«Ich spiele in Basel, auch ohne Abmachung»

Roger Federer beendet die Spekulationen und erklärt, dass er auch 2013 die Swiss Indoors bestreiten wird. Unter neuen Vorzeichen.

Schlägt auch in diesem Herbst in Basel auf: Roger Federer an den Swiss Indoors am 22. Oktober 2012.

Schlägt auch in diesem Herbst in Basel auf: Roger Federer an den Swiss Indoors am 22. Oktober 2012. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Roger Federer steht in der Mitte einer siebenwöchigen turnierfreien Aufbauphase, die er zum grössten Teil in der Schweiz am Zürichsee verbringt. Für den «Tages-Anzeiger» nahm der 31-jährige Weltranglistendritte und Rekord-Grand-Slam-Sieger gestern eine Standortbestimmung vor – und machte klar, dass er auch im Herbst die Swiss Indoors in Basel (20. bis 27. Oktober) bestreiten wird, die er schon fünfmal gewonnen hat. Obwohl sein Mehrjahresvertrag mit dem Turnier ausgelaufen ist.

Sie befinden sich inmitten einer fast zwei Monate dauernden Wettkampfpause. Was tun Sie in dieser Zeit?
Zuerst erholte ich mich von den Turnieren in Rotterdam, Dubai und Indian Wells. Ich hatte kurz Ferien, aber schon nach neun Tagen begann ich wieder zu arbeiten. Ich wollte nicht drei Wochen einfach nichts tun. Ich bin nun schon längere Zeit wieder in der Schweiz im Konditionstraining, auch Tennis habe ich schon wieder gespielt.

Trotz des schlechten Wetters? Bringt dieses Ihren Aufbau nicht in Verzug, so kurz vor der Sandsaison?
Weil ich bisher sehr viel an der Fitness arbeitete, war das Wetter für mich kein grosses Problem. Bisher spielte ich halt in einer Ballonhalle auf Sand, zweimal wich ich auch auf Hartplätze aus. Darum freue ich mich, dass es am Wochenende wärmer wird, dann kann ich beginnen, draussen hart zu trainieren. Im Verlauf der nächsten Wochen wird das Training immer intensiver. Wichtig wäre, dass ich die letzten zwei Wochen vor dem Turnier in Madrid (ab 5. Mai) gute Trainingsbedingungen vorfinde. Dann wäre es vor allem schön, dass das Wetter hält.

Wie geht es Ihrem Rücken, der Sie in Indian Wells stark handicapierte, vor allem im Viertelfinal gegen Rafael Nadal?
Ich bin zufrieden, kann wieder alles machen. Aber es ging länger, als ich gedacht hatte. Ich bin froh, dass ich jetzt wieder im Training stehe und auch Tennis spielen kann. In Indian Wells ging alles Schlag auf Schlag. Ich konnte mich nicht genug erholen nach dem Match gegen Wawrinka, und gegen einen Spieler wie Nadal kann ich nicht gewinnen in einer solchen Verfassung, ich weiss nicht, zu wie viel Prozent fit ich war. Ich wollte es einfach probieren. Die Pause kam im richtigen Moment.

Bleiben Sie in der Schweiz bis zum Beginn der Sandsaison und lassen Sparringpartner einfliegen wie in den vergangenen Jahren?
Genau. Severin (Lüthi) hat Kontakt mit mehreren Spielern, die kommen könnten. Ich freue mich, dass ich diese Vorbereitung in der Schweiz durchführen kann. Später wird auch Paul (Annacone) hier sein, in der Phase, in der ich vier, fünf Stunden am Tag Tennis spiele und nicht mehr an der Kondition arbeite.

Sie waren schon lange nicht mehr so viele Wochen hintereinander in der Schweiz. Geniessen Sie dies?
Unbedingt. Ich hatte die Schweiz vermisst in den letzten Jahren. Es ist auch schön, mit den Kleinen mal in der Natur zu spielen; hier zu sein, bei Freunden und Familie, Dinge aufzuarbeiten. Ich konnte etwas herunterkommen vom stressigen Alltag auf der Tour, zur Normalität zurückfinden. 2012 war besonders stressig wegen Olympia. Ich habe die letzten Wochen sehr genossen, auch wenn das Wetter schlecht war.

