Es lebt sich formidabel in der Schweiz
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 27.03.2009 18 Kommentare
In der Wahlheimat zu Hause: Pilot Vettel wird von der Gemeinde Walchwil empfangen. (Bild: Keystone)
«Schweizer» Weltmeister: Lewis Hamilton schätzt die Ruhe an den Gestaden des Genfersees. (Bild: Keystone)
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Aktuelle Formel-1-Fahrer in der Schweiz
1 Lewis Hamilton (Gb), Luins VD
2 Heikki Kovalainen (Fi), Coppet VD
3 Fernando Alonso (Sp), Mont-sur-Rolle VD
4 Sébastien Bourdais (Fr), Morges VD
5 Adrian Sutil (De), Oensingen SO
6 Sebastian Vettel (De), Walchwil ZG
7 Kimi Räikkönen (Fi), Wollerau SZ
8 Nick Heidfeld (De), Stäfa ZH
9 Jarno Trulli (It), Pontresina GR
Die Liste der aktuellen Helden der Königsklasse, die in der Schweiz ihr Domizil gefunden haben, ist lang und prominent. Neun Fahrer, die am Sonntag in Down Under die Formel-1-Saison eröffnen, leben offiziell zwischen Bodensee und Lac Léman. Und ehemalige Grössen wie Michael Schumacher (Gland VD) oder Alain Prost (Nyon VD) sind auch nach ihrem Karrierenende hier geblieben. Natürlich habe das primär mit den niedrigen Steuerfuss zu tun, meint der Volksmund im In- und Ausland.
Das Auftanken und die Infrastruktur
Doch das trifft nur teilweise zu. Gewiss sind die finanziellen Umstände für die gut verdienenden Sportler ein Antrieb, sich in der Schweiz niederzulassen. Doch das nach wie vor sichere Land bietet auch andere Vorteile. So betont der in Stäfa ZH an der Goldküste wohnende Deutsche Nick Heidfeld immer wieder, wie «diskret die Leute sind und dass sie einen in Ruhe lassen». Das ist für die gestressten Fahrer und ihre private Entourage ein Segen. Somit könne er die dringend notwendige Energie tanken, sagt Heidfeld.
Der BMW-Sauber-Angestellte hat Stäfa auch aus logistischen Gründen als Domizil gewählt. Er wohnt nicht nur ganz in der Nähe des Hinwiler Sauber-Unternehmens, sondern auch unweit des Flughafens in Kloten. Weil viele Fahrer über einen Privatjet verfügen, spielt die Nähe zu einem Flugplatz eine grosse Rolle.
Von dieser verkehrstechnischen Infrastruktur profitieren auch die Gladiatoren auf vier Rädern, die sich gemütlich am Genfersee eingerichtet haben. Lewis Hamilton, Heikki Kovalainen oder Fernando Alonso erreichen im Nu den Genfer Flughafen Cointrin. Dass an der schweizerischen Côte auch ein exzellenter Weisswein produziert wird, dürfte die Piloten nur am Rande interessieren.
Sport im Land der Berge und Seen
Selbst die Berge schrecken die Formel-1-Fahrer von einem Wohnsitz im Land der Hirten, Bauern und Bänkler nicht ab. Jarno Trulli (Toyota) hat sein Zuhause in Pontresina GR gefunden, der inzwischen zurückgetretene Schotte David Coulthard im waadtländischen Villars-sur-Ollon. Das deutsche Talent Adrian Sutil zieht es erstaunlicherweise vor, in der solothurnischen Nebelbank von Oensingen zu logieren, sofern er nicht irgendwo sonst auf dem Globus seinem Job nachgeht.
Marc Surer, ehemaliger Formel-1-Fahrer und Automobilsport-Experte, weiss noch einen anderen Grund, warum die Schweiz für die Piloten eine ruhige Oase und attraktiv zugleich ist: die Möglichkeiten in Sachen Sport. «Die Fahrer müssen praktisch jeden Tag ihr Sportprogramm durchziehen. Mit den Bergen und grünen Flächen ist die Schweiz ideal dafür», erklärt Surer gegenüber «swissinfo.ch». Das sei der grosse Unterschied zum Steuerparadies Monaco, das ausser Fitness-Studios fast keine Möglichkeiten biete, vielseitig Sport zu treiben.
Dass sich die Cracks in der Schweiz tatsächlich wohlfühlen, beweisen etwa Michael Schumacher oder Sebastian Vettel, die in lokalen Fussball-Klubs mit Freude dem Ball nachjagen. Sport als Integration für Ausländer – Formel-1-Stars machen es vor. (Vettel beabsichtigt übrigens einen Wechsel vom Kanton Zug ins thurgauische Kemmental.) Und der Wollerauer Kimi Räikkönen hat im letzten Winter auf Einladung seines finnischen Freundes und Eishockey-Goalies Ari Sulander ein Training mit den international erfolgreichen ZSC Lions absolviert – nicht im Cockpit auf einer Rennpiste, sondern auf Oerliker Eis mit Stock und Schlittschuhen. Räikkönen macht keinen Hehl daraus, dass er sich am linken Zürichsee-Ufer überaus wohlfühlt.
Offenbar tut die eidgenössische Luft den Fahrern gut: Seit dem Jahr 2000 stammt der Champion immer aus seiner Schweizer Wahlheimat. Michael Schumacher (5-mal), Alonso (2-mal), Räikkönen sowie zuletzt Hamilton brachten den WM-Titel in jene Nation, in der Formel-1-Läufe gesetzlich nicht gestattet sind. Umso amüsanter ist, dass der grosse Manitu der Formel 1, Bernie Ecclestone, vom Nobelort Gstaad BE aus seine Jagdgründe dirigiert.
Und der Schweizer Pilot wohnt im Ausland
Dass sich die Formel-1-Promis hierzulande niederlassen, darf uns Schweizer ein wenig stolz machen, zumal in politisch und wirtschaftlich heiklen Zeiten. Ein Makel haftet dieser Übersicht doch an. Mit Sébastien Buemi fährt zwar endlich wieder ein Mann mit dem roten Pass und weissen Kreuz im Formel-1-Zirkus mit. Aber ausgerechnet der junge Vaudois wohnt nicht mehr in seinem schmucken Heimatort Aigle VD, sondern zieht Manama im arabischen Wüstenstaat Bahrain vor.
Um Gottes Willen, was lief hier falsch? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.03.2009, 14:30 Uhr
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18 Kommentare
@Ronnie König: Beachte bei deinem Kommentar, dass Du die Infrastruktur der Schweiz weit mehr beanspruchst als diese Piloten und weit weniger berappst, auch wenn sie wenig Steuern bezahlen. Freut euch doch, dass von diesen Menschen Steuern kommen und der CH weltweit auch etwas Prestige/Marketing bringen mit ihrer Wohnortwahl. Nicht immer nur motzen und nörglen, das zeigt nur den eigenen Neid!!! Antworten
Warum, warum, warum gibt es soviele Schweizer, die nicht wissen in welch herrlichem Land sie wohnen. Ich nerve mich täglich!! Alles wird hirnlos kritisiert! Ich lebe in Venezuela: Pro Monat 500 Morde, alles koruppt, Trinkwasser verseucht, das Poulet ist so verseucht dass man Nierenschäden bekommt. Und was mach ich hier? CH-Uhren verkaufen damit es Euch noch besser geht...Ihr undankbaren Nörgeler!! Antworten

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