Magersüchtige haben in der neuen Formel 1 einen Vorteil
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 11.02.2009
Unterschiede: Robert Kubica (rechts) ist 19 Zentimter grösser und zehn Kilo schwerer als Felipe Massa. (Bild: Keystone)
Auch der Schweizer Sébastien Buemi, der mit Toro Rosso in seine erste Formel-1-Saison steigt, achtet streng auf sein Gewicht. Mit einer Grösse von 1,76 Meter gehört er in der Motorsportwelt, wo die meisten Piloten wie Jockeys aussehen, zu den grösseren Fahrern.
Der Waadtländer hat zwei Kilo abgenommen und wiegt nur noch 63,5 Kilo. Er will sein Gewicht gar noch weiter reduzieren. «Fünf Kilo wären ideal», sagte er gegenüber dem «Blick» und erklärte gleich auch warum: «Wegen des rund 40 Kilogramm schwereren KERS-Systems zählt jedes Kilo. Zehn Kilo mehr sind 0,4 Sekunden pro Runde.»
Sebastian Vettel rebelliert gegen das neue Gewicht-Diktat
Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel will sich dem Gewicht-Diktat nicht beugen. «Ich mache da nicht mit. Ich hoffe, es wird im Rennen alles nicht so schlimm, wie es im Moment dargestellt wird», sagte er gegenüber der «Bild». In der «Rheinischen Post» gestand er, dass er über den Winter vier Kilos zugenommen hat. Der Deutsche ist allerdings immer noch ein Kilo leichter als Buemi. «Früher gab es auch schwere Jungs, die Rennen gewonnen haben. Ich jedenfalls habe mich vorhin zum ersten Mal seit dem Winter auf die Waage gestellt. Es passt noch alles. Ich wiege 67 Kilo mit Rennanzug und konnte die vielen Plätzchen im Winter in vollen Zügen geniessen.»
Schwieriger ist es für jene, die nicht von Natur aus Fliegengewichte sind. Der zweifache Weltmeister Fernando Alonso verlor seit Dezember vier Kilo und wiegt nur noch 67 Kilo. Sein Teamkollege bei Renault, Nelson Piquet jr., schaffte nur ein Kilo und wurde deshalb von Teamchef Flavio Briatore für zehn Tage zum Speck-weg-Camp nach Kenya geschickt.
Vorteile für Massa und Heidfeld
Gemäss «Bild» nahm der 1,85 Meter grosse BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica (69 kg) letztes Jahr schon sieben Kilo ab. Trotzdem wiegt er noch immer zehn Kilo mehr als Teamkollege Nick Heidfeld. Der in der Schweiz wohnhafte Deutsche gehört wie Vize-Weltmeister Felipe Massa zu den Profiteuren der Leicht-ist-schneller-Welle. Beide wiegen nur 59 Kilo. Der 1,74 Meter grosse Weltmeister Lewis Hamilton, der einen äusserst austrainierten Eindruck hinterlässt, dürfte sein Gewicht von 66 Kilo kaum mehr substanziell drücken können. Verantwortlich für den Kampf gegen die Pfunde sind die Reglemente. Auto und Fahrer müssen zwar mindestens 605 Kilo wiegen. Weil jedoch der neue, auch aus Sicherheitsgründen höchst umstrittene Hybridantrieb KERS bis zu 40 Kilo schwerer ist als der bisherige Motor, können die Fahrer weniger Zusatzgewichte, mit denen das Auto ausbalanciert wird, mit an Bord nehmen.
Regeländerungen wie im Skispringen?
BMW-Motorsportchef Mario Theissen sagte gegenüber «auto-motor-und-sport.de»: «Eigentlich wäre es im Sinn des Erfinders gewesen, dass mit KERS auch das Mindestgewicht der Autos angepasst wird.» Dem entgegnete Fia-Boss Max Mosley in einem Inteview mit «Autosport.com»: «Das haben wir nicht getan, weil niemand danach gefragt hat.»
Ohne Regelanpassungen drohen der Formel 1 Verhältnisse, wie sie im Skispringen herrschten, bevor 2004 mit Hilfe des «Body Mass Index» den nahezu magersüchtigen Springern der (Schoko-)Riegel geschoben wurde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.02.2009, 14:14 Uhr

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