«Nadals Sieg gibt mir Selbstvertrauen für Wimbledon»

Roger Federer startet nach einer zehnwöchigen Turnierpause gut vorbereitet in die Rasensaison. In dieser will er zu alter Grösse finden.

Neue Frisur, neue Lust: Roger Federer glaubt, bereit zu sein für die Rasensaison, die in Stuttgart beginnt. Foto: Michael Weber (Imago)

Neue Frisur, neue Lust: Roger Federer glaubt, bereit zu sein für die Rasensaison, die in Stuttgart beginnt. Foto: Michael Weber (Imago)

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Am Tag nach dem French-Open-Final meldet sich Roger Federer in Stuttgart zurück auf der Tennistour. Im TC Weissenhof, in dem erst zum 3. Mal auf Rasen gespielt wird, erwarten ihn acht Kamerateams und ein voller Presseraum zur ersten Interviewrunde, zu der er mit 45 Minuten Verspätung erscheint. Der 35-jährige Sieger von Melbourne, Indian Wells und Miami hat viel zu sagen; es ist auch viel passiert in den zehn Wochen, in denen er den Turnieren fernblieb.

Die ausgelassene Sandsaison«Trainingsweltmeister»

«Ich bin in den letzten Wochen und ­Monaten zum Trainingsweltmeister ­geworden. Nun brenne ich darauf, endlich wieder Turniere zu spielen», sagt ­Federer. Wer Turnier um Turnier spiele, bei dem erlösche das Feuer ein wenig, «doch diese Gefahr ist bei mir gebannt, weil ich inzwischen so wenig spiele». Der erstmalige Verzicht auf die Sand­saison war offensichtlich ein Entscheid des Kopfes, nicht des Herzens. Nach dem Turniersieg in Miami konnte er sich aber nur fünf Tage Ferien leisten, da am 10. April der Match for Africa in Zürich gegen Andy Murray anstand. Nachdem er in Dubai ein konditionelles Aufbautraining sowie Ende April auch noch den Match for Africa 4 in Seattle hinter sich gebracht hatte, blieb ihm ausreichend Zeit für sein Tennistraining. Fast zu viel?

Training in der Schweiz«Disziplin gefragt»

In den vergangenen Wochen nutzte ­Federer die Möglichkeit, bei schönem Wetter in der Nähe des Zürichsees auf einem privaten Rasenplatz zu trainieren. «So oft habe ich vor einer Rasen­saison noch nie auf Gras gespielt, das ist ideal», sagt er. Bei schlechterem Wetter trainierte er auf Hartplätzen oder auch in der Halle. Für starke Sparringpartner war in der Schweiz gesorgt: So spielte er mit den jungen Amerikanern Ernesto Escobedo und Mackenzie McDonald, dem Kroaten Matija Pecotic und zuletzt mit Marco Chiudinelli. Er sei froh, vier Wochen in der Schweiz gewesen zu sein, auch wenn das viel Disziplin verlangt habe, sagt Federer. «Es gibt so viele Möglichkeiten, sich abzulenken, Freunde zu treffen und in Versuchung zu kommen, Training oder Massage ausfallen zu ­lassen. Da muss ich sehr strikt sein – und ich war auch absolut seriös.» Zuletzt habe er die Intensität bewusst gedrosselt: «Ich sagte meinem Team: Ich möchte frisch in diese Rasensaison ­gehen. Tennis spielen kann ich jetzt, die Kondition habe ich auch.» So habe er sich auch einmal zwei oder drei freie Tage gegönnt, ehe er am Sonntag (ohne Familie) nach Stuttgart brauste. «Wieder einmal auf der deutschen Autobahn zu fahren, machte Spass», sagt er.

French Open«Nadal gigantisch»

Vom French Open sah Federer nicht viel, lieber verbrachte er seine freie Zeit mit der Familie. «Ich verfolgte die Resultate schon, sah auch ein paar Spiele von Wawrinka.» Nadals Dominanz hatte er erwartet. «Aber dass er es gleich so durch­ziehen konnte, ist schon gigantisch.» Im ­Final habe er auf Wawrinka gehofft, «ihn kenne ich auch besser». ­Nadals zehn French-Open-Titel seien ­geschichtsträchtig und wohl einmalig, «das gilt es zu würdigen». Auch Wawrinka beeindruckte ihn: «Obwohl es ihm zuvor nicht gut gelaufen war, gewann er in Genf, spielte in Paris stark und zeigte einen Supermatch gegen Murray.» Gegen Nadal dürfe man ja auch verlieren. «Allerdings hatte ich schon gehofft, dass Stan mehr Chancen haben würde. Ich war etwas überrascht vom Resultat.» Dass Wawrinka für die Rasensaison seinen früheren Coach Paul Annacone als Berater in sein Team geholt hat, findet er eine gute Idee. «Ich bin zwar kein Anhänger von temporären Lösungen. Aber warum nicht? Paul ist sehr umgänglich, ruhig und angenehm.»

