Die Wut macht Nadal wieder zur Bedrohung
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 25.01.2012
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Wenn Rafael Nadal und Roger Federer am Donnerstag den ersten Finalisten des diesjährigen Australian Open ermitteln, dürften die Kräfteverhältnisse längst nicht mehr so einseitig verteilt sein wie im November an den ATP World Tour Finals, als der Schweizer den Spanier unter dem Hallendach der Londoner O2-Arena mit 6:3, 6:0 regelrecht demütigte. Nadal, der im November mehr an ein Opferlamm als an den grimmigen Tennis-Krieger vergangener Tage erinnerte, scheint seine Schaffenskrise endlich überwunden zu haben, die Zweifel sind einer trotzigen Energie gewichen.
Mit dieser Energie zog der zehnfache Major-Champion am Dienstag auch Tomas Berdych den Zahn. Die Initialzündung war eine heftige Diskussion mit dem Stuhlschiedsrichter. Der Referee hatte Nadal im Tiebreak des ersten Satzes eine Challenge verwehrt und Berdych so zum vorentscheidenden 6:5 verholfen. Nadal, der einen Out-Ruf des Linienrichters gehört haben wollte, verlor darauf zwar den Startdurchgang, steigerte sich mit der Wut im Bauch aber gewaltig und siegte 6:7, 7:6, 6:4, 6:3.
Atemberaubende Passierbälle gegen Berdych
Die Passierschläge, die er aus dem Handgelenk zauberte, waren schlicht atemberaubend, sie werden auch für Federer zum Prüfstein werden, obwohl der Baselbieter insgesamt wohl die besseren Karten hat. «Auf einem Hardcourt ist Roger der Favorit. Sein Level ist fantastisch, und er hat eine fantastische Partie gegen Del Potro gewonnen, der einer der besten Spieler der Welt ist. Es wird ein sehr, sehr schwieriger Match für mich», so Nadal auf der Medienkonferenz nach dem Berdych-Match. «Nur wenn ich sehr gut, aggressiv und am Limit spiele, habe ich eine Chance. Also werde ich das versuchen.»
Die Frage eines Journalisten, ob der Best-of-5-Modus gegen den fünf Jahre älteren Federer eine Hilfe für ihn sei, beantwortete Nadal mit einem zögerlichen Ja: «Wenn der Match sehr intensiv ist und sich das Körperliche auf das Resultat niederschlägt, werde ich hoffentlich einen kleinen Vorteil haben.» Federer sei aber ebenfalls ungemein fit. «Er hatte nie physische Probleme oder Verletzungen. Das ist sehr gut.»
Das letzte Treffen in Australien endete für Federer tränenreich
Zur Erinnerung: Federers letzte Australian-Open-Begegnung mit Nadal endete in einer kleinen menschlichen Tragödie. Nach dem Final von 2009, den der Schweizer 5:7, 6:3, 6:7, 6:3, 2:6 verlor, vergoss er bei der Siegerehrung bittere Tränen. Nadal war es sichtlich peinlich, den auch in seinen Augen grössten Spieler der Tennis-Geschichte derart ins Elend gestossen zu haben. Er kümmerte sich nach der Pokalübergabe durch Rod Laver mehr um Federer als um seine hart erkämpfte Trophäe.
Federer, der in diesem Jahr am Australian Open rund acht Stunden und damit fünf Stunden weniger lang als Nadal auf dem Court stand, gibt zu, dass er diese traurige Erinnerung nur zu gerne durch eine bessere ersetzen möchte. «Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit bekomme, hier noch einmal gegen Rafa zu spielen», gab er zu Protokoll. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2012, 13:15 Uhr

