Sport

«Das ist für mich keine persönliche Angelegenheit»

Von Christian Andiel, Whistler. Aktualisiert am 20.02.2010

Olympiasieger Simon Ammann lässt sich durch den Wirbel der Österreicher um seine Bindung nicht aus der Ruhe bringen.

Simon Ammmann hat auch mit den österreichischen Springern keine Probleme: «Die Atmosphäre unter uns vor der Qualifikation war sehr gelöst»

Simon Ammmann hat auch mit den österreichischen Springern keine Probleme: «Die Atmosphäre unter uns vor der Qualifikation war sehr gelöst»
Bild: Keystone

Unbeeindruckt von allen Diskussionen über seine Bindung absolvierte Simon Ammann Training und Qualifikation, nahm den Konkurrenten fünf Meter und mehr ab. Am Donnerstag hatte er seinen Ruhetag genutzt, war durch Whistler geschlendert, hatte dem House of Switzerland einen Besuch abgestattet.

Simon Ammann, lassen Sie uns zuerst über das Sportliche reden: Wie waren Sie mit den Sprüngen in der Qualifikation zufrieden?
Mir hat der Trainingssprung eigentlich besser gefallen, da konnte ich perfekt attackieren. Aber mit dem zweiten Sprung bin ich schon auch sehr zufrieden, so passt das. Ich bin vor allem froh, dass ich trotz all der Turbulenzen konzentriert sein konnte. Ich konnte immer bei mir bleiben, und das ist das Wichtigste.

Wie schwer ist Ihnen da gefallen?
Mit hat das Team sehr geholfen, zusammen hatten wir einfach eine tolle Woche. Ich fühlte mich am Dienstag und Mittwoch etwas müde, habe mich dann gefangen, auch dank des freien Donnerstags. So läuft das alles optimal.

Können Sie die Aufregung um Ihre Bindung verstehen?
Die Konkurrenz schaut einfach jetzt drauf, dabei springen wir dieses System schon länger. Bei der Kontrolle der Bindung wurde gecheckt, ob der Schuh gerade auf der Bindung steht – das tut er, und damit ist alles gut. Diese Bindung haben übrigens schon Springer aus anderen Nationen verwendet, aber bisher war es kein Spitzenathlet – das hat die Sache vermutlich verändert.

Warum haben Sie die Bindung nicht schon früher benutzt?
Man kann nicht einfach hingehen und über Nacht ein neues Setup verwenden, vor allem nicht vor wichtigen Wettkämpfen. Wir haben vor der Tournee darüber diskutiert, aber da habe ich Geduld eingefordert, ich habe gesagt: ‹Komm, wir warten, irgendwann sind wir uns sicher.› Das war Ende Januar vor Klingenthal der Fall, meine Form war sehr gut, deshalb habe ich es probiert.

War das für Klingenthal also ein Bauchentscheid?
Ja, wir haben zuletzt viele solcher Entscheide nach Bauchgefühl getroffen, und immer kam es gut.

Sind Sie sauer auf die Österreicher und ihren angekündigten Protest?
Nein, absolut nicht, das ist für mich keine persönliche Angelegenheit. Die Situation dort ist einfach angespannt, aber ich finde es nun ganz wichtig, dass man die Athleten in Schutz nimmt: Mit ihnen habe ich es sowieso immer gut, und auch die Atmosphäre unter uns vor der Qualifikation war sehr gelöst. Das ist schön, und es ist mir wichtig, diesen Punkt zu betonen. Wir sind einfach eine Gruppe von Spitzenathleten, und mal ist der eine stärker, mal der andere.

Jetzt sind Sie offenbar der Stärkste.
Mir passt diese Situation von Olympia: Es ist nicht wie im Weltcup, wo man schon ein paar Tage später etwas gut machen und wieder Punkte gewinnen kann. Hier geht darum, an diesem Tag des Wettkampfs alles abzurufen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2010, 01:39 Uhr