7-facher Picasso

In Ronaldos Vertrag mit Real Madrid ist eine Ablösesumme fixiert. Siebenmal mehr als das teuerste Bild, das bisher bei einer Auktion versteigert wurde.

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Cristiano Ronaldo hat genug von Real Madrid. Er sagt das zwar nicht selber, aber es stand in einer portugiesischen Zeitung, sie hat enge Kontakte zu Ronaldos Manager. Zu Mitspielern sagte Ronaldo, dass er sofort wegwolle. War auch zu lesen.

In seinem Vertrag mit Real Madrid ist eine Ablösesumme von 1 Milliarde Euro fixiert. Eine Milliarde ist eine Zahl, die so aussieht: 1 000 000 000, eine 1 mit 9 Nullen. Siebenmal mehr als das teuerste Bild, das bisher bei einer Auktion versteigert wurde, Pablo Picassos buntes Ölgemälde «Les femmes d’Alger».

Ich denke, ich hätte damals, als ich noch bei den Senioren des FC Küsnacht im Tor stand, das letzte Mal vor ungefähr 15 Jahren, auch eine Ablösesumme in den Vertrag, den ich gar nicht hatte, reinschreiben lassen sollen. Auch eine Milliarde. Ein siebenfacher Picasso. Einfach so. Nur ich hätte es ja wissen müssen.

Ronaldo soll trotzdem für nur 200 Millionen Euro zu haben sein. Ein Schnäppchen sei das, schrieb diese Zeitung; die Marke CR7 hat in den sozialen Medien 277 Millionen Follower, und das ergibt für seine Sponsoren einen enormen Werbewert. Manchester United soll interessiert sein, Paris St-Germain auch, Bayern München nicht, das sei ein Gerücht, das ins Reich der Fabeln gehöre, musste Karl-Heinz Rummenigge klarstellen. Real-Präsident Florentino Perez sagt, Ronaldo bleibe in Madrid.

Das muss er vorläufig auch. Er hat in Madrid bald einen Gerichtstermin. Wegen seiner angeblichen Steuerschulden, es geht um 15 Millionen Euro. Ein Super-Schnäppchen für ihn, er würde diesen Betrag auf seinem Bankkonto, das er sicher gar nicht kennt, kaum bemerken. Seine Berater und Anwälte kümmern sich um alles. Ronaldo unterschreibt nur, ohne zu wissen, was er eigentlich unterschreibt. Auch Beckenbauer sagte, er habe solches immer blind gemacht. Vorsorglich hat Ronaldo – oder haben seine Anwälte – mal 15 Millionen beim Gericht hinterlegt. Nicht weil sie sich schuldig fühlen. Nur als Zeichen der Zusammenarbeit. Das ist nett.

Das sind Geschichten in diesem heissen Sommer. In Zeiten, in denen nicht Fussball gespielt wird, oder nur dieser Cup, bei dem man an Konfetti denkt, so unnötig ist er. Ich lese einen Satz in der «NZZ am Sonntag», Davide Chiumiento hat ihn gesagt; einst träumte er davon, die grosse Fussballwelt zu erobern, doch seine Karriere lief dann ganz anders, er ist ein Gescheiterter, jetzt sieht auch der FCZ keine Verwendung mehr für ihn. Es ist ein Satz, der poetisch tönt, aber auch nachdenklich stimmt, Chiumiento sagte ihn auf sich bezogen, nicht im Zusammenhang mit Ronaldo: «Der Fussball gibt mir schon lange kein Lächeln mehr.»

Es ist Sommer, es ist schwül, und auf der kleinen Spielwiese mit den kleinen Toren in einer Badi irgendwo am Zürichsee spielt ein Afrikaner aus Senegal, vielleicht zehn ist er, sehr hager, oranges Shirt, seine Beine sind spindeldürr, er führt den Ball zwischen seinen Füssen, das rechte Bein flink über das linke, das linke über das rechte, wie eine Nähmaschine, Übersteiger nennt man solches; er blickt einen strahlend an, wo ist jetzt sein Bein schon wieder? frage ich mich. Er tänzelt. Und lächelt. Lächelt immer.

So schön kann Fussball sein. Ich habe ihn nicht gefragt, ob er Ronaldo bewundere, aber ich bin fast sicher, er tut es – Ronaldo, den Fussballer, der Tore schiesst. Nur Tore schiesst. Und Übersteiger macht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2017, 22:58 Uhr

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