Federer in London auf doppelter Mission
Von René Stauffer, London. Aktualisiert am 21.11.2009
Zwei Tage vor dem Start der ATP-World-Tour-Finals liess Roger Federer gestern keine Zweifel aufkommen, was er von sich am grossen Saisonfinal erwartet. «Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich hier bin, um gut zu spielen», sagte er am Mediennachmittag in der Innenstadt von London, wo er neben Andy Murray im Mittelpunkt stand. «Ich bin hier, um das Turnier zu gewinnen und die Nummer 1 zu bleiben.» Das werde allerdings nicht einfach, denn das Teilnehmerfeld sei dieses Jahr ausgeglichener als in vergangenen Jahren, fügte er an, «in dieser Saison kann praktisch jeder jeden schlagen.»
Federer gewann seit drei Monaten (Cincinnati) kein Turnier mehr und reiste mit zwei Niederlagen in Serie im Rücken nach London, wo das Masters erstmals stattfindet. In Basel unterlag er im Final Novak Djokovic, in Paris-Bercy im Startspiel Julien Benneteau. Diese Niederlagen scheinen ihn aber nicht sonderlich zu beunruhigen, da er die Gründe dafür zu kennen glaubt. Für den soliden Serben sei er nach seiner sechswöchigen Pause noch zu wenig bereit gewesen, während er in Paris auf einen Spieler getroffen sei, der über sich hinauswuchs. «Es war eine harte Niederlage, denn ich hatte das Gefühl, dass ich weit gekommen wäre, wenn ich diese Partie gewonnen hätte.»
«Bestmögliche Vorbereitung»
Federer ist überzeugt, dass er aus diesen zwei Turnieren die richtigen Lehren gezogen hat. Er habe inzwischen vor allem an seiner Defensive und der Aggressivität gearbeitet, erklärte er. Vor der Rückkehr aus Paris in die Schweiz trainierte er noch einige Tage in Roland Garros («zwar nicht mit den bekanntesten Trainingspartnern, aber für meine Zwecke waren sie genau richtig»). Inzwischen hat er auch schon zwei Trainingstage in der imposanten 02-Arena hinter sich, zu der die Spieler vom Marriott-Hotel aus auf der Themse per Schiff transportiert werden. Am Donnerstag spielte er mit dem für Andy Roddick nachgerückten Robin Söderling, gestern mit Vorjahresfinalist Nikolai Dawidenko. «Ich habe nun die bestmögliche Vorbereitung hinter mir und hoffe, dass sie sich auszahlt.»
Federer weiss, wie kapital für ihn die morgige Startpartie gegen Fernando Verdasco ist, den am schlechtesten klassierten Spieler seiner Vierergruppe. Eine Niederlage würde ihn für die weiteren zwei Vorrundenspiele stark unter Druck setzen - und Rafael Nadal Auftrieb geben im Kampf um den ersten Rang (der Spanier muss dazu das Turnier gewinnen und zudem drei Partien mehr gewinnen als der Schweizer). Obwohl der vierfache Masters-Sieger Federer gegen Turnier-Debütant Verdasco 3:0 führt, bringt er ihm viel Respekt entgegen. «Fernando hat viele Qualitäten, ist ein Linkshänder und kann den Ball enorm beschleunigen. Aber für mich ist es wichtig, dass ich gut ins Turnier starte.» Einen Fehlstart wie 2008, als er in Shanghai sogleich Gilles Simon unterlag, will er vermeiden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.11.2009, 14:58 Uhr

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