«Stinke ich?»

Wie bitte? Beim Siegerinterview bekam Novak Djokovic von Jim Courier eine seltsame Frage gestellt – zum Spass des Publikums.

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Plötzlich wich Novak Djokovic beim Siegerinterview einen Schritt zurück, etwas, was er während der Partie nie getan hatte. Jim Courier, der US-Davis-Cup-Captain mit dem Mikrofon in der Hand, wirkte betupft: «Stinke ich?» Nein, lautete die Replik des Serben, das nicht, aber Courier habe die Angewohnheit, eine Frage zu stellen und dann noch einen Schritt auf den Befragten zuzumachen. «Ich hatte heute schon viele Konfrontationen, da brauche ich dies nicht jetzt auch noch.» Schallendes Gelächter in der Rod-Laver-Arena.

Während der Partie hatten die Fans, die in grosser Mehrheit auf Seite Federers standen, nur wenig Grund zum Lachen gehabt (hier geht es zum Liveticker mit Videos und Umfragen). Als Novak Djokovic die ersten beiden Sätze im Trockenen hatte, war noch nicht einmal eine Stunde gespielt. Alle Betrachter rieben sich die Augen, statt des erwarteten Duells der Titanen auf Augenhöhe erlebten sie einen Monolog der Weltnummer 1, Federer wurde über weite Strecken zum Statisten degradiert. Auch Djokovic wusste, dass er in dieser Phase für die entscheidende Differenz gesorgt hatte (mehr dazu in der Analyse von René Stauffer).

«In den ersten beiden Sätzen habe ich wirklich unglaublich gespielt, gegen Roger war dies aber auch nötig.» Er habe um die Gefährlichkeit seines gefährlichsten Widersachers der letzten Jahre gewusst, hatte auch mitbekommen, dass dieser souveräner durchs Tableau marschiert war als er selber, beseelt von enormem Hunger nach dem 18. Grand-Slam-Titel. «Ich war aggressiv, hatte die richtige Intensität, habe die Schläge konsequent und perfekt durchgezogen. Das war wirklich ganz stark von mir.» Wie stark er teilweise spielte, sehen Sie hier.

Einmal mehr bewahrheitete sich die These, dass man ein Turnier in den ersten Runden nicht gewinnen kann, nur verlieren. Noch im Achtelfinal gegen Gilles Simon war Djokovic weit von seiner besten Verfassung entfernt gewesen, hatte sich die unglaubliche Zahl von 100 unerzwungenen Fehlern geleistet. In der Retrospektive ein heilsamer Sieg: «Ich hatte bei fast allen Majors, die ich gewonnen habe, mindestens eine schwierige Partie. Diesmal war es die Partie gegen Simon, danach musste ich über die Bücher.»

Positive Bilanz gegen Hauptgegner

Durch diesen Sieg gegen Federer führt Djokovic nun in den Direktduellen gegen Federer 23:22. Erstmals weist er gegen die vier grössten Gegner durchwegs positive Bilanzen auf, die anderen lauten 24:23 gegen Nadal, 21:9 gegen Murray, und 20:4 gegen Wawrinka. Gegen Federer und Nadal hat er zusammen fast einhundert Mal gespielt, und natürlich haben diese beiden den grössten Einfluss auf seine Karriere gehabt. Das vergass er auch in der Stunde eines weiteren Triumphs nicht: «Roger und Rafa haben grossen Anteil daran, dass ich heute ein so guter Spieler bin. Ich musste zuerst enorm hart arbeiten, um mich in die Position zu bringen, sie herausfordern zu können. Jetzt bin ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere und geniesse jeden einzelnen Moment auf dem Platz.»

Zwischen Djokovic und seinem 11. Major-Titel steht nun nur noch Andy Murray oder Milos Raonic. Für den Serben ist aber klar, dass er am Sonntag noch einmal vor einem harten Stück Arbeit steht: «Wer auch immer in den Final kommt, wird ein sehr gefährlicher Gegner. Ich stelle mich jedenfalls auf das Unerwartete ein.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.01.2016, 13:07 Uhr)

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