«Ich hatte keine Kinder, die mich nachts wecken»

Roger Federer blickt auf den Wimbledon-Final voraus und sagt, was diesmal anders ist als bei seinem ersten Triumph 2003.

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War die Partie gegen Tomas Berdych die bislang härteste Partie in diesem Turnier?
Ich denke, ja. Es war das enge Spiel, das ich erwartet habe. Ich habe dann gut gespielt, wenn es nötig war und bin nie in Panik verfallen. Das ist wichtig, wenn es in die entscheidenden Phasen geht. In den Tiebreaks habe ich gut gespielt. Ich bin froh, dass ich die Big Points gewonnen habe.

Sie stehen in Ihrem elften Wimbledon-Final, was noch kein Spieler an einem Major-Turnier geschafft hat. Mit dem achten Titel könnten Sie Rekordsieger werden. Was bedeutet Ihnen Rekorde?
In Wimbledon Geschichte zu schreiben, macht mich glücklich. Ich liebe dieses Turnier, an dem alle meine Träume als Spieler wahr geworden sind. Dass ich nun eine erneute Chance erhalte, den achten Titel zu gewinnen, ist ein grossartiges Gefühl, aber es garantiert mir noch nicht den Titel. Doch für diesen bin ich hierher gekommen. Ich bin nah dran, muss aber fokussiert bleiben und eine weitere gute Partie spielen.

2017 – ein Federer-Jahr

Es ist bereits ein Weilchen her, seit Sie 2012 ihren letzten Titel hier gewonnen habe. Was hat das für einen Einfluss auf Sie für den Final vom Sonntag?
Ich spüre, dass ich bereit bin. Es fühlt sich nicht an, als sei der letzte Titel schon so lange her. Ich habe seither hier viele gute Matches bestritten und 2014 und 2015 sehr gut gespielt. Ich bin froh, dass ich dieses Level nun wieder erreicht habe. Die Jahre 2013 und 2016 waren wegen meinen Verletzungen speziell.

War die Art und Weise wie Marin Cilic bei seinem Sieg gegen Sie im Halbfinal des US Open 2014 auftrat die beste Leistung eines Gegners von Ihnen?
Das ist schwer zu sagen. Wenn ich ja sagen würde, würde dies all die anderen starken Leistungen etwas schmälern. Es war aber auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Leistung von ihm, vor allem auch in diesem Stadium des Turniers. Er hat serviert und retourniert, wie er wollte, und einen grossartigen Job gemacht. Ich hatte, glaube ich, nur eine kleine Chance, und zwar im dritten Satz.

Rückblick: So waren die bisherigen Duelle zwischen Federer und Cilic. (Video: Tamedia/SRF)

Sie haben schon Dutzende Partien auf dem Centre Court gespielt, wobei die Royal Box jeweils voll mit berühmten Leuten ist. Nehmen Sie jeweils wahr, wer da sitzt?
Gelegentlich versuche ich es auszublenden, andererseits ist es auch cool zu sehen, wer da ist. Für mich war es immer sehr speziell, wenn Pete Sampras oder Björn Borg kamen, weil ich zu ihnen hochgeschaut habe. Auch dass Rod Laver und Ken Rosewall da sind, ist grossartig. Oder auch die Königsfamilie.

Sie haben im ersten Teil der Saison drei der wichtigsten Titel gewonnen. Wie überrascht waren Sie darüber?
Ich war total überrascht, dass ich in Melbourne, in Indian Wells und in Miami gewinnen konnte. Ich hatte gehofft, dass ich in guter Form sein würde, wenn die Rasensaison beginnt. Dies war bereits vor einem Jahr das Ziel, nachdem ich hier in den Halbfinals verloren hatte. Vor allem der Sieg am Australian Open war eine enorme Überraschung. Die ersten drei, vier Monate des Jahres waren wie in einem Traum.

Haben sich Ihre Abläufe vor einem Final im Vergleich zu 2003, als Sie hier das erste Mal gewonnen haben, verändert?
Ich kann mich nicht genau erinnern, was 2003 war. Mein Team war auf jeden Fall wesentlich kleiner. Ich hatte keine Kinder, die mich nachts wecken. Ich werde auf jeden Fall das Gleiche machen, wie in den letzten 14 Tage. Ich versuche, mich maximal auszuruhen und gut zu schlafen, damit ich voller Energie bin und die mentalen Ressourcen habe, um inspiriert und kreativ zu spielen. (sda)

Erstellt: 15.07.2017, 09:50 Uhr

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