Die Angst vor der «Fifty-fifty-Kurve»
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 22.02.2010
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Bedenkliche Szenen spielen sich zur Zeit in der Bobwelt ab. Als Pilotin Manami Hino aus Japan ihren Zweierbob im Training heil ins Ziel brachte, brandete ihr von Seiten der Helfer und Sanitäter Jubel und Applaus entgegen. Dies nicht einer ausserordentlich schnellen Zeit wegen, sondern nur, weil sie es unbeschadet durch den Eiskanal geschafft hatte.
Die unheimliche Serie von folgenschweren Stürzen im olympischen Eiskanal lässt die Öffentlichkeit aufhorchen. Es begann mit dem Unfalltod des georgischen Schlitters Nodar Kumaritaschwili, der mit schwindelerregender Geschwindigkeit aus der Bahn geschleudert worden war und noch am Unfallort verstarb. Zwar wurde die besagte Passage entschärft, doch die Unglücksgeschichten fanden ihre Fortsetzung. In den Trainingsläufen zum Zweierbob waren viele Piloten überfordert und zahlten dafür einen hohen Preis.
Aus Schweizer Sicht besonders bedauernswert war der Ausfall von Medaillenkandidat Beat Hefti, der sich schwere Prellungen, Abschürfungen am Kopf und eine Gehirnerschütterung zuzog. Auch Landsmann Daniel Schmid liess nach einem Trainingssturz den Wettkampf aus. Er ist ob der gefährlichen Bahn und dem fahrlässigen Verhalten des Bobverbandes FIBT aufgebracht: «Das ist kein Sport mehr, sondern nur Spektakel.» Schmid prangert gegenüber Bild.de vor allem das Missverhältnis zwischen Geschwindigkeit zur Kurvenkombination an.
Der Viererbob wird noch schneller
Dieses Verhältnis könnte im Hinblick auf den kommenden Wettkampf am Samstag im Viererbob noch gefährlicher werden. Vor allem gegen Ende des Kurses wird die Geschwindigkeit des grossen Schlittens noch höher sein als im Zweierbob. Just dort also, wo auch die schwierigsten Kurven die volle Konzentration der Piloten erfordern. Vor allem die Kurve 13, auch «Fifty-Fifty» genannt, hat es in sich. «Mächtige Probleme, auf den Kufen zu bleiben», hat die deutsche Bob-Legende Andre Lange dort geortet. Als einer der Wenigen schaffte er es fehlerfrei durch die letzte Passage. Die Belohnung: Olympiagold im Zweierbob. Und auch im Vierer gilt er als Favorit. Ihm macht es sogar «Spass, durch die Bahn zu hetzen.» Mit dieser Meinung ist Lange allerdings nicht in der Mehrheit. Viele fordern, dass die Bahn weiter entschärft wird.
Als erste Massnahme hat der Internationale Bobverband zwei weitere Trainingsläufe angeordnet. Ginge es nach dem Gros der Fahrer, sind weitere Anpassungen an der Bahn nötig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.02.2010, 15:21 Uhr