Am Mittwoch wird der nächste Davis-Cup-Gegner der Schweiz bekannt. Hängt von ihm ab, ob Sie im September dabei sein werden?
Wir müssen es nehmen, wie es kommt. Ob ich dabei sein werde, weiss ich nicht. Das hat noch Zeit.

Eine andere offene Frage ist, ob Sie im Herbst in Basel spielen, nachdem Ihr Vertrag ausgelaufen ist.
Für mich war immer klar: Ich werde die Swiss Indoors auch 2013 spielen. Ich habe es bisher nur noch nicht kommuniziert, doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Ich habe in Basel in all den Jahren immer gespielt, wenn ich nicht verletzt war. Jeder weiss, wie viel mir das Turnier bedeutet, und das ist noch immer so. Ich war dort schon Balljunge, spielte einmal in der Qualifikation, traf noch als Junior auf Andre Agassi. Ich habe viele unvergessliche Momente erlebt in dieser einmaligen Atmosphäre mit den tollen Fans, und ich freue mich extrem, das auch dieses Jahr erleben zu können.

Also hat es inzwischen eine Einigung gegeben zwischen den Swiss Indoors und Ihnen?
Nein, aber das war auch gar nicht nötig. Ich kann in Basel auch ohne irgendwelche Verträge oder Abmachungen spielen, wenn ich Lust dazu habe, und das habe ich. Vor heimischem Publikum anzutreten, ist für mich sehr speziell, weil ich das ganze Jahr auf Reisen bin. Diese Chance will ich nicht verpassen.

Es gab viele Diskussionen über die Verhandlungen zwischen Ihnen und Turnierchef Roger Brennwald, Gerüchte und Spekulationen, es war auch viel von Geld die Rede. Und nun spielen Sie einfach so?
Dazu will ich eigentlich nichts Weiteres sagen, weil es sonst nur wieder falsch verstanden werden könnte. Ich habe nie gesagt, dass ich nicht in Basel spielen werde. Und jetzt versuche ich, diese komplizierte Sache zu vereinfachen.

Heisst das, dass Sie dafür Paris-Bercy wieder auslassen werden?
Ich habe schon oft Turniere verpasst wegen der Swiss Indoors, das ist nichts Neues. Ich gehe zwar auch gerne nach Asien oder Paris, aber man muss Prioritäten setzen können, und Basel war schon immer eine meiner Prioritäten.

In der Jahreswertung liegen Sie an ungewohnter 8. Stelle. Haben Sie überlegt, deswegen früher wieder Turniere zu spielen?
Das habe ich tatsächlich kurz überlegt. Aber ich habe auch immer gesagt, dass dieses Jahr das Training und die Erholung im Zentrum stehen sollen, und diesen Weg will ich weitergehen. Was ich heute an Energien spare, kann ich später investieren. In der Zeit, in der man nicht spielt, füllt man den Reservetank, das habe ich über all die Jahre gemerkt. Zudem finde ich, dass ich gar nicht so schlecht gespielt habe. In Australien war ich gut, Rotterdam (Aus gegen Benneteau) war enttäuschend, in Dubai hätte ich im Halbfinal nie verlieren dürfen (gegen Berdych), und wer weiss, was dann passiert wäre. Man darf diese Phase nicht überanalysieren. Und nun bereite ich mich darauf vor, es in den nächsten Monaten besser zu machen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.04.2013, 10:47 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Federers Zusage für Basel steht noch aus

Roger Federers Teilnahme an den Swiss Indoors in Basel ist offenbar immer noch nicht fix. Der Baselbieter bereitet sich in Zürich auf sein Comeback auf der Tour vor. Mehr...

Murray lässt Federers Traum platzen

Roger Federer scheitert am Australian Open in einem dramatischen Halbfinal an Andy Murray. Der Schotte trifft am Sonntag im Endspiel auf Novak Djokovic. Mehr...

Haas' Höhenflug endet – Murray bedrängt Federer

Tommy Haas findet am Masters-1000-Turnier von Key Biscayne in David Ferrer seinen Bezwinger. Dieser trifft im Endspiel nun auf Andy Murray, der Roger Federer mit einem Sieg als Nummer 2 der Welt ablösen kann. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Die Welt in Bildern

Jagdinstinkt: Im Wildpark Entebbe, Uganda, holt sich ein Löwe das Futter vom Baum. (31. Oktober 2014)
(Bild: Edward Echwalu ) Mehr...