Federer verspielt im Davis-Cup Kredit und Glaubwürdigkeit
Von René Stauffer. Aktualisiert am 16.09.2010 109 Kommentare
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Seit seinem Debüt als 17-Jähriger, 1999 in Neuenburg gegen Italien, ist Roger Federer jedes Jahr mindestens einmal im Davis-Cup angetreten, insgesamt zu 18 Begegnungen. Oft war ihm kein Aufwand zu gross. 2004 flog er von seinem ersten Australian-Open-Sieg sogleich über Zürich nach Bukarest, um gegen Rumänien dabei zu sein. Seither liess er zwar die ersten Runden konsequent aus, um sich für seine Einzelkarriere zu schonen, was ihm einiges an Kritik eintrug. Er war aber immer zur Stelle, wenn sein Team im Herbst gegen den Abstieg oder, wie 2008, um den Wiederaufstieg in die Weltgruppe der 16 besten Nationen kämpfen musste. Und das war seither immer der Fall, auch dieses Jahr.
Ein Team, für ihn gebaut
Dass es tatsächlich «sein» Team war, daran liess Federer, der seit sieben Jahren kein Davis-Cup-Einzel verloren hat und stets vom Wettbewerb schwärmte, nie einen Zweifel. Es war von Swiss Tennis um ihn herum aufgebaut und auf seine Bedürfnisse ausgerichtet worden, für den Erfolg gerüstet. Mit zwei Physiotherapeuten, einem Arzt, einem Bespanner, der auch schon einmal aus den USA eingeflogen wurde; mit seinem Freund Severin Lüthi als Captain und einer Gruppe von Spielern, mit der er das Zusammensein immer sehr genoss und mit der er permanent in Kontakt stand, auch wenn er fehlte. Die Reise nach Kasachstan war ebenfalls auf der Basis seiner Anwesenheit und damit entsprechend komplex organisiert worden, mit Mehraufwand etwa beim Personenschutz. Swiss Tennis rechnet auch bei dieser Expedition mit einem Defizit, es soll etwa 150 000 Franken betragen.
Umso schwieriger ist es nun nachzuvollziehen, weshalb Federer die Mannschaft in dieser Herbstwoche im Stich lässt, zumal ihm danach bis zum nächsten Turnier immer noch drei Wochen Pause bleiben würden. Zudem hatte das US Open für ihn schon am Samstag geendet, nicht erst am Montag, wie im vergangenen Jahr, als er trotzdem vier Tage später in Genua auf einem nassen Sandplatz stand.
Erholungsbedarf geht für Federer vor
Aus Federers knapper Erklärung, die er gestern auf seine Website stellte, geht hervor, dass er problemlos hätte antreten können. Der Entscheid sei «nach langer Überlegung» gefallen, heisst es darin, und begründet wird er mit Müdigkeit nach den Turnieren in Nordamerika und dem Bedarf an Zeit, um sich zu erholen, damit er «das Jahresende stark abschliessen kann».
Einmal mehr stellt Federer damit seine Einzelkarriere in den Vordergrund – für die er bereit ist, im Oktober innerhalb von zwei Wochen in Shanghai und darauf in Stockholm anzutreten. Und er untergräbt die Glaubwürdigkeit seiner wiederholten Aussagen, wie wichtig ihm der Davis-Cup sei. So verspielt er immer mehr den Kredit, den er in der Tennisszene und bei Swiss Tennis geniesst und den er schon in den vergangenen Jahren mit seinen Verzichten auf die Achtelfinals immer wieder strapaziert hatte.
Das Ende aller Ambitionen?
Auf Verbandsseite und im Team zeigte man gestern zumindest nach aussen Verständnis für den Verzicht des Teamleaders. Hinter den Kulissen allerdings brodelt es, zumal schon am US Open von verschiedenen Seiten zu hören war, dass Federer zwar gerne in Astana spielen würde, er aber von seinem privaten Umfeld zum Verzicht gedrängt würde. Ob dies stimmt, ist nicht zu erfahren, aber auch das wäre keine Entschuldigung. Federer hat seine Schritte und Entscheidungen ganz allein zu verantworten.
Durch seine Absage steht nun, einmal mehr, Stanislas Wawrinka in der Pflicht. Dank ihm ist das Team von Severin Lüthi immer noch favorisiert. Sollte es wider Erwarten trotzdem absteigen, dürfte dies das vorläufige Ende aller Schweizer Ambitionen im Davis-Cup bedeuten. 2011 müsste dann in der zweiten Division neu Anlauf geholt werden, und selbst wenn die Schweiz 2012 wieder in der Weltgruppe stehen sollte, dürfte sie erneut nicht gross auf Federers Hilfe zählen. In jenem Jahr strebt er in Wimbledon Olympiagold an, was den Davis-Cup für ihn einmal mehr in der Prioritätenliste weit nach hinten drängen dürfte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.09.2010, 08:09 Uhr
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damals bei hingis hielt ich es lieber mit patty schnyder, der unangepassten, eigensinnigen aber immer echten powerfrau. und so braucht heute auch ein berufssympath wie rodscher meine unterstützung nicht, denn mein respekt geht an den viel einfacher erklärbaren wawrinka, ganz klar. Antworten

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