Zwei Schweizer brechen im warmen Boston die Rekorde

Manuela Schär holt den Weltrekord und Marcel Hug den Streckenrekord im Rollstuhl-Marathon – wegen der Topografie sind sie aber nicht offiziell gültig.

Marcel Hug und Manuela Schär holen sich in Boston die Streckenrekorde.

Marcel Hug und Manuela Schär holen sich in Boston die Streckenrekorde. Bild: Keystone

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Es war noch nicht einmal elf Uhr morgens in Boston, aber das Thermometer zeigte bereits 25 Grad an – alles andere als die ideale Temperatur für einen Marathon. Marcel Hug und Manuela Schär konnte das egal sein. Die beiden Rollstuhlsportler waren da bereits im Ziel und hatten den Patriot’s Day für kurze Zeit zum Swiss Day und grossen Zahltag gemacht. Hug, der 32-jährige Dominator der Szene, siegte mit dem Streckenrekord von 1:18:04 Stunden zum dritten Mal in Folge, Manuela Schär (32) gelang noch Spezielleres: In 1:28:17 absolvierte sie als erste Frau überhaupt einen Marathon unter 90 Minuten. Profitiert hatten sie vom Wind, sie hatten ihn im Rücken, und mit einem Nettogefälle von 140 Metern waren das optimale Bedingungen. Belohnt wurden sie mit 20 000 US-Dollar für den Sieg, und die Strecken­rekorde, die wegen des negativen ­Gefälles nicht als Weltrekorde in die Bücher eingehen, werden immerhin mit 10 000 US-Dollar versüsst.

Der Marathon der Läuferinnen und Läufer wurde je länger, desto mehr zum Duell der Kenianer mit den Einheimischen. Dass das Rennen ein Zermürbungskampf in der Wärme werden würde, zeichnete sich bereits bei der Hälfte ab, welche die Schnellsten in wenig aufregenden 1:04:35 passierten. Aus der Leadergruppe fielen dann Vorjahressieger Hayle, Mitfavorit Emmanuel Mutai und Meb Keflezighi zurück, er, der als letzter Amerikaner 2014 gewonnen und nun in Hopkinton zum letzten Mal am Start gestanden hatte. Mutai hatte wie üblich die Pace bestimmt – und sich übernommen.

Ein erstaunliches Rennen zeigte erneut Galen Rupp. Der amerikanische Olympiasilbergewinner über 10 000 m von 2012 hatte in Rio seine Marathon-Premiere auf internationalem Niveau. Und gewann dabei Bronze. Der 29-Jährige also und Geoffrey Kirui (KEN) setzten sich ab und nahmen den Heartbreak Hill gemeinsam in Angriff. Auf die Zielgerade auf der Boylston Street aber bog dann Kirui allein ein, in 2:09:37 siegte der 24-Jährige bei seinem Debüt in Boston. Rupp verlor 21 Sekunden.

Nicht nur figurierten drei Amerikaner unter den ersten sechs, auch bei den Frauen schaffte es eine Einheimische aufs Podest: Jordan Hasay wurde in 2:23:00 Dritte hinter der Kenianerin Rose Chelimo, die für Bahrain startet, und der überlegenen 37-jährigen Siegerin Edna Kiplagat (KEN), die schon New York und London für sich entschieden hat.

Männer: 1. Geoffrey Kirui (KEN) 2:09:37. 2. Galen Rupp (USA) 2:09:58. 3. Suguru Osako (JPN) 2:10:28. 4. Shadrack Biwott (USA) 2:12:08. 5. Wilson Kebet (KEN) 2:12:35. 6. Abdi Abdirahman (USA) 2:12:45. – Frauen: 1. Edna Kiplagat (KEN) 2:21:52. 2. Rose Chelimo (BRN) 2:22:51. 3. Jordan Hasay (USA) 2:23:00. – Rollstuhl. Männer: 1. Marcel Hug (SUI) 1:18:04. – Frauen: 1. Manuela Schär (SUI) 1:28:17.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2017, 22:32 Uhr

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