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Lobeshymnen auf Federer vor dem US Open

Roger Federer geniesst die freie Woche vor dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Und wird in New York bereits gefeiert.

Kompliment der «New York Times»: «Seine Motivation ist noch grösser als sein Genie.

Kompliment der «New York Times»: «Seine Motivation ist noch grösser als sein Genie.
Bild: Reuters

Acht Tage vor dem Start des US Open sah sich die «New York Times» gestern zu einer Standortbestimmung des Profitennis veranlasst. Schon die Schlagzeile verriet den Tenor: «Vorteil für die Männer, mit einem Federer in Topform». Während die grössten Stars der Frauentour, die Williams-Schwestern, abseits der Grand-Slam-Turniere kaum in Erscheinung treten würden, sei Federer der Grund, weshalb die Qualität im Männertennis so gut sei wie nie zuvor, schrieb die Zeitung. «Jeder ist gezwungen, seine Anstrengungen zu intensivieren, um mitzuhalten.»

Dass er so kurz nach seinem Double Paris/Wimbledon und der Geburt seiner Zwillinge schon wieder gross aufspielen konnte und in Cincinnati zum 3. Mal gewann, verblüffte viele. «Seine Motivation ist noch grösser als sein Genie», schrieb die Times. Dabei hätte es jeder verstanden, wenn das Tennis für Federer vorübergehend in den Hintergrund gerückt wäre. «Er hat zwar etwas Schlaf verloren, aber offensichtlich nichts von seinem Enthusiasmus, Bällen und Titeln nachzujagen.»

Ein wenig überrascht sei er schon, dass er so schnell schon wieder so gut spiele, bekannte Federer am Sonntagabend in Cincinnati. «Obwohl ich drei Wochen lang oft im Spital war, habe ich zwischen Wimbledon und Montreal täglich hart gearbeitet», erklärte er den Reportern. «Mein Fitnesstrainer war sehr zufrieden mit meiner Arbeit, und mit Severin (Lüthi) trainierten wir sehr zielgerichtet.» Er sei nicht nur nach Montreal und Cincinnati gereist, um sich zu zeigen, sondern um wirklich etwas zu erreichen.

Zwillinge erst im August erwartet

In Montreal (wo er im Viertelfinal gegen Tsonga verlor) habe er noch Muskelkater gehabt, doch im Hinblick auf Cincinnati habe ihm jenes Turnier viel geholfen. «Ich habe momentan keine Rückenprobleme oder sonst welche Schmerzen. Das erlaubt mir, frei aufzuspielen und mich darauf zu konzentrieren, wie ich spiele - und nicht darauf, wie ich die Bälle schlagen muss. Das ist ein grosser Unterschied zu vor ein paar Monaten.»

Erstmals ein Turnier als Vater zu gewinnen, sei grossartig, betonte Federer. Er gab zu, dass die Zwillinge ursprünglich erst Anfang August erwartet worden waren. «Dieser Sieg bewegt mich emotionell schon. Ich bin mir bewusst, dass dies ein wunderbarer Sommer ist.» Cincinnati sei «ein neuer grosser Moment in meiner Karriere», auch wenn seine Frau Mirka leider nicht im Stadion gewesen sei. «Es ist gut, dass ich nun eine Woche Zeit habe, die ich mit ihr in New York verbringen kann, bevor ich weitere Partien spiele.»

Federer reist unter ganz anderen Vorzeichen ans US Open als 2008, als er auf eine Phase des Misserfolgs zurückblickte, mit Niederlagen in Wimbledon, Toronto, Cincinnati und Peking und dem Rückfall auf Rang 2 - worauf er auf wundersame Art zu einer Topform zurückfand und mit einem Finalsieg gegen Murray seinen 13. Grand-Slam-Titel holte. Nun ist er wieder die Nummer 1 und der grosse Favorit auf den 6. Titel in Folge. Entgegen früherer Kalkulationen besteht aber doch eine kleine Chance, dass er in New York von der Spitze verdrängt wird: Dazu müssten entweder Murray oder Nadal das Turnier gewinnen und er vor den Achtelfinals ausscheiden. Was reichlich unwahrscheinlich scheint.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2009, 08:12 Uhr

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