Die Rasensaison«Guten Mutes»

Federer ist der erfolgreichste Rasenspieler der Geschichte, doch wie Sandkönig Nadal wurde er zwischenzeitlich aus ­seinem Reich vertrieben. Er gewann auf diesem Belag 15 Titel, seine Matchbilanz steht bei 152:23, aber der letzte Titel liegt fast zwei Jahre zurück (Halle 2015). Im vergangenen Jahr verlor der 7-fache Wimbledonsieger in Stuttgart (Thiem), Halle (Zverev) und Wimbledon (Raonic) stets im Halbfinal, ehe er die Notbremse zog und die Saison abbrach. Er sei ­«guten Mutes» und habe grosse Hoffnungen, dass er dieses Jahr auf Rasen starke Leistungen zeige, sagt er. «Im Training spiele ich super, bewege mich gut, bin explosiv und fühle mich frisch.»

Der Schlüssel werde sein, die richtige Dosis an Aggressivität zu finden. «Auf diesem Belag muss man viel reagieren, und das ist eine meiner Stärken. Jetzt geht es darum, mich wieder an die Match­situationen zu gewöhnen, Breakbälle abzuwehren und Breakchancen zu verwerten.» Er hoffe, sein Spiel bis Wimbledon so zu verfeinern, dass er dann in Bestform sei. Dabei macht ihm auch ­Nadals Sieg in Paris Hoffnung: «Es ist schön, zu sehen, dass man ein grosses Ziel erreichen kann. Ich hoffe, dass mir auch das Selbstvertrauen gibt für Wimbledon.» Allerdings werde auch Nadal voller Selbstvertrauen nach London reisen, «und das ist natürlich nicht ideal».

Der Körper«Ein paar Jahre jünger»

Vor einem Jahr war Federers Rasensaison durch die Probleme mit dem linken Knie beeinträchtigt worden, auch der Rücken war ein Thema. Nun ist alles anders: «Ich hatte keinerlei Probleme mit Rücken oder Knie, musste auch keine Trainings absagen. Alles ging wunderbar auf.» Dabei seien Trainingsphasen oft gefährlicher als Turniere. Zu seinem körperlichen Zustand passt, dass er auch optisch jünger wirkt – dank einem Kurzhaarschnitt, wie er ihn seit den ­spätern 90er-Jahren nie mehr hatte. «Dadurch bin ich sicher ein paar Jahre jünger geworden», scherzt er.

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Nummer 1«Nadals Chance kommt»

Als Federers Pause begann, führte er in der Jahreswertung mit 4045:2235 Punkten vor Nadal. In der Sandsaison hat dieser nun gleich 4680 Punkte gesammelt und ist an ihm vorbeigezogen. Auch das habe er erwartet, sagt Federer. «Für mich geht das Jahr aber eigentlich erst jetzt richtig los. Wie viele Pfeile ich noch im Köcher habe, muss sich zeigen.» Die Nummer 1 sei für ihn aber nicht im Fokus, und er denke, dass das bei Nadal ähnlich sei. «Wichtiger ist, gesund zu bleiben und Turniere zu gewinnen. Aber sollte es zum Showdown kommen, wären wir natürlich beide froh.»

So gut, wie Nadal in diesem Jahr ­gespielt habe, werde der Spanier sicher eine Chance bekommen, nochmals die Nummer 1 zu werden. Federer erwartet eine sehr spannende zweite Saisonhälfte: «Murray und Djokovic werden stark zurückkommen, und ich hoffe, dass ich so weitermachen kann wie ­Anfang Jahr.» Und dann seien da auch noch die Jungen, wie Zverev, Thiem, Kyrgios, dazu Spieler wie Nishikori, Raonic und Dimitrov, denen es zuletzt nicht so gut gelaufen sei. «Alle haben grosse Erwartungen. Und vielleicht spielen ja auch bald alle gleichzeitig wieder gut.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2017, 23:31 Uhr

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