Das Ausnahmetalent trug eine Unglücksnummer
Fan einer Girlband
Über Tomizawas Privatleben ist wenig bekannt. Der 19-Jährige war Fan der japanischen Girlband AKB48, weshalb er mit der Startnummer 48 fuhr. Ferner himmelte er die japanische Moderatorin und Sängerin Keala Kimura an. Und war nach eigenen Angaben «geschockt», als diese heiratete.
Tomizawa neben der Rennbahn
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«Glaubt es ruhig: Ich werde die Welt in Erstaunen versetzen», steht noch immer auf seiner offiziellen Homepage. Tatsächlich hat Shayo Tomizawa am Sonntag die Welt auf eine andere Weise in Atem gehalten, als er es sich gewünscht hätte: Er stürzte beim Grand Prix in San Marino in der zwölften Runde, völlig überraschend. Seine hinter ihm fahrenden Kontrahenten konnten nicht mehr ausweichen und überrollten ihn. Tomizawa kam mit Schädelbruch, Brustkorbfrakturen und inneren Blutungen ins Spital, wo er kurz darauf verstarb.
Am 10. Dezember wäre er 20 Jahre alt geworden. Sein ganzes, kurzes Leben hatte er dem Motorradfahren verschrieben.
Geboren, um zu fahren
Schon als Dreijähriger sitzt der in Asahi City, Japan, geborene Tomizawa auf einem sogenannten Pocketbike, mit sieben ist er Poketbike-Champion der Region Chiba. Mit 16 Jahren wird er japanischer Vizemeister in der 125-Kubikzentimeterklasse und zum «Rookie des Jahres» gewählt. Daneben absolviert er als ambitionierter Schüler die High School mit dem Hauptfach Englisch, die er 2009 abschliessen sollte. Das Motorrad bleibt aber der wichtigste Bestandteil in seinem Leben.
2007 fährt er sowohl in der 125- als auch in der 250-Kubikzentimeterklasse und 2008 auch in der Viertelliterklasse. Bestes Resultat: Rang 10. «Erst» 2010 sollte er für sein Alter den ganz grossen Coup schaffen: In der neu geschaffenen Moto2-Klasse fährt Tomizawa in Katar an die Spitze und gewinnt damit das erste Moto2-Rennen überhaupt. In seiner kurzen Karriere an der Motorrad-WM fuhr er 29 Rennen und schaffte es zweimal aufs Podest.
Gut gelaunter Strahlemann
Unter den Rennfahrern war Tomizawa äusserst beliebt. Er galt als Strahlemann, war immer gut aufgelegt und für jeden Spass zu haben, wie seine Kollegen einstimmig berichten. Youtube-Filmchen, die ihn beim Plausch-Zweikampf mit Holzschwertern zeigen, belegen dies. Auch die Stimmung im Team war dank Tomizawa oft ausgelassen.
Von seinen Förderern wurde er als japanisches Wunderkind gehandelt. Ein Ausnahmetalent, das vor einer grossen Karriere steht, hiess es.
Doch Tomizawa war sich der Gefahr seines Sports bewusst: «Es kann so viel passieren, man kann schnell schwer stürzen», sagte er in einem Interview. Als Andenken an seinen 2003 verunglückten Landsmann Daijiro Kato trug er ein Patch mit der Nummer 74 an seiner Schulter. Nun hat auch ihn – zehn Jahre später – mit derselben Nummer dasselbe Schicksal ereilt. Die Trauer bei Fans und Freunden ist gross. «Ich habe gestern von seinem Tod erfahren. Seither höre ich nicht mehr auf zu weinen», schreibt jemand auf Tomizawas Blog. In Foren und Gästebüchern drücken weitere ihr Beileid und ihr Bedauern aus. Und trösten sich mit den Worten: Er starb bei dem, was er am liebsten tat. (reh)
Erstellt: 06.09.2010, 12:14 Uhr

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