Sport

Umstrittener Eiskanal: Bobfahrer müssen schweigen

Im ersten Training purzelten die Bobfahrer gleich reihenweise – auch zwei Schweizer Bobs kamen nicht auf den Kufen ins Ziel. Äussern dürfen sich die Fahrer aber nicht dazu.

1/20 Cathleen Martini und Romy Logsch stürzten auf dem Weg zur Bronzemedaille. (Quelle: ZDF)

   

Nach acht Stürzen in den ersten beiden Trainings hat der Weltverband FIBT allen Bobfahrern und ihren Trainern verboten, sich öffentlich über die umstrittene Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler zu äussern. «Dies dürfen nur die Offiziellen des Weltverbands machen. Bei uns kann man aber an der Mimik und Gestik ablesen, was los ist», sagte der deutsche Pilot Thomas Florschütz. «Das ist für mich skandalös. Das ist ein Witz», sagte dazu der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab. Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili berät die Jury nun über mögliche Entschärfungen der Bahn.

Nach der Sturzserie am Mittwoch wurde der Trainingsbeginn am Donnerstag um 20 Minuten verschoben. Offizielle Begründung: Zu grosse Sonneneinstrahlung, doch der Weltverband scheint erstmal um Schadensbegrenzung bemüht. Laut Regelwerk darf die Bahn erst nach Abschluss der Skeleton-Wettbewerbe für die Bob-Piloten modifiziert werden. Der Zweierbob-Wettkampf beginnt am Samstag.

Vier Läufe – elf Stürze

Bis dann sollte auch der Schweizer Mitfavorit Beat Hefti wieder fit sein. Er zog sich bei seinem Sturz am Mittwoch am ganzen Körper Schürfungen und Prellungen zu. Er verzichtete deshalb auf die Trainingsläufe 2 bis 4, was seine Chancen auf die angestrebte Olympia-Medaille schmälert. Sein Anschieber Thomas Lamparter blieb ebenso wie die ebenfalls gestürzten Daniel Schmid und dessen Hintermann Jürg Egger unverletzt.

Trotz des verspäteten Starts wurde auch der zweite Trainingstag von mehreren Stürzen überschattet. Am heftigsten erwischte es den bereits am Vorabend gestürzten Japaner Hiroshi Suzuki. Der Pilot verliess nach seinem Sturz die Bahn und trat zum zweiten Trainingslauf nicht mehr an. Zudem stürzten der Slowake Milan Jagnesak und der erfahrene Tscheche Ivo Danilevic, der aber im zweiten Lauf ohne grössere Probleme ins Ziel fuhr. Damit hat es in den ersten vier Trainingsläufen der Zweierbobs bereits elf Stürze gegeben.

«Viermal gesund ins Ziel kommen»

«Schuld an allem ist die FIBT», sagte der zweimalige Olympiasieger Christoph Langen, «nach den ersten Tests hatten die Verbände und Piloten schon ihre Probleme geäussert, aber deren Veto wurde nicht richtig wahrgenommen.» Für die Zweierbob-Piloten sei es schon eng, für die Vierer werde es noch enger. «Die Bahn ist rund, was eigentlich schön ist, aber die Rodler haben runde Kufen und unsere sind gerade», erklärte der ebenfalls gestürzte Karl Angerer.

Entwarnung gab der australische Pilot Christopher Spring, der am Mittwoch bereits in Kurve fünf gestürzt war. Sein Anschieber Duncan Harvey wurde aus dem Bob geschleudert und war bis zum Ende des Eiskanals gerutscht. Der Olympia-Debütant, der sofort mit einem Krankenwagen ins Spital gebracht wurde, klagte über starke Rückenschmerzen. Die medizinische Untersuchung zeigte jedoch keine schwereren Verletzungen.

Der Respekt vor dieser Strecke ist im Feld sicher vorhanden. So sagte der etwas unerfahrene Liechtensteiner Michael Klingler, angesprochen auf seine Zielsetzung für das Zweier-Rennen: «Viermal gesund ins Ziel kommen.» Mit dem Resultat beschäftigt er sich offenbar erst in zweiter Linie. Der Österreicher Jürgen Loacker meinte im Spass: «Auf dieser Bahn bin ich fast froh, dass ich im Vierer nur Ersatz sein werde.» (son)

Erstellt: 19.02.2010, 14:55 Uhr