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Warum McEnroe nicht mehr an Federer glaubt
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Die beiden aussichtsreichsten Titelanwärter in Wimbledon gaben in ihren Achtelfinal-Matches am Montag ein unterschiedliches Bild ab. Während Roger Federer gegen Xavier Malisse mit plötzlichen Rückenbeschwerden und spielerischen Defiziten im dritten Durchgang zu kämpfen hatte, war Novak Djokovic gegen Viktor Troicki in allen Belangen überlegen. Die ersten beiden Sätze dauerten zusammengenommen keine Stunde, erst im dritten Durchgang, als Djokovic seinen Freund und Doppelpartner ein wenig atmen liess, bekamen die Zuschauer doch noch etwas Unterhaltung geboten. Die wichtigen Punkte aber machte stets Djokovic, der teils brillante Vorhand-Geschosse abfeuerte. «Solche Schläge kann zurzeit nur er», bemerkte der dreifache Wimbledon-Champion Boris Becker am BBC-Mikrofon anerkennend.
Klar, musste Djokovic nach der Partie keine Fragen zu seinem Formstand beantworten. Ganz im Gegensatz zu Federer. Der Baselbieter erklärte auf der Pressekonferenz, er habe im ersten Satz auf einmal Rückenschmerzen verspürt, dann drei, vier Games weitergespielt und schliesslich medizinische Betreuung in Anspruch genommen. «Ich war geschockt. Mir war klar, jetzt habe ich ein Problem. Wenn am Anfang eines Best-of-5-Spiels der Rücken blockiert, läuten die Alarmglocken.» Woher aber kam der Schmerz? «Ich denke, es war eine Mischung aus dem Fünfsätzer gegen Julien Benneteau, den zwei Tagen Pause und dem kalten Wind. Also hatte ich wohl einfach Pech», führte Federer aus. «Der Rücken fühlt sich inzwischen aber schon wieder viel besser an. Ehrlich gesagt, mache ich mir keine allzu grossen Sorgen. Ich hatte oft Rückenschmerzen in den letzten Jahren, und es geht gewöhnlich so schnell, wie es gekommen ist.»
Noch will Federer aber nicht an den für die Experten bereits programmierten Halbfinal gegen Djokovic denken. Er erwarte gegen den Russen Michail Juschni am Mittwoch einen extrem harten Viertelfinal. «Ich habe vergangene Woche in Halle gegen ihn gespielt und letztes Jahr in Wimbledon. Wir wissen also beide, was uns erwartet», erklärte der Schweizer, der gegen Juschni auf Rasen eine 5:0- und insgesamt eine 13:0-Bilanz aufweist.
«Jetzt muss ich auf Djokovic umschwenken»
Der ehemalige Weltranglistenerste John McEnroe äusserte sich im BBC-Studio derweil skeptisch zu Federers Wimbledon-Perspektiven: «Ich habe noch nie gesehen, dass er den Physio gerufen hat, das macht automatisch Sorgen. Er sieht nicht ganz so aus wie der Roger Federer, der hier sechsmal gewonnen hat. Die Bewegungen sind der grosse Unterschied zwischen ihm und Djokovic. Er hat seit dem US Open mehr Matches als jeder andere Topspieler absolviert, und das ist ein Problem, wenn man über dreissig ist».
McEnroe, der im All England Club 1981, 1983 und 1984 triumphierte, sieht Federer deshalb nicht mehr als Favoriten auf den Turniersieg. «Vor Wimbledon habe ich auf Federer getippt, aber jetzt muss ich auf Djokovic umschwenken», gab der US-Amerikaner zu. Der Serbe mache einen besseren Eindruck als am French Open, als ihn die historische Chance des Grand-Slam-Gewinns belastet habe. Zudem sei er nicht mehr nur der beste Returnspieler im Feld, sondern schlage auch ganz ausgezeichnet auf. Holt sich Federer trotzdem seine siebte Wimbledon-Krone, löst er Djokovic am kommenden Montag als Nummer 1 der Welt ab.
Hier geht es zu den kompletten Wimbledon-Tableaux
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.07.2012, 10:23 Uhr
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