«Federer hat nicht fünf oder sechs Gänge, sondern zehn»

Boris Becker war noch vor kurzem der Widersacher von Roger Federer. Nach dessen Finaleinzug schwärmt er hemmungslos über den Schweizer.

Jubelnder Roger Federer: Er greift nach dem achten Wimbledon-Titel.

Jubelnder Roger Federer: Er greift nach dem achten Wimbledon-Titel. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Boris Becker war 2014 und 15 noch der Coach von Novak Djokovic, als Roger Federer im Final von Wimbledon am Serben abprallte. Jetzt ist der Deutsche (wieder) BBC-Kommentator, und da zeigt er inzwischen wenig Hemmungen, den Maestro zu loben. So schwärmte er nach dessen Finaleinzug: «Autos haben fünf oder sechs Gänge, Federer hat zehn. Er kann immer nochmals hochschalten, wenn es nötig ist.» Und es war auch nötig in den ersten zwei Tiebreaks gegen einen stark aufspielenden Tomas Berdych. So gut sah man den Tschechen in Wimbledon vielleicht noch nie, und trotzdem reichte es ihm nicht zu einem Satz.

Hoffentlich nicht im New Yorker Groove

Doch noch steht Federer die grösste Hürde bevor: 1,98-Meter-Mann Marin Cilic. «Er macht alles gleich gut, wenn nicht besser als Berdych», blickte Federer voraus aufs grosse Duell mit dem Kroaten. Und er erinnerte an die letzten Begegnungen mit Cilic. 2016 hatte er gegen ihn im Wimbledon-Viertelfinal einen 0:2-Satzrückstand wettmachen und im vierten Durchgang drei Matchbälle abwehren müssen. In New York 2014 wurde er vom Kroaten im Halbfinal in drei Sätzen vom Platz gefegt. «Ich hoffe, er spielt nicht so gut wie am US Open», sagte Federer – nur halb scherzend.

Doch Federer ist in Hochform, das zeigte er beim 7:6, 7:6, 6:4 im Halbfinal gegen Berdych. Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann höchstens die Quote bei den Breakbällen: Er verwertete nur zwei von elf, also 18 Prozent. 2016 war er mit einem lädierten linken Knie und vielen Zweifeln aus Wimbledon abgereist. «Es war ein langer Weg zurück», sinnierte er. «Es war nicht einfach, ruhig zu bleiben. Aber ich bin sehr glücklich über die Entscheidung, meinem Körper eine längere Pause zu gönnen. Schliesslich will ich ja auch ein guter Vater und Ehemann sein und auch in Zukunft noch Sport treiben.» Nun gut, in der Gegenwart klappt das mit dem Sport noch ziemlich gut. Erstmals seit 2008 zog er ohne Satzverlust in den Final von Wimbledon ein.

Federer: «Alles steht bereit»

«Ich kann fast nicht glauben, dass es wahr ist», jubilierte Federer nach dem Finaleinzug. «Viel spricht für mich. Ich habe schon das Australian Open gewonnen und sollte noch frisch sein. Und Wimbledon inspiriert mich besonders. Alles steht bereit. Aber das wird im Final nochmals ein Stück schwerer als im Halbfinal. Ich hoffe, ich kann es schaffen.»

Rendezvous am Sonntag, 14 Uhr Ortszeit.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2017, 20:40 Uhr

Artikel zum Thema

Bisher hat Federer an diesem Turnier alles richtig gemacht

Kommentar Roger Federers Erfolg im Wimbledon-Halbfinal über Tomas Berdych war ebenso ein Erfolg der mentalen Stärke wie der spielerischen Überlegenheit. Mehr...

Federer steht im Wimbledon-Final!

Roger Federer kann nach seinem Sieg gegen Tomas Berdych nach dem 8. Titel greifen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

«Einen sofortigen Rücktritt Federers schliesse ich aus»

Leser fragen Warum Roger Federer die Produkte nutzt, für die er wirbt, und wie seine Chancen stehen, Wimbledon zu gewinnen: Federer-Biograf René Stauffer hat Ihre Fragen beantwortet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Kommentare

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...