«Wiederholte Schläge für Dopingsünder»
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 15.02.2010
Olympische Winterspiele Vancouver 2010
Anlässlich einer Pressekonferenz der Antidopingagentur Wada wurden die ersten Dopingsünder der Olympischen Spiele entlarvt und mit Schutzsperren belegt. So sind der russische Kombinierer Nijas Nabejew und der Langläufer Kaspar Kokk aus Estland vorerst bis zum 16. Februar gesperrt – offiziell ihrer Gesundheit wegen. Bei ihnen wurden überhöhte Hämoglobinwerte festgestellt. Sie müssen vor einem allfälligen Start noch einmal zu einer Blutprobe erscheinen. Doch nicht nur die beiden Osteuropäer wurden kontrolliert; knapp 800 Blut- und Urinproben hat die Wada seit der Eröffnung des Olympischen Dorfes am 4. Februar schon vorgenommen.
Ferry unbeeindruckt
Doch dies scheint Björn Ferry nicht zu beeindrucken. Er spricht Klartext und schiesst dabei über das Ziel hinaus: «Für mich wäre es in Ordnung, wenn Dopingsünder mit der Todesstrafe oder mindestens mit wiederholten Schlägen auf die Eier bestraft werden.» Der 31-jährige Schwede ist Mitglied einer Vereinigung, die sich für dopingfreien Sport einsetzt und fällt immer wieder durch deftige Aussagen auf.
Sein Chef, Björn Eriksson, vom schwedischen Biathlonverband relativiert: «Eine typische Ferry-Antwort. Ich verstehe, was er meint, doch er geht mit seiner Antwort zu weit.» Nicht nur bei Eriksson stossen Ferrys deutliche Worte auf Widerstand, auch Doppelolympiasieger Björn Lind hält sich mit Kritik nicht zurück und bezeichnete ihn einst als «Medienhure.»
Von der Konkurrenz überflügelt
Möglicherweise steckt hinter Ferrys harten Forderungen auch ein wenig Frust. Denn der Mann aus dem mittelschwedischen Storuman schiesst meistens fehlerfrei und zeigt auch in der Loipe gute Leistungen. Trotzdem bleiben ihm die Medaillen oftmals verwehrt. So auch beim Olympia-Auftakt am Samstag über 10 km, als er nur auf dem 8. Platz landete. Seine Antwort auf diese Enttäuschung blieb diesmal versöhnlich: «Das Wetter spielte verrückt, es war wie beim Lotto. Mit meiner Startnummer 26 hatte ich keine Chance.»
Dass Ferry seine Konkurrenten immer wieder attackiert und harte Strafen fordert, hat einen tieferen Sinn. Er will verhindern, dass Doping im Biathlon üblich wird und verweist auf den Radsport, wo «Doping doch schon normal geworden ist». «Sonst», ist er überzeugt, «werden wir die Leute ohne Moral nicht los». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.02.2010, 13:54 Uhr
