PC-7 holt Kamera vom Himmel – 250'000 Euro Sachschaden

Bei ihrem Flug über das Zielstadion der Ski-WM riss eine Flugstaffel eine Kamera vom Lenkseil. Nun darf die Luftwaffe in St. Moritz nicht mehr fliegen.

Die PC7-Staffel überfliegt das Zielstadion. Video: SRF
Video: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schreckmoment vor dem 2. Lauf des WM-Riesenslaloms in St. Moritz. Nachdem beim Überflug der PC-7-Staffel der Schweizer Luftwaffe ein Flugzeug das Tragseil einer SRF-Kamera touchiert hatte, krachte diese aus mehreren Metern ins Zielstadion. Verletzt wurde dabei niemand, der Pilot konnte seine Maschine selbständig in Samedan landen.

Ausserdem schnellte das durchtrennte Kabel auf die Sesselbahn nieder, mit der unter anderem die Fahrer aus dem Zielgelände Salastrains hoch zum Start transportiert werden. Deren Betrieb wurde daraufhin eingestellt, der 2. Lauf musste um eine halbe Stunde verschoben werden.

Umfrage

Flugshows an Skirennen...





Beim Schweizer Fernsehen entstand beim Zwischenfall ein Sachschaden von 250'000 Euro, wie Robert Willi, Stabchef der Graubündner Kantonspolizei und WM-Einsatzleiter an einer am Freitagnachmittag einberufenen Pressekonferenz mitteilte. Das Schweizer Fernsehen SRF habe der Flugwaffe eine Höhenangabe geliefert. Weiterführende Informationen waren mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht erhältlich. Die Untersuchungen werden von der Militärjustiz geleitet.

Robert Willi, Einsatzleiter der Kantonspolizei Graubünden, über den Sachschaden. (Video: Tamedia/SRF)

Gegenüber SRF sagte Bernhard Müller, Chef Einsatz der Luftwaffe, dass das Team das Flugkabel rekognosziert habe. Zudem sei das Kabel in jedem Flugbriefing mehrfach erwähnt worden. Die Untersuchungen müssten nun zeigen, weshalb es zu diesem Vorfall gekommen sei.

Tätig wurde jedoch das Verteidigungsdepartement und sagte als erste Konsequenz sämtliche weiteren Auftritte der Fliegerstaffel an der Ski-WM ab. Auch am Samstag und Sonntag hätte die PC-7-Staffel fliegen sollen.

Roman Rüegg, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden informierte über den PC-7-Zwischenfall in St. Moritz. Video: SDA

Auf Bildern von SRF ist eindrücklich zu sehen, wie fünf Flieger der Staffel auf den Zielraum zufliegen und sich teils über Kreuz auffächern. Plötzlich fällt die Kamera in den Zielraum und das Seil, an dem die Kamera befestigt war, fliegt durch die Luft.

Laut Müller handelt es sich bei der Formation um die «Winkelried-Figur», bei der sich vier Flugzeuge kreuzen. Dabei habe die am tiefsten fliegende Maschine das Kabel touchiert.

Der Vorfall weckt ungute Erinnerungen an den Absturz einer Drohne während des Riesenslaloms von Madonna Di Campiglio im Dezember 2015. Das Fluggerät war auf die Piste gekracht und hatte den fahrenden Marcel Hirscher nur um wenige Meter verfehlt. In und um St. Moritz herrschte nicht zuletzt wegen dieses Zwischenfalls ein Drohnenflugverbot für die Dauer der WM. (wie)

Gravierender Vorfall im Dezember 2015: Fast hätte die Drohne Marcel Hirscher erwischt. Video: SRF

Von F/A-18-Kampfjet-Piloten geflogen

Das PC-7-Team ist neben der Patrouille Suisse das zweite Vorführteam der Schweizer Luftwaffe. Es umfasst neun Turbopropellermaschinen, die allesamt im Nebenjob von F/A-18-Kampfjet-Piloten geflogen werden.

Offiziell gegründet wurde das PC-7-Team 1989 anlässlich der Jubiläumsfeier «75 Jahre Schweizer Flugwaffe». Gemäss Angaben auf seiner Homepage fliegt es pro Saison an bis zu 15 Veranstaltungen im In- und Ausland.

Das Arbeitsgerät des Kunstflugteams, der Pilatus PC-7 Turbo Trainer, steht bei der Luftwaffe seit 1983 im Einsatz. Insgesamt wurden 28 Maschinen dieses Typs bei den Pilatus-Flugzeugwerken in Stans NW beschafft. 2008 wurden sie komplett modernisiert und in den Landesfarben rot-weiss bemalt. Hauptsächlich wird der zweiplätzige PC-7 für die Grundausbildung der Jetpiloten genutzt.

Erstellt: 17.02.2017, 13:56 Uhr

Artikel zum Thema

Hirscher holt erstes Gold in St. Moritz

Marcel Hirscher ist erstmals Weltmeister im Riesenslalom. Der Österreicher gewinnt vor seinem überraschenden Landsmann Roland Leitinger. Justin Murisier wird starker Achter. Mehr...

Für Janka gabs nur Brei zum Frühstück

Video Vom Frühstück bis zum Glücksritual: Wie bereiten sich die Schweizer auf ihre Rennen vor? Die Riesenslalom-Fahrer lüften ihre Geheimnisse. Mehr...

Weshalb Lara Guts Trainer erleichtert war

Video Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher zieht ein WM-Fazit und verrät Guts erste Worte zu ihm nach ihrem Sturz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kuschelalarm: Zwei weisse Tigerbabies kuscheln sich aneinander. Vier kleine Tiegerbabies kamen am 21. März im Zoo von Borysew (Polen) zur Welt (26. März 2017).
(Bild: Grzegorz Michalowski) Mehr...