome eine Eishalle für 10'000 bis 12'000 Zuschauer im Parterre vor, darüber eine Halle für Handball (3000 bis 5000 Zuschauer) und eine gleich grosse polysportive Halle, die allenfalls als Trainingseisfeld genutzt werden könnte. Integriert in den Stadionkomplex, der an die Form eines Kristalls erinnern soll, würden rund 35 Wohnungen für begleitetes Wohnen im Alter. Unterirdisch wäre eine Parkgarage für 500 Plätze. Das Ganze soll rund 120 Millionen Franken kosten.
Für die Sportevents sollen zweckmässige Verpflegungsmöglichkeiten bestehen, eine weitere Mantelnutzung wäre nicht vorgesehen. «Unser Mantel ist Sihlcity», sagt Schällibaum. «Dort gibt es ja schon ein Einkaufszentrum und zahlreiche Restaurants.» Das Projekt tönt reizvoll, aber ist es auch realistisch? Für die rund 22 Meter hohe Halle wäre jedenfalls eine Änderung im Zonenplan notwendig, der auf dem Grundstück nur Bauten mit bis zu zwei Vollgeschossen und einer maximalen Höhe von 8,5 Metern zulässt. Im Wissen um diese Problematik arbeitet Initiator Schällibaum an einer alternativen Variante mit neben- statt übereinanderliegenden Hallen.
Stadt will sich nicht äussern
Klar ist, dass Schällibaum neben den Sportklubs als Mietern vor allem zwei Partner für seine Idee gewinnen muss, wenn es Chance haben soll: die Stadt Zürich und die Credit Suisse. Der Stadt gehört die Parzelle, auf der die Saalsporthalle steht, sie müsste der Ersetzung der 1972 erbauten Halle durch eine polysportive Arena zustimmen, das Grundstück wohl im Rahmen eines Baurechtsvertrags für das Projekt zur Verfügung stellen. Und die Credit Suisse ist nicht nur bei Sihlcity involviert, sie besitzt auch zahlreiche Immobilien im näheren Umfeld der Saalsporthalle.
Die Stadt gibt sich derzeit noch zurückhaltend bis ablehnend. Stadträtin Kathrin Martelli, die Vorsteherin des Hochbaudepartements, die über das Projekt informiert ist, mochte sich nicht konkret dazu äussern. «Wir können nicht Stellung nehmen zu einem Projekt, das noch keines ist», liess Martelli durch ihre Medienverantwortliche Andrea Hollenstein verlauten. Alternativen kann die Stadt allerdings keine anbieten. Marc Caprez, Kommunikationschef des Schul- und Sportdepartements, sagt: «Wir planen zurzeit keine grösseren Eishallen. Die Stadt geht davon aus, dass das Hallenstadion für den Spitzensport da ist und bleibt.»
Offene Ohren bei der CS
Mitte Juni hatte die Stadt Pläne für ein Hockeystadion auf der offenen Rennbahn in Oerlikon vorgestellt, das aber mit 7000 Plätzen für die ZSC Lions keinen Sinn machte. Ende Oktober wurde die Idee aufgegeben, bald darauf liess die Stadt auch ihr Nachfolgeprojekt einer polysportiven Halle am gleichen Standort wieder fallen.
Auf offene Ohren stiess Schällibaum bei der Credit Suisse, die sein Projekt als interessant bezeichnet und sich ein Investment grundsätzlich vorstellen könnte, falls die wirtschaftlichen Anforderungen ihrer Immobilien-Anlagegefässe erfüllt wären. Claudio Rudolf, Direktor bei der Grossbank und Head Acquisition & Sales im Real Estate Asset Management, sagt zum Zurich Dome: «Es ist ein attraktives Konzept in einer frühen Phase. Der Standort bietet von der Verkehrserschliessung her gute Voraussetzungen für die vorgesehene Nutzung.»
Gespräche mit den Klubs
Wesentliche Entscheidungsgrundlagen für eine Weiterverfolgung des Projekts sind für die CS das Zustandekommen einer Betriebsgesellschaft als Mieter sowie eine marktkonforme, nachhaltig gesicherte Rendite. Rudolf bezeichnet es als plausibel, dass das Sportstadion eine befruchtende Wirkung auf Sihlcity haben könnte. Mit dessen Entwicklung man, wie er betont, zufrieden sei. Bis die Bank investiert, muss Schällibaum aber noch viel Planungs- und Überzeugungsarbeit leisten.
Die ZSC Lions stehen dem Projekt positiv gegenüber, haben aber noch keine definitive Zusage gemacht. Mit den Handballklubs Amicitia und GC stehen die Gespräche an. In Richtung der Stadt Zürich, ohne deren Goodwill es nicht geht, sagt Schällibaum: «Ich wünsche mir einfach eine unbefangene Offenheit für neue Ideen.»
Der Architekt, als Mitglied der Gönnerorganisation Club 21 Sponsor bei den ZSC Lions, will in den kommenden Monaten rund 350 000 Franken investieren, um das Projekt weiterzutreiben und offene Fragen bezüglich Kosten, Nutzung und Rendite zu beantworten. Im Rücken hat er einen Generalunternehmer, der ihn dabei unterstützt. Schällibaum wurde durch positives Echo von verschiedener Seite ermutigt. Wenn sein Traum Wirklichkeit wird, soll ab 2013 oder 2014 am Fusse des Uetlibergs Eishockey gespielt werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.12.2008, 08:53 Uhr
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45 Kommentare
Bei dieser Investition scheint es mir doch zweifelhaft, eine interessante Rendite zu erwirtschaften. Der ZSC würde wohl als einziger Nutzer eine vernünftige Miete bezahlen können. Die beiden Handballclubs kann man vergessen. Und bei den Alterswohnungen wäre es unanständig, die Mieten hoch anzusetzen. Aber vielleicht hat die CS immer noch genügend Kleingeld. Antworten
Es ist jetzt einfach an der Zeit, dass der ZSC ein eigenes Eishockeystadion erhält. Das umgebaute Hallenstadion mag als Konzert-Location dienen, jedoch nicht als Eishockeyhalle. Die Stimmung ist meist geisterlich, die Termin-Umstände für den ZSC fürchterlich. Es ist absolut inakzeptabel, dass in der Stadt Zürich keine neuen Stadionprojekte realisiert werden können. Politiker: Eingreifen bitte! Antworten

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