«Nadal sollte nur noch auf Sand spielen»

Der Schweizer Sportarzt Heinz Bühlmann ist nicht erstaunt über die jüngste Hiobsbotschaft von Rafael Nadal. Er glaubt, dass der Tennisstar seine Knieprobleme nur mit radikalen Umstellungen loswerden kann.

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Am Montagabend erklärte Rafael Nadal gegenüber dem spanischen TV-Sender Laverdad, dass er wegen seiner hartnäckigen Patellasehnenentzündung im linken Knie damit rechnen müsse, nach Olympia und den Masters-1000-Turnieren von Toronto und Cincinnati auch das in zwei Wochen beginnende US Open zu verpassen. Roger Federer reagierte mit Sorge auf die neuerliche Hiobsbotschaft – eine Haltung, die der frühere Hingis-Arzt Heinz Bühlmann teilt. «Man muss hier schon längst von einer chronischen Entzündung sprechen», erklärt der Mediziner gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Die Therapie ist in einem solchen Stadium extrem schwierig. Nadal ist auf dem Weg zu einer Arthrose der Kniescheibe.»

Besonders die Hartplätze seien Gift für die Gelenke des French-Open-Champions, konstatiert Bühlmann. «Ich habe schon vor drei Jahren gesagt, dass Nadal nicht mehr so viele Hardcourt-Turniere bestreiten solle. Denn anders als auf Sand ist der Fuss nach dem Abstoppen auf diesem Belag fixiert, und das fügt dem Knie Schaden zu», führt der Autor des Buchs «Biomechanik der Tennisverletzungen» aus. Sein Rat an den Federer-Rivalen ist radikal: «Nadal sollte seiner Gesundheit zuliebe nur noch auf Sand spielen.»

«Ein Missbrauch der Gelenke»

Dies ist aufgrund des Turnierkalenders aber nahezu unmöglich. Die Sandplatzsaison beginnt jeweils erst im April und endet nach dem Intermezzo auf Rasen im Juni jeweils Ende Juli. Würde Nadal nur noch auf seinem Lieblingsbelag spielen, könnte er pro Jahr kaum mehr als 5000 Punkte für die Weltrangliste gewinnen. Der Absturz aus den Top 4 wäre unvermeidlich, und dies würde wiederum dazu führen, dass die Topgesetzten schon in den Viertelfinals eines Majors auf den dann stark unterklassierten Spanier treffen könnten – eine Wundertütensituation, die für Federer und Novak Djokovic gleichermassen unangenehm wäre.

Nadals Knieprobleme kommen nicht von ungefähr, sie stehen in direktem Zusammenhang mit der enorm physischen Spielweise des Mallorquiners. «Er geht mit einem riesigen Beugewinkel sehr tief unter den Ball. Das ist ein regelrechter Krampf, ein Missbrauch der Gelenke», erläutert Bühlmann. «Da bleibt ja jedem Hobbytennisspieler der Atem stehen, und man fragt sich: Muss er wirklich bei jedem Schlag 150 Prozent geben?» Genau dies zeichnete Nadal aber stets aus und ebnete ihm den Weg zu elf Grand-Slam-Titeln und über 50 Millionen Dollar Preisgeld.

Agassi: «Nadal ist zu sehr ein Kämpfer»

«Nadals Tennis ist sehr physisch und geht vor allem auf Hartplätzen unheimlich in die Knochen», erklärte die US-Tennislegende Andre Agassi bereits im vergangenen Jahr gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Während er selbst zufrieden gewesen sei, wenn er sich wenig bewegen musste und den Gegner laufen lassen konnte, versuche Nadal, jeden Ball zu holen. «Er ist zu sehr ein Kämpfer und gibt auch dann nicht auf, wenn er sich fast hoffnungslos in der Defensive befindet. Dadurch fügt er seinem Körper grossen Schaden zu.» Die Frage sei eigentlich nur, wann etwas passiere. Schon eine einzige Verletzung könne allem ein Ende bereiten.

Der Sportmediziner Bühlmann glaubt, dass Nadal einen Kampf wider seine Natur führe. Der Tennisstar sei zwar enorm muskulös und zäh, das Knie stelle aber ein grosses Fragezeichen dar: «Man kann die Probleme eine Weile lang mit Spritzen überspielen, aber irgendwann bekommt man die Rechnung dafür.» Bühlmann rät Nadal dringend davon ab, am US Open teilzunehmen, sollten die Schmerzen nicht von allein abklingen. Mit Blick auf das hohe Niveau an der Weltspitze mache es ohnehin keinen Sinn, mit Beschwerden in ein Turnier zu gehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 14.08.2012, 11:34 Uhr)

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