Interview: «Versuchte nur, Stan aufzuheitern»

Was es Roger Federer bedeutet, nach dem Australian Open in Indian Wells auch den zweiten grossen Titel der Saison gewonnen zu haben. Und was er zu Wawrinkas Tränen sagt.

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Sie und Stan Wawrinka zeigten nach dem Endspiel in Indian Wells viele Emotionen. Können Sie das beschreiben? Sport ist emotional. Wenn du gewinnst oder verlierst, sind die Gefühle stärker als du. Ich sehe das gern. Und ich denke, die Fans sehen es auch gern, weil es ihnen zeigt, welche Bedeutung Sieg oder Niederlage für die Spieler haben. Für mich ist es ein grossartiger Start ins Jahr. Im vergangenen Jahr gewann ich keinen Titel und ich stand ausser in Brisbane in keinem Final. Die Veränderung ist dramatisch, und das fühlt sich grossartig an.

Lachten Sie tatsächlich, als Wawrinka bei der Siegerehrung weinte? Eigentlich versuchte ich nur, ihn aufzuheitern. Er weiss das. Ich wollte ihm kein trauriges Gesicht zeigen, als er mich ansah. Ich wollte ihm zeigen, dass alles in Ordnung kommt. Ich schätze, das erreichte ich auch.

Video – Wawrinka sorgt für den grossen Lacher des Tages:

«Roger is laughing. He's an asshole, but it's okay.»

War es das erste Mal, dass jemand gesagt hat, Sie seien ein Arschloch? Das meinen Sie wohl nicht ernst? Ich wurde schon oft so bezeichnet, und ich betrachtete das diesmal sogar als Kompliment. Normalerweise sind keine Kameras dabei, wenn das passiert. Auf dem Platz war es das erste Mal, aber es fühlte sich gut an.

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Stans Kraftausdruck Richtung Federer: Das ...





Sie hatten bei Ihrer Rückkehr einen Langzeitplan für die Saison. Wie schwierig ist es nach dem grossartigen frühen Erfolg, sich auf den Rest des Jahres einzustellen? Als ich nach Indian Wells kam, gab ich mir selbst das Versprechen, mit der richtigen Energie zu spielen. Das ist nicht nur bei den Grand Slams wichtig. Es geht immer bei Null los, du musst dich für die ersten Runden aufraffen. Das ist manchmal nicht so einfach. Aber hier stimmte von Anfang an alles. Die Vorfreude, die Energie, alles passte. Im November, Dezember, als ich das Gefühl hatte, auf einem guten Weg zu sein, sprachen wir bei einem Meeting im Team über die Ziele, und obwohl das Ranking zweitrangig ist, wollte wir doch irgend ein Ziel setzen. Und das war nach Wimbledon wieder unter den besten 8 zu sein.

Und jetzt sind Sie schon wieder die Nummer 6. Da ging wirklich viel schneller als gedacht. Das ist zwar kein Problem, aber ich muss meine Ziele nun definitiv anpassen. Jetzt ist es erstmal am Wichtigsten, dass ich mich richtig erhole. Ich hoffe, dass ich in Miami so spät wie möglich starten kann. Ich werde den Plan für den Rest des Jahres nach Miami machen, auch für die Sandplatz-Saison, aber die Ziele sehen nach diesem Traumstart sicher anders aus.

Denken Sie, dass Sie körperlich stark genug sind, in Miami an Indian Wells anzuknüpfen? Vertrauen bewirkt manchmal Wunder. Ich glaube, dass alles gut sein wird, weil es mir auf dem Platz gut geht und ich so viel Spass habe. Siege geben dir viel gute Energie. Ich werde versuchen, diesmal gesund in Miami zu landen, nicht krank wie im vergangenen Jahr, und die Erholung wird in den nächsten vier, fünf Tagen oberste Priorität haben.

Müssen Sie Ihre Tennis-Karriere und Ihre Karriere als Sänger in Zukunft abstimmen? Das wird schwierig (lacht). Nach Miami muss ich auch meine Ziele als Sänger überdenken. Und das muss ich mit Tommy (Haas) und Grigor (Dimitrov) abstimmen. Aber ich werde es Sie wissen lassen, wie der Plan für unsere Tour aussehen wird, wo es T-Shirts gibt, und wo wir auftreten werden. Aber ich mache nur Spass...

Falls Wawrinka verspricht, dass er Sie auf dem Platz nie wieder beschimpfen wird, werden Sie ihm dann erlauben, bei den One-Handed Backhand-Boys mitzusingen? Dafür braucht er seinen Umgangston nicht zu ändern, der passt. Was er vielleicht ändern muss, ist sein Ton als Sänger; ich habe keine Ahnung, wie gut er singen kann. Aber mit einer einhändigen Rückhand ist er für unsere Band problemlos qualifiziert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2017, 05:07 Uhr

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