Genervte Tennis-Fans in London

Kurze Spiele, keine Spannung: Für die Magerkost beim Tennis-Saisonfinale hat Roger Federer eine Erklärung.

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Die ATP World Tour Finals in London zeichnen sich bislang vor allem durch einseitige Partien aus. Sinnbildlich dafür ist die Bilanz von Stan Wawrinka. Dem 6:1, 6:1 über Tomas Berdych folgte ein 3:6, 0:6 gegen Novak Djokovic. Und eigentlich gilt Wawrinka auf der Tour ja als Marathon-Mann, als Spieler, der lange auf dem Platz steht – ob er nun gewinnt oder verliert.

Die Zuschauer, die für den Eintritt in die O2-Arena viel Geld bezahlt haben, sind enttäuscht von der unerwartet mageren Show und äussern ihren Unmut auch in den Kommentarspalten der britischen Onlinemedien. «Das ist bislang ein schreckliches Turnier», schreibt ein «Guardian»-Leser. «Das ist noch eine Untertreibung, es handelt sich um das langweiligste Turnier der letzten Dekade», findet ein anderer.

Ich bin besonders sauer, weil ich mit meinem Vater von Nordirland hierher gereist bin, um diese Spiele anzuschauen. «Murray gegen Raonic am Abend zuvor war okay, aber dieses Nachmittagsspiel war schockierend», beklagt sich ein weitgereister Fan über den gestrigen Match zwischen Berdych und US-Open-Champion Marin Cilic, der im Vergleich zu den Auftritten in New York ein Schatten seiner selbst ist.

Auch Wawrinka bekommt sein Fett weg. Der Romand sei wie ein unzufriedener Teenager über den Court geschlurft, schimpft ein «Guardian»-Leser. «Mit Beginn des zweiten Satzes wollte Stan definitiv an einem anderen Ort sein», fügt er an. Angesprochen auf die einseitigen Spiele, meinte Wawrinka: «Ich habe keine Erklärung dafür. Es ist seltsam. Vor dem Turnier haben wir grosse Partien erwartet, weil es in dieser Saison mehr Überraschungen als sonst gegeben hat. Es ist für alle merkwürdig, zu sehen, wie schnell die Spiele vorüber sind.»

Liegt es am Belag?

Roger Federer, der heute Abend in seinem abschliessenden Gruppenspiel auf Andy Murray trifft, erklärt sich die einseitigen Spiele mit dem Untergrund in der Halle: «An diesem Turnier hatten die grossen Aufschläger meist etwas Mühe. Die Kickaufschläge springen eben nicht so hoch ab.» Oder anders gesagt: Der Spieler, der retourniert muss selten über Schulterhöhe schlagen, das erleichtert ihm die Aufgabe ungemein. Djokovic etwa ist aufgrund seines exzellenten Positionsspiels ohnehin schon ein hervorragender Rückschläger und wird durch die Umstände noch stärker. (ak)

(Erstellt: 13.11.2014, 12:12 Uhr)

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