Federers Erlösung

Warum der 18. Major-Titel für Roger Federer so besonders ist – und wer alles einen Anteil am grossen Triumph hat.

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Der Fünfsatzsieg über Rafael Nadal im Melbourne-Final ist Roger Federers bedeutendster, seit er 2001 als Newcomer in Wimbledon Pete Sampras überrumpelte. Und der 18. Grand-Slam-Titel – sein erster Turniererfolg seit Basel 2015 – ist sein wichtigster Titel, seit er sich 2003 in Wimbledon in den Kreis der Grand-Slam-Champions spielte. Wegen der Art, wie er ihn errang, gegen welchen Gegner und nach welcher Grand-Slam-Durststrecke.

Damals, 2003, war er noch unbeschwert, er musste vor allem sich selber beweisen, wozu er fähig ist. Inzwischen ist er ein Weltstar, den Millionen verfolgen, mit dem Millionen mitfiebern und seit Jahren hofften, dass er es wieder einmal schafft, nur noch einmal. Federer brauchte diesen Titel auch mehr für seine Fans als für sich. Denn was ihm das Tennis schon gegeben hat und immer noch gibt, reicht ihm auch sonst. 88 Turniersiege in aller Welt und eine Popularität, die ihresgleichen sucht, immer noch zunimmt.

Und auch das Spiel allein gibt ihm alles, seine Faszination für das Tennis ist ungebrochen, steigt sogar immer noch, je mehr er sich der Endlichkeit seiner Sportlaufbahn bewusst wird. Dabei befindet er sich in der komfortablen Lage, wie keiner zuvor Spitzensport und ein ausgefülltes Privatleben mit vier Kindern derart harmonisch zu verbinden, dass kein Part darunter leidet.

Der 18. Titel ist aber auch der bisher wichtigste für sein Team, das mehr denn je gefordert war, als es darum ging, dass sich Federer aus der Krise des vergangenen Sommers befreien konnte. Im Nachhinein war nicht nur der Entscheid, die Notbremse zu ziehen, noch vor den Olympischen Spielen und dem US Open die Saison abzubrechen, goldrichtig. Auch die sorgfältige Detailplanung des sechsmonatigen Aufbaus erwies sich als optimal. Dass Federer derart fit und spielstark zurückkehren würde, war ein Wunschszenario, das erhofft, aber nicht erwartet werden konnte.

Dieser Titel gehört denn neben seinen Fans auch seinem Umfeld, allen voran dem Trainerstab mit dem in Melbourne wie üblich fehlenden Fitnesstrainer und Berater Pierre Paganini, den Coaches Severin Lüthi und Ivan Ljubicic sowie Physio Daniel Troxler, der immer für ihn da ist, wenn er ihn braucht – und das ist oft. Und natürlich auch seiner Frau Mirka, ohne deren Support Federer heute seinem Beruf nicht mehr in kurzen Hosen nachgehen würde.

Die Highlights der Partie. Video: Tamedia/SRF

Dabei war der Druck auf Federer enorm, angesichts des langen Wartens, seines Alters und der Tatsache, dass er seine letzten drei Majorfinals alle verloren hatte. Dieser Druck wurde nun aber durch sein freiwilliges Time-out reduziert, der den Rückfall auf Rang 17 bewirkte – mit der Aussicht, seinen Namen bei einem frühen Scheitern in Melbourne sogar jenseits von Rang 30 wiederzufinden. Doch dies war eine unerwartete, aber starke Nebenwirkung seiner Auszeit: Der Druck wurde für einmal nicht von Runde zu Runde grösser, sondern kleiner. Weil er mit jedem Sieg seine Erwartungen noch weiter übertraf, sein Selbstvertrauen noch etwas stieg, seine Championsmentalität mehr und mehr zurückkehrte.

Federer spielte in Melbourne vor allem genau deshalb gut, weil er nur spielen wollte. Allein die Rückkehr in den Circuit sei für ihn ein Erfolg, selbst wenn er in der ersten Runde verloren hätte, sagte er nach dem mühevollen Startspiel gegen Jürgen Melzer. Dabei wurde ihm nichts geschenkt – abgesehen davon, dass ihm im Viertelfinal nicht der Weltranglistenerste Andy Murray gegenüberstand, sondern dessen Bezwinger Mischa Zverev. Es wird immer Spekulation bleiben, ob Federer auch den Schotten bezwungen hätte. Mit Tomas Berdych, Kei Nishikori und Stan Wawrinka musste er aber immerhin drei Top-10-Spieler aus dem Tableau drücken, um den Final zu erreichen. Und in dem stand ihm jener Gegner gegenüber, dessen Spielweise sich schon seit Beginn ihrer Rivalität als die für ihn schlimmstmögliche erwiesen hatte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.01.2017, 13:58 Uhr

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