Scharapowas Rechtfertigungen

Die Russin wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, sie sei fünfmal gewarnt worden, dass das Medikament Meldonium verboten werden würde.

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Maria Scharapowa wandte sich in der Nacht auf Samstag MEZ noch einmal an die Öffentlichkeit, nachdem sie bereits am Montag an einer Medienkonferenz in Los Angeles über ihren Dopingfall orientiert hatte. In einem ausführlichen und feurig verfassten Facebook-Eintrag, den sie auch über ihr Twitter-Konto verlinkte, rechtfertigte sie sich für ihren Fehler, der zur positiven Dopingprobe von Melbourne geführt hatte. Sie – und alle in ihrem Team – hatten übersehen, dass das Herz- und Kreislaufmedikament Meldonium per 1. Januar 2016 von den Anti-Doping-Behörden auf die Liste verbotener Substanzen gesetzt worden war.

«Ich will euch wissen lassen, dass einige Dinge in den Medien falsch dargestellt wurden, und ich bin gewillt, dagegen anzukämpfen», beginnt die 28-jährige Russin. Konkret beanstandet sie die zuerst in Grossbritannien aufgekommene Meldung, sie sei mindestens fünf Mal gewarnt worden, dass dieses Medikament, das sie angeblich seit zehn Jahren nimmt, verboten werde. «Das ist nicht wahr und nie passiert», so die fünffache Grand-Slam-Siegerin.

Über die sozialen Medien verbreitet Maria Scharapowa ihre Sicht zum Doping-Skandal. (Twitter/Maria Sharapova)

«Suchen, klicken, suchen, klicken»

Zwar wiederholt sie mehrfach, dass sie keine Entschuldigungen für ihren Fehler suche, nichts vom Verbot gewusst zu haben. In der Folge tut sie aber genau dies: Sie rechtfertigt sich in epischer Ausführlichkeit und erklärt, wie kompliziert es für sie gewesen wäre, dies herauszufinden – zumal sie einer am 22. Dezember zugeschickten E-Mail mit dem Titel «Wichtige Änderungen im Anti-Doping-Programm für 2016» keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte (ihr Kapitalfehler).

Die anderen Meldungen, in denen diese Neuerung kommunziert wurde, seien versteckt gewesen in Newslettern, auf Websites oder in Broschüren. So habe sie am 18. Dezember eine E-Mail mit dem Betreff «Player News» erhalten, auf der Folgendes zu tun gewesen wäre, um an diese Information zu gelangen: «Man musste ein E-Mail mit einem Vermerk öffnen, der nichts mit Anti-Doping zu tun hatte, auf eine Webpage klicken, ein Passwort eingeben, einen Benutzernamen eingeben, suchen, klicken, suchen, klicken, suchen, klicken, scrollen und lesen.» Daneben seien in diesem Mail «tonnenweise Informationen über das Reisen, kommende Turniere, Ranglisten, Statistiken, Bulletin-Board-Notizen, Geburtstagswünsche und ja: Anti-Doping-Informationen enthalten» gewesen.

Rechtfertigungen und Ausflüchte

Zwar sei an verschiedenen Turnieren Anfang Jahr auch eine Karte fürs Portemonnaie verteilt worden, gibt Scharapowa zu. Doch diese habe «Tausende von Worten» enthalten, viele davon sehr technisch und in kleinen Buchstaben. «Sollte ich sie studiert haben? Ja», schreibt sie. «Aber wenn Sie dieses Dokument gesehen hätten, würden Sie wissen, was ich meine.» Zur Illustration veröffentlicht sie auf Facebook denn auch zwei Bilder davon.

Im weiteren versucht Scharapowa zu widerlegen, dass sie das Medikament falsch angewendet habe. Der Hersteller, das lettische Pharmaunternehmen Grindeks, habe darauf hingewiesen, dass die Behandlung normalerweise vier bis sechs Wochen daure, hiess es in vielen Medien. Scharapowa rechtfertigt sich für die jahrelange Anwendung nun damit, dass der Hersteller auch den Passus hinzugefügt habe, dass die Behandlung zwei- oder dreimal im Jahr wiederholt werden könne, in Rücksprache mit Experten. Denn nur diese könnten abschätzen, ob ein Patient Meldonium für eine längere Periode einnehmen sollte. «Das ist genau, was ich tat. Ich nahm die Medizin nicht jeden Tag. Ich nahm sie auf die Art, wie mein Arzt es mir empfahl und in den empfohlenen tiefen Dosierungen.»

«Hoffe, dass ich wieder spielen kann»

Am Ende wird Scharapowa pathetisch und weist darauf hin, wie stolz sie darauf sei, wie sie Tennis gespielt habe. Zudem sei sie aufrichtig gewesen und habe auch nicht eine Verletzung vorgetäuscht, um die Wahrheit über ihren Test zu verschleiern. «Ich freue mich auf die Anhörung vor dem Internationalen Tennisverband», dort werde sie ihre detaillierte medizinischen Unterlagen vorlegen. Die bestbezahlte Sportlerin der vergangenen zehn Jahre schliesst mit den Worten: «Ich hoffe, dass ich wieder spielen darf. Aber was auch kommt, ich will, dass Ihr, meine Fans, die Wahrheit und die Fakten kennt.» Die Fakten sprechen zwar auch nach diesem Pamphlet klar gegen die Russin, ihre Argumente könnten aber immerhin als mildernde Umstände in Betracht gezogen werden.

«Sie ist eine Betrügerin»

Derweil fuhr am Freitag in Indian Wells die Französin Kristina Mladenovic schweres Geschütz auf gegen die Russin. Sie sagte: «Wir alle denken und sagen, dass sie eine Betrügerin ist. Du zweifelst und sagst dir, dass sie nicht verdient, was sie alles gewonnen und gemacht hat. Das ist schlimm, aber es ist gut, dass es endlich auskommt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.03.2016, 03:20 Uhr)

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