Sport

Schweiz ringt Norwegen mit 5:4 nieder

Von Rolf Bichsel (Si), Vancouver. Aktualisiert am 21.02.2010

Was für ein Krampf nach der Sternstunde gegen Kanada: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft hat im olympischen Turnier gegen Norwegen dreimal eine Führung preisgegeben.

Schweizer Jubel: Matchwinner Romano Lemm, Roman Wick (Mitte) und Mathias Seger.

Schweizer Jubel: Matchwinner Romano Lemm, Roman Wick (Mitte) und Mathias Seger.
Bild: Keystone

Olympische Winterspiele Vancouver 2010

Norwegen - Schweiz 4:5 n.V. (1:1, 2:2, 1:1, 0:1)

Canada Hockey Place. - 16'900 Zuschauer (ausverkauft). - SR Devorski/Orszag (Ka/Slk), Novak/Winnekens (Slk/De). - Tore: 2. Sprunger (Domenichelli, Sannitz) 0:1. 13. Vikingstad (Thoresen, Tommy Jakobsen) 1:1. 24. Mads Hansen (Thoresen/Ausschluss Diaz) 2:1. 30. Wick (Seger, Martin Plüss) 2:2. 36. Sannitz (Seger, Wick) 2:3. 39. Vikingstad (Zuccharello Aasen, Olimb) 3:3. 50. Blindenbacher (Wick, Mark Streit/Ausschluss Zuccharello Aasen) 3:4. 53. Vikingstad (Thoresen) 4:4. 63. (62:28) Romano Lemm (Jeannin) 4:5. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Norwegen, 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Norwegen: Grotnes; Mats Trygg, Tommy Jakobsen; Holos, Tollefsen; Bonsaksen, Lund; Kaunismäki; Zuccarello Aasen, Vikingstad, Patrick Thoresen; Jonas Andersen, Mads Hansen, Roymark; Holtet, Bastiansen, Olimb; Spets, Forsberg, Laumann.
Schweiz: Hiller; Seger, Mark Streit; Blindenbacher, Sbisa; Diaz, von Gunten; Philippe Furrer, Yannick Weber; Romano Lemm, Jeannin, Wick; Déruns, Ambühl, Monnet; Paterlini, Martin Plüss, Rüthemann; Domenichelli, Sannitz, Sprunger.
Bemerkungen: Schweiz ohne Tobias Stephan (Ersatztorhüter) und Rüeger (überzählig). - Pfostenschuss Tommy Jakobsen (51.). - Domenichelli scheitert mit Penalty an Grotnes (1.). - Timeout Schweiz (59:28). - Schüsse: Norwegen 23 (4-8-9-2); Schweiz 38 (13- 11-12-2). - Powerplay: Norwegen 1/3; Schweiz 1/2.

Das Eishockey-Nationalteam errang trotz einer gar nicht guten Leistung gegen Norwegen den ersten Sieg im Olympia-Turnier. Die Schweizer verspielten drei Führungen und siegten erst in der Overtime.

Romano Lemm erzielte nach 62:28 Minuten auf Vorarbeit von Sandy Jeannin das entscheidende Goal. Damit heisst der Gegner im Achtelfinal vom Dienstag mit grösster Wahrscheinlichkeit Weissrussland. Hätten die Schweizer gegen Norwegen verloren, wären sie auf die Slowakei oder Russland getroffen.

Vikingstad glich dreimal aus

Die erste Niederlage in einem wichtigen Spiel gegen Norwegen seit der WM 1993 (2:5 in München) drohte lange. Die Leistung der SEHV-Auswahl fiel gegenüber dem Kanada-Spiel markant ab. Es fehlte an Ordnung und Disziplin. Die Norweger führten im zweiten Abschnitt 2:1 und holten dreimal einen Rückstand auf. In der 51. Minute beklagten sie durch Verteidiger Tommy Jakobsen noch einen Pfostenschuss. Insbesondere die Sturmlinie mit Tore Vikingstad (3 Tore) und Patrick Thoresen (letzte Saison bei Lugano) kriegten die Schweizer überhaupt nicht in den Griff.

Dabei hatte für das Team von Ralph Krueger alles optimal begonnen. Die Schweizer zündeten ein Startfurioso: Thierry Paterlini vergab die erste Grosschance und Hnat Domenichelli scheiterte mit einem Penalty, noch ehe die erste Minute um war. Julien Sprunger brachte nach 63 Sekunden mit der dritten Chance die Schweizer in Führung. Doch der frühe Vorsprung verlieh nicht Sicherheit. Wenig später musste Thierry Paterlini nach einem Stockfoul für vier Minuten auf die Strafbank, womit der Startschwung endgültig verloren ging.

Defensive inklusive Hiller nicht auf der Höhe

In der Folge knorzten sich die Schweizer zum Sieg. Immerhin verloren sie, als sie 1:2 in Rückstand gerieten, nicht auch noch die Ruhe. Roman Wick und Raffaele Sannitz kippten mit sehenswerten Goals das Spiel. Das vierte Schweizer Tor erzielte Severin Blindenbacher im Schlussabschnitt in Überzahl. Zum Sieg reichte auch der dritte Vorsprung aber noch nicht aus - auch weil Jonas Hiller (vier Gegentore aus den ersten 19 Torschüssen) nicht seinen besten Tag erwischte.

Hiller befand sich jedoch in guter Gesellschaft. Die Schweizer enttäuschten auf der ganzen Linie. Die defensive Ordnung - das Markenzeichen des Schweizer Teams in der Ära Krueger - ging völlig verloren. Die Schweizer agierten nicht nur taktisch undiszipliniert: in den ersten 26 Minuten kassierten sie fünf Strafen, vier davon in der Angriffszone.

Immerhin bleiben dem Team zweieinhalb Tage, um vor dem Achtelfinal auf den richtigen Pfad zurückzufinden. Ralph Krueger betonte vor dem Olympiaturnier immer, dass es in den ersten drei Partien darum gehe, das Spiel 4 vorzubereiten, das es dann unbedingt zu gewinnen gilt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.02.2010, 08:32 Uhr