«Federer muss sich jetzt gedulden»

Roger Federer wurde operiert. Welche Prognose Sportchirurg Bruno Waespe dem Tennis-Star stellt.

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Roger Federer erlitt am Tag nach dem Australian-Open-Halbfinal gegen Novak Djokovic einen Meniskusriss. Wie kann das passieren?
Eine dumme Drehbewegung ist die häufigste Ursache. Der Meniskus ist ein Gewebe aus faserigem Knorpel, das den Druck abfängt und den Knorpel schmiert. Nach 30 wird dieses Gewebe spröder, da kann der Meniskus schneller einmal brechen, wenn der Druck zu gross wird.

Könnte es auch abseits des Tenniscourts passiert sein, etwa beim Spielen mit den Kindern?
Das ist durchaus möglich. Es kann sein, dass er beim Aufstehen eine ungünstige Bewegung gemacht hat. Oder beim Spielen mit den Kindern. Es muss nicht beim Sport gewesen sein. Und was auch gut möglich ist: Dass er den Schaden schon eine Weile mitgeschleppt hat und sich der Riss nun ausgedehnt hat.

Federer wurde bereits arthroskopisch operiert. Wie kann man sich diesen Eingriff vorstellen?
Zwei Stiche ins Knie genügen, es ist ein hochpräziser Eingriff, der keine Schädigungen hervorruft. Man entfernt einen Teil des Meniskus, damit das Gewebe wieder nachwächst. Die Operation wird von Spezialisten vorgenommen, die diese tagtäglich durchführen. Denn man muss ein Gefühl fürs Organ haben. Ich nehme pro Jahr rund 300 solcher Eingriffe vor.

Dr. med. Bruno Waespe spricht über Federers Verletzung. Bild: arthroseclinic.ch

Welche Prognose stellen Sie Roger Federer?
Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Meniskusrissen. Aber wenn es so ist, dass nur der Meniskus betroffen ist und nicht der Knorpel, ist die Prognose gut. Dann kann Federer in sechs bis acht Wochen in den Wettkampfbetrieb zurückehren. Aber eben: Entscheidend ist, dass er keine Knorpelschäden hat.

Federer hatte bisher noch keine gravierenden Knieverletzungen. Ein gutes Zeichen?
Absolut. Ich denke nicht, dass er schon einen Vorschaden hatte im Knie. Sonst hätte er nicht auf diesem Niveau spielen können. Die Chance ist also gross, dass er bald wieder kommt.

Sind Meniskusschäden verbreitet im Tennis?
Bei Rotationssportarten wie Tennis ist die Gefahr natürlich grösser als im Schwimmen oder beim Velofahren. Und wie gesagt: Wenn man über 30 ist, wird man anfälliger. Bei 60-, 70-Jährigen sind Meniskusschäden ziemlich verbreitet. Wobei man abschätzen muss, ob ein Eingriff nötig ist oder nicht. Bei Sportlern operiert man häufig, um Folgeschäden wie eine Beeinträchtigung des Knorpels vorzubeugen.

Was kann Federer nun tun?
Obschon der Meniskus zwei, drei Monate braucht, um zusammenzuwachsen, und es in dieser Zeit noch Restschmerzen gibt, kann er in zwei bis vier Wochen wieder mit lockerem Sport beginnen. Aber er muss sich noch etwas gedulden, bis er wieder an die Grenzen gehen kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2016, 15:28 Uhr

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Stand: 24.04.2017 07:39

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