«Tennis gibt ein schreckliches Bild ab»

Amélie Mauresmo macht sich Sorgen um ihren Sport und meldet sich zum Thema Doping, Preisgeld und die Sichtweise von Andy Murray zur Geschlechterfrage.

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Sie ist zweifache Grand-Slam-Gewinnerin und hat eine Karriere mit insgesamt 25 Turniersiegen hinter sich. Sieben Jahre nach ihrem Rücktritt gehört Amélie Mauresmo immer noch zu den einflussreichsten Frauen im Tennis – als Coach von Andy Murray.

In der französischen Sportzeitung «L'Équipe» äussert sich Mauresmo zu den brennenden Themen im Tennis und findet klare Worte: «Das momentane Bild unseres Sports ist schrecklich und macht mich enorm traurig. Tennis muss gerade einen schweren Schlag einstecken.»

Die zu Jahresbeginn aufkeimenden Schlagzeilen zu den Wettmanipulationen, dem Dopingvergehen von Maria Scharapowa und der grundsätzlichen Frage, ob die Frauen auf der Tour gleich viel verdienen sollen wie die Männer, gefallen der 36-jährigen Pariserin ganz und gar nicht. «Es wird nur über negative Dinge gesprochen. Über die Leistungen, Werte, Hingabe und den Schweiss spricht keiner.»

Gleichberechtigung zu jedem Preis

Aufräumen und weiterkämpfen lautet ihre Devise. Die angeblichen Spielmanipulationen aus unzähligen Begegnungen in den Niederungen der Weltrangliste lösten vor den Australian Open zwar ein kurzes Beben aus, weitere Erschütterungen blieben bisher aber aus. Das Dopinggeständnis von Maria Scharapowa im März rüttelte die Szene auf und liess auch Mauresmo nicht unberührt.

Am meisten Emotionen löste bei Mauresmo allerdings die Frage aus, warum die Frauen an Grand-Slam-Turnieren gleich viel verdienen wie die Männer, obwohl sie nur zwei statt drei Gewinnsätze spielen und zudem weniger Zuschauer haben. «Ich muss einräumen, dass die Herren-Tour momentan attraktiver ist als die der Damen. Drei der besten Spieler aller Zeiten duellieren sich innerhalb einer Ära. Sicherlich tragen Federer, Nadal und Djokovic den Tennissport inklusive des Damentennis, welches nicht auf dem gleichen Niveau ist.»

Mauresmo und Murray sind einer Meinung

Trotzdem fordert sie die Gleichberechtigung, schliesslich habe jede Tour ihre Hochphase. Als Beispiel nennt sie ihr bestes Jahr, als sie 2006 das Australian Open und Wimbledon gewann und sie sich mit Lindsay Davenport, Justine Henin, Kim Clijsters und den Williams-Schwestern duellierte. «In meiner Zeit hatte die WTA viele Champions und war deshalb auch stark.»

Wie könnte ihr da Andy Murray widersprechen? Der Schotte lässt sich seit zwei Jahren von Mauresmo coachen und nimmt bei der Geschlechterfrage die gleiche Haltung ein. «Ich denke, es sollte die gleiche Bezahlung geben, zu 100 Prozent», sagte Murray vor einer Woche. Natürlich hat er sich im Vorfeld mit Mauresmo darüber unterhalten. Sie sagt jetzt: «Andy hat verstanden, dass es um die gleichen Chancen geht und nicht darum, dass die Herren-Tour attraktiver ist.»

(Erstellt: 30.03.2016, 17:39 Uhr)

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