Was Federers scheidender Coach zur Trennung sagt

Paul Annacone gewährte «USA Today» ein Interview. Er glaubt an einen 18. Grand-Slam-Triumph – und sagt, wo für Federer die Knackpunkte liegen.

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Die Interviews, die Paul Annacone in seinen über drei Jahren als Coach von Roger Federer gab, lassen sich an einer Hand abzählen. Gegenüber der Zeitung «USA Today» äusserte sich der 50-jährige Amerikaner nun aber zur am Wochenende bekannt gewordenen Trennung vom Baselbieter, der auf Rang 7 abgerutscht ist und um seine Teilnahme am ATP-Finale in London (4. bis 11. November) kämpfen muss. Dabei vermeidet er es, schmutzige Wäsche zu waschen, im Gegenteil: Er sagt Federer weitere grosse Triumphe voraus. «Grösse vergeht nie», so Annacone. «Er ist nicht plötzlich kein guter Spieler mehr. Das Problem ist nur, dass die Erwartungen und die Latte inzwischen so hoch liegen.» Er wäre jedenfalls überrascht, wenn Federer seine Karriere ohne weiteren Grand-Slam-Titel – es wäre sein 18. – beenden sollte.

Der frühere Coach von Pete Sampras und Tim Henman warnt alle davor, Federer bereits abzuschreiben, nur weil er inzwischen 32-jährig sei. «Wer an solchen Leuten zu zweifeln beginnt, riskiert, sich ins eigene Bein zu schiessen. Sie sind untypisch, Phänomene. Roger liebt das Tennis noch immer so sehr, ist in jedem Training so engagiert und hat den grossen Wunsch, es weiter zu geniessen. Deshalb kann ich mir nichts anderes vorstellen, als dass er zum Erfolg zurückkehren wird. Für mich ist die Frage nicht, ob das geschieht – sondern wann.»

«Lüthi wird unterschätzt»

Auf die Gründe, die zur Trennung führten, geht Annacone nicht ein, bestätigt aber, dass der Entscheid vor dem Turnier von Shanghai gefallen war und nichts mit der Achtelfinalniederlage gegen Gaël Monfils zu tun habe. Er sei die Folge von «mehreren sehr guten, tiefen und durchdachten Gesprächen» über die Zukunft der beiden gewesen. Beide könnten gut damit leben, «ich auf jeden Fall». Wohin ihn seine Zukunft führen werde, wusste der Vater zweier erwachsener Kinder in diesem Telefoninterview, das er von Los Angeles aus führte, noch nicht. Annacone arbeitete auch schon für die Tennisverbände der USA und Englands.

Der ehemalige Top-15-Spieler war schon immer ein Mann mit einem Hang zum übertrieben wirkenden Optimismus, weshalb es auch nicht überrascht, dass er im Rückblick Federers schlechteste Saison seit über zehn Jahren verharmlost, indem er lediglich von «einer holprigen Strasse» und «einem kleinen Rutscher» spricht. Auf seine Erfolge mit Federer sei er extrem stolz, insbesondere auf dessen 7. Wimbledonsieg und die Rückkehr zur Nummer 1. «Am stolzesten bin ich aber, wie jeder agierte und reagierte angesichts der vielen Herausforderungen», lobt er Federers Team, das sehr professionell arbeite. Speziell erwähnt er Severin Lüthi, «ein grossartiger Mann, der sehr unterschätzt wird und ausgezeichnete Arbeit leistet».

«Er hat es auf dem Schläger»

Er werde dem 77-fachen Turniersieger jederzeit zur Verfügung stehen, falls er ein offenes Ohr brauche, und er freue sich auch darauf, seine Spiele weiter zu verfolgen. «Roger ist schlau, er ist sehr objektiv und gewissenhaft. Er wird herausfinden, was er nötig hat. Er muss nur die Puzzleteile wieder zusammensetzen.» Dabei dürfte es ihm helfen, dass nun die Hallenturniere anstünden, mit den Swiss Indoors in Basel (kommende Woche), Paris und eventuell dem ATP-Finale in London, spekuliert er. Federer habe es «auf dem eigenen Schläger», sich für das Saisonfinale zu qualifizieren. «Ich wäre überrascht, wenn er in den kommenden Wochen nicht einige gute Resultate erzielen würde.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.10.2013, 11:02 Uhr)

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