Sexy macht nicht erfolgreich
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 30.03.2010
Stichworte
WTA Singles Weltrangliste
| R | Name | P | |
|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | Victoria Azarenka | 9020 |
| 2. | ![]() | Maria Scharapowa | 8390 |
| 3. | ![]() | Agnieszka Radwanska | 7350 |
| 4. | ![]() | Petra Kvitova | 6275 |
| 5. | ![]() | Serena Williams | 5695 |
| 6. | ![]() | Samantha Stosur | 5440 |
| 7. | ![]() | Na Li | 4965 |
| 8. | ![]() | Marion Bartoli | 4870 |
| 9. | ![]() | Caroline Wozniacki | 4586 |
| 10. | ![]() | Angelique Kerber | 3560 |
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Ruhm ist vergänglich. Das gilt auch im Tennis. Noch am 7. Juni 2008 präsentierte sich Ana Ivanovic als strahlende Siegerin der French Open im Pariser Bois de Boulogne. Nur 48 Stunden später spuckte der WTA-Computer den Jung-Star aus Belgrad als neue Nummer 1 der Weltrangliste aus. Der attraktiven 20-jährigen Newcomerin flogen nicht nur die Männerherzen zu. Die Chefetage der Frauen-Tour jubelte: Ein neues Zugpferd darf präsentiert werden. Das ist im Frauen-Tennis immer willkommen.
Heute, am 29. März 2010, präsentiert sich die sportliche Situation für Ivanovic komplett anders: Die ehemalige Nummer 1 belegt nach der Zweisatzniederlage (5:7, 5:7) in der 3. Runde in Miami (Florida) gegen die Polin Agnieszka Radwanska nur noch Platz 58 der Weltrangliste. Das ist gegenüber der Blütezeit vor fast zwei Jahren ein tiefer Fall. Die Gründe für den Absturz sind vielseitig. Kleinere oder gröbere Verletzungen plagten die Serbin und brachten sie ausser Tritt. Dazu gesellt sich eine sogenannte Übermotivation; die Spielerin verkrampft sich, wenn sie ihrem Job nachgeht.
Die Verlockungen dieser Welt
Dazu gesellt sich ein Faktor für den sportlichen Niedergang, den schon andere Tennis-Beautys erlebt haben: Die Verführung der Glitzerwelt. Ivanovic wurde von einem Event zum anderen gereicht, ihr Kalender war prall gefüllt, aber nicht unbedingt mit sportlichen Terminen auf dem Court, sondern mit Shootings in Studios oder auf den schönen Schauplätzen dieser Welt. Wer sich stets den Blitzlichtern stellen und vielen Verpflichtungen nachkommen muss, kann sich nicht mehr aufs Wesentliche, also die tägliche Arbeit mit dem Racket, konzentrieren. Das Resultat ist bekannt: Das Bankkonto zeigt nach oben, die Formkurve nach unten.
Ivanovic ist nicht der einzige Tennis-Star, der den Preis für den Glamour und das Highlife bezahlt. Auch Maria Scharapowa oder Anna Kurnikowa müssen oder mussten viele PR- und andere Termine erfüllen. Das ist förderlich fürs Vermögen, aber nicht unbedingt für das WTA-Ranking. Kurnikowa schliesslich sah sich ausser Stande, ein Single-Turnier zu gewinnen, fühlte sich aber bei ihrem Jet-Set-Dasein so richtig wohl. Bei der ehrgeizigen Scharapowa, die 2004 als 17–Jährige in Wimbledon triumphierte, muss man zugute halten, dass sie wegen chronischen Schulterbeschwerden immer wieder pausieren musste (und immer noch muss). «Sexy Maria», wie sie in den globalen Boulevardblättern genannt wird, nimmt immerhin noch Rang 12 im Ranking ein.
Beziehungen zur Schweiz
Nun, Ivanovic könnte Trost in der Tatsache finden, dass sie jährlich rund 15 Millionen US-Dollar an Werbeeinnahmen kassiert. Doch Geld allein macht nicht glücklich. Ivanovic ist seit Monaten gewillt, die Talfahrt zu stoppen. Dazu braucht es auch Beharrlichkeit und Geduld. Letzteres ist nicht ihre Stärke. «Ich bin eine ungeduldige Person. Ich will immer alles sofort», sagt sie über sich selbst. Ihr Schweizer Manager Dan Holzmann klagte jüngst im «Blick»: «Ana denkt an nichts anderes als an Tennis. Sie ist übermotiviert, trainiert wie eine Kranke. Dann schaut sie die Rangliste an und ist schockiert.» Das wolle sie sofort ändern, aber das brauche eben seine Zeit.
Um wieder auf die Erfolgsstrasse zurückzukehren, hat sich Ivanovic, die überdies in Basel domiziliert ist, mit dem Zürcher Heinz Günthardt verbündet. Der ehemalige Profi und heutige Experte hat in den letzten Wochen als Teilzeit-Coach versucht, seinem Schützling wieder auf die Sprünge zu helfen. Das kurzfristige Engagement läuft allerdings in diesen Tagen aus. Egal, ob die Betreuung weiter läuft oder nicht: Günthardt ist überzeugt, dass Ana Qualitäten habe. Diese vorsichtige Einschätzung sei gestattet: Der Zug im Tennis ist für Ivanovic bestimmt noch nicht abgefahren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.03.2010, 06:49 Uhr















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