«Stan: Who is the man?»

Frühes Aus bei den Australian Open: Drei Gründe, warum Stan Wawrinka die Erwartungen nicht erfüllte.

Grosse Enttäuschung bei Stan Wawrinka: Er scheitert im Achtelfinal an Milos Raonic.

Grosse Enttäuschung bei Stan Wawrinka: Er scheitert im Achtelfinal an Milos Raonic. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. «Stan: Who is the man?» rief ein Zuschauer in der Rod-Laver-Arena – wer ist denn jetzt der Mann? Tatsächlich wurde Wawrinka an diesem kühlen und windigen Montag in Melbourne seinem Übernamen «Stan the man» nicht gerecht, den er selber affichiert, auch auf T-Shirts und anderen Accessoires. Er war nicht der grosse und gefährliche Champion, als den man ihn gerade an den Grand-Slam-Turnieren in den letzten Jahren fast durchwegs erlebt hat. Oder zumindest nur teilweise.

1. Zu spät reagiert
Wawrinka besann sich gegen Milos Raonic zu spät auf seinen Stärken, fand zu spät zu seinem Kampfgeist. Auf dem gleichen Court, auf dem er 2014 Novak Djokovic und Rafael Nadal geschlagen hatte und in den Kreis der Major-Champions aufgestiegen war, erlitt er gegen den Kanadier nun eine Fünfsatz-Niederlage, die nicht absehbar gewesen war. Natürlich war er körperlich etwas geschwächt, nachdem er zehn Tage auch gegen einen Virus kämpfen musste. Dennoch wäre mit einem besseren Start auch diese Partie zu gewinnen gewesen.

2. Raonic auf dem Karrierehoch
Natürlich zeigte aber der lange, schlaue, ehrgeizige und hochtalentierte Kanadier, der erstmals auf diesem Court eine Partie gewann, auch eine sehr starke Leistung. Er strotzt vor Selbstvertrauen, nachdem er dieses Jahr noch ungeschlagen ist und auch gegen Roger Federer in Brisbane gewann (wobei dieser dort ebenfalls angeschlagen war). Und natürlich wählte er auch die richtige Taktik, indem er das Netz für sich in Beschlag nahm und allein dort 54 Punkte gewann. Raonic hatte den Sieg nicht gestohlen. Er schlug nicht nur viel besser auf, sondern war über die Partie gesehen auch viel konstanter.

3. Den inneren Schweinehund nicht überwunden
Doch der 30-jährige Lausanner machte ihm die Aufgabe auch zu leicht. Es wäre an ihm gelegen, dem zehn Ränge hinter ihm klassierten Herausforderer den Tarif durchzugeben, das Spiel an sich zu reissen. Immerhin war auch er dieses Jahr zuvor ungeschlagen gewesen, er hatte noch nicht einmal einen Satz abgeben müssen. Doch nun konnte er nicht reagieren, als ihm die Partie entglitt – weil er im zweiten Satz auch nicht bereit war, den berühmten inneren Schweinehund zu überwinden. Nachdem er im ein 2:0 eingebüsst hatte, war sein Auftritt phasenweise doch sehr lustlos und wenig engagiert. Er korrigierte diesen Eindruck zwar ab dem dritten Satz - doch da war er, wie sich zeigen sollte, schon zu weit zurückgefallen, da war es zu spät, um den Schaden noch abzuwenden.

Für Wawrinka, den besten Grand-Slam-Spieler der letzten zwei Jahre hinter Djokovic, ist dieses Aus zwar kein Drama, aber doch ein Dämpfer. Erstmals seit Paris 2014 hat er die Viertelfinals an einem Grand-Slam-Turnier verpasst; in Melbourne hatte er als Titelverteidiger letztes Jahr noch die Halbfinals erreicht und dort Djokovic in den fünften Satz gedrängt. Der Waadtländer wird sich damit vorerst etwas nach hinten orientieren müssen. Denn auch beim nächsten Grand-Slam-Turnier wird er sein Vorjahresresultat nicht verbessern können. Es ist das French Open, wo er als Titelverteidiger antritt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.01.2016, 09:32 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Wawrinka muss die Koffer packen

Stan Wawrinka muss sich im Achtelfinal gegen Milos Raonic geschlagen geben. Trotz Aufholjagd verliert der Schweizer in fünf Sätzen. Mehr...

Stan Wawrinka marschiert durch

Stan Wawrinka übersteht die dritte Runde ohne grössere Probleme. Er schlägt Lukas Rosol in drei Sätzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Werbung

Kommentare

Abo

Weekend-Abo für 1.- testen

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Für die Bösen: Die Grenadiers fribourgeois schiessen eine Ehrensalve am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac. (26. August 2016)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